“Wenn tagtäglich tausende Touristen durch die Stadt ziehen, lässt das die Geschichtswissenschaft nicht unbeeindruckt. Historiker beschäftigen sich nicht nur mit der Geschichte des Reisens. Auch der aktuelle Geschichtstourismus spielt eine zentrale Rolle – als Teil der Public History. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Zusammenhang von Vergangenheit und Image der Stadt: Wie lässt sich die große Anziehungskraft historisch belasteter Orte erklären? Das Reisen an Orte, die mit Tod, Leiden und Grauen assoziiert werden, wird als Dark Tourism bezeichnet. (…)

Ausstellungsgelände “Topographie des Terrors” - Im Hintergrund das Bundesministerium der Finanzen, (das ehemalige Reichsluftfahrtministerium und spätere Haus der Ministerien der Deutschen Demokratischen Republik). Dazwischen ein Reststück der Berliner Mauer
Erst Ende der siebziger Jahre deckten die Berliner Geschichtswerkstatt und andere Initiativen die Geschichte der nationalsozialistischen Terrorzentrale auf. Zur Internationalen Bauausstellung von 1984/87 entstand im „zentralen“ Bereich an der Mauer eine Geschichtslandschaft. Ausgrabungen gaben 1985/86 Teile der ehemaligen Folterkeller frei. Dies hatte vor allem eine symbolische Dimension, denn die Kellermauern gaben nur wenige Informationen preis. Es ging um die Aufdeckung des Verschütteten und die besondere Kraft authentischer Spuren, mochten sie materiell auch noch so unbedeutend sein.(…) Der Fall der Berliner Mauer trug auf doppelte Weise zum Erfolg dieses Ortes bei. (…) Beide deutschen Diktaturen sind so auf engstem Raum „erfahrbar“, was manche Touristen überfordert: Legendär sind interessierte Nachfragen, warum Hitler eigentlich die Mauer gebaut habe.(…) So haben alternative Projekte zur Touristifizierung Berlins als „Rom der Zeitgeschichte“ beigetragen. Mit Blick auf die großen kommerziellen Potenziale des Berliner Geschichtstourismus treibt die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH die Eventisierung der Geschichtskultur weiter voran.” (1)

Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Altersheim, Große Hamburger Straße


“Am 11. April 1942 wurde die Jüdische Schule auf Veranlassung des Reichssicherheitshauptamts geräumt und am 30. Juni endgültig geschlossen. Die Schule und das benachbarte Altersheim wurden ab nun von der Gestapo als Sammellager eingerichtet, von dem aus Zehntausende jüdische Bürger in das KZ Theresienstadt und das KZ Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Das Altersheim wurde 1943 zerstört und nach Kriegsende enttrümmert. An dieser Stelle befindet sich heute der Eingang zum alten jüdischen Friedhof, der damals direkt hinter dem Heim lag.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hamburger_Stra%C3%9Fe
Text (1): Hanno Hochmuth
Vortrag auf der Tagung “Schattenorte. Stadtimage und Vergangenheitslast”, Potsdam-Museum/ZZF Potsdam, Potsdam, 12.2.2015.
Der am 13.2.2015 im Tagesspiegel erschienene Artikel Die Attraktion der Schattenorte von Hanno Hochmuth basiert auf diesem Vortrag.
http://www.tagesspiegel.de/wissen/berlin-inszeniert-seine-geschichte-die-attraktion-der-schattenorte/11366582.html
2015-06-08

gesehen in der Auguststrasse
“Häufig bilden schwerwiegende ökonomische Ungerechtigkeiten oder soziale Unruhen die auslösenden Motive für einen Generalstreik.(…)
Der größte Generalstreik der neueren europäischen Geschichte – der erste wilde Generalstreik überhaupt – waren die Mai-Unruhen 1968 in Frankreich. “(Wikipedia)
Generalstreik erst 2020 ? Schwerwiegende ökonomische Ungerechtigkeiten werden seit Jahren immer größer.
Neue Arbeit von ALIAS
Baustellenabsperrungen ohne Baustelle für Werbung einer Kunstinstitution der Auguststrasse


SP38 - no money no art
2015-06-05
War die letzten Wochen in anderen Gefilden (was auch mal schön ist), darum erst jetzt zum Kommentar von Volker Niess hier auf der Seite:
Der Spreeuferweg zwischen Tucholskystraße und Monbijoustraße bleibt bis voraussichtlich 07.08.2015 gesperrt.
“Die Arbeiten werden als Wiederherstellungs- und Aufwertungsmaßnahme im Anschluss an die Sanierung der Gebäude der ehemaligen Universitätsfrauenklinik der Charite und der Sanierung des Simon-Palais im Rahmen des Bauvorhabens Forum Museumsinsel durchgeführt.
Die Flächen werden in Abstimmung mit dem Bezirk Mitte, dem Straßen und Grünflächenamt, wiederhergestellt, freiraumplanerisch überarbeitet und aufgewertet,” so eine Pressemitteilung des Bezirksamtes Mitte.
In das Gebäude der ehemaligen Universitätsfrauenklinik der Charite wird bald als Hauptmieter die Telekom Akademie einziehen und das Simon-Palais, einst Krankenstation für Frauen und Mädchen, “die keine Unterstützung durch öffentliche Mittel bekommen”, wird ein Gebäude mit “exklusiven ein- und zweigeschossigen Stadtwohnungen.”


Das Simon-Palais

Gebäude der ehemaligen Universitätsfrauenklinik der Charite

siehe auch:
/die-privatisierte-stadt-forum-museumsinsel
2015-05-28

“Gehst Du eine Straße bewusst entlang, eine Straße, die dir vertraut zu sein scheint, erlebst du aufeinmal, dass hier oder da etwas zu dir leise zu Flüstern scheint. Viele immer mehr werdende Stolpersteine, im Pflaster messingfarben leuchtend, erinnern dich an Unvorstellbares, das in dieser Straße, Stadt und Land geschah. Alte Häuser verändern ihr äußeres wiederholt. Inschriften geben Rätsel auf. Grünflächen inmitten geschlossener Häuserzeilen, warum?
Viel wird vom Scheunenviertel erzählt. Aber wo war es wirklich, wer wohnte einst dort, was erzählt man davon?
Mittendrin die Verlohrene Straße. War das etwa eine Straße der Verlorenen? Wer oder wo oder was ist Almstadt?
Eine Schendel Gasse mitten in Berlin? Wo ist das blau/weiße Straßenschild dieser Gasse geblieben?
“Straßengeflüster” erzählt als eine Ausstellung in Bild und Wort vom Wachsen und Werden eines Viertels, dem sogenannten “Scheunenviertel”, von seinen Veränderungen vor und um die Wendezeit, von den Menschen und ihrem Leben in den Häusern.”

Mehr als ein Dutzend junger Studierender der TU Berlin haben u. a. die Weinmeister- Münz-, Mulack-, Almstadt-, Max-Beer- und Steinstraße im “Scheunenviertel” in der Spandauer Vorstadt von ihrer Anlegung bis zur Gegenwart untersucht. Deren Erfahrungen und die Bilder von Klaus Bädicker, als einstiger Mitarbeiter und Fotograf der Kommunalen Wohnungsverwaltung Berlin-Mitte in der DDR-Zeit von 1984 bis kurz nach der Wende, wollen dem Besucher dieser Ausstellung “was ins Auge und Ohr flüstern”.
Andreas Ulrich (Moderator beim rbb und radioeins) wird als Freund und Kenner der Berliner Mitte am 15. April ab 19 Uhr im Raum 1.02 im Erdgeschoss der Volkshochschule Menschen interviewen, die hier einstmals lebten oder immer noch wohnen, arbeiteten oder das Viertel mit zu rekonstruieren halfen, es einfach nur oder eben deshalb lieben. Es wird an diesem Abend auch einen kleinen Büchertisch vom “Sonnenhaus” mit auserlesener Berlin-Literatur geben.
Begleitend zur Ausstellung werden zwei verschiedene Führungen am Samstag, den 18.04.2015 durch das “Sophienviertel” und am 25.04.2015 durch das “Scheunenviertel” jeweils ab 16 Uhr angeboten. Treffpunkt: Koppenplatz, Denkmal. Teilnahme natürlich kostenfrei.
Eine Ausstellung in der Volkshochschule Berlin Mitte • Linienstraße 162 • 10115 Berlin
Ausstellungseröffnung am 15. April 2015, 19 Uhr
Die Ausstellung ist vom 15. April bis 30. August 2015 zu den Öffnungszeiten der VHS Linienstraße zu sehen.
2015-04-09

Für Arbeiten an den Leitungsnetzen gibt es zur Zeit wieder mehrere Baustellenabsperrungen in der Auguststrasse.
Wochenlang bleibt abgesperrt, ohne das Arbeiten stattfinden.



Ich bin dafür, das noch mehr Absperrungen dauerhaft eingerichtet werden - da könnte man doch gut Pflanzenkübel und Sitzgelegenheiten aufstellen um in der Abendsonne zu sitzen.
Oder Sandkisten für Kinder.
Autos nehmen in der engen Straße viel zu viel Platz ein. Darum: Auguststraße AUTOFREI !
siehe auch:
/die-stadt-und-das-auto
/tempo-10-zone-oder-besser-gleich-autofrei
/spielplatz-strasse
2015-03-27

Die Hinweisschilder im Bahnhof Friedrichstraße, die mit dem Slogan „Wir. Dienen. Deutschland.“ den Weg zum Bundeswehr Rekrutierungsbüro anzeigen, wurden in „Krieg. Beginnt. Hier.“ umgeändert.

gesehen am 14.03. Bahnhof Friedrichstraße
Auf der Veröffentlichungsplattform Indymedia fand ich den Hintergrund der Umgestaltung: am Samstag gab es eine Aktion gegen die ‘Normalisierung des Militärischen im Alltag’ vor dem Rekrutierungsladen der Bundeswehr:
“Die Bundeswehr stellt sich in Medien, auf Messen, im Jobcenter und hier in Berlin-Mitte als „normaler Arbeitgeber“ dar und verschleiert die Tatsache, dass sie Menschen sucht, die bereit sind zu töten und selbst getötet zu werden. Die Bundeswehr ist weltweit an Kriegseinsätzen beteiligt. Kriege werden regelmäßig mit dem Einsatz für Menschenrechte und Demokratie gerechtfertigt, tatsächlich sind ökonomische und geopolitische Machtinteressen ausschlaggebend.”
https://linksunten.indymedia.org/de/node/137628
Die Berliner Zeitung berichtete Anfang März unter dem Titel ‘Kaum Besucher in teurem Bundeswehr-Showroom’:
“Die Werbeaktion ist der Bundeswehr einiges wert. Sie zahlt eine Gesamtbruttomiete von 14.705 Euro im Monat. Darin ist die Ladenmiete für die 66 Quadratmeter Showroom enthalten, hinzu kommen die 12 Räume für die Karriereberater auf insgesamt 289 Quadratmetern sowie vier Tiefgaragen-Stellplätze, und das direkt am Bahnhof Friedrichstraße.”
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/bundeswehr-showroom-in-der-friedrichstrasse-kaum-besucher-in-teurem-bundeswehr-showroom-,10809148,30045156.html
siehe auch:
/fuer-ein-verbot-von-gezielter-werbung-fuer-die-bundeswehr-bei-minderjaehrigen
2015-03-16

Nach München und Hamburg gibt es ab diesem Monat auch in Berlin eine Genehmigungspflicht für die Umwandlung einer Miet- in eine Eigentumswohnung. Allerdings gilt das nur in sogenannten Milieuschutzgebieten und betrifft damit nur 160.000 Wohnungen mit etwa 300.000 Menschen.
Auch soll die Verordnung nur für 5 Jahre gelten. In Mitte ist nur die Oranienburger Vorstadt ein Milieuschutzgebiet.

Auguststraße 9, Tucholskystraße 34

Die Immobilienwirtschaft sieht schon das Recht auf Eigentum eingeschränkt: „Das jetzige Umwandlungsverbot ist ein weiteres Mosaiksteinchen in der Einschränkung des Rechts auf Eigentum – neben Kappungsgrenze, Zweckentfremdungsverbot und der kommenden Mietpreisbremse.“ http://news.immowelt.de/tipps-fuer-vermieter/artikel/2857-berlin-begrenzt-luxussanierungen-umwandlung-von-miet-in-eigentumswohnungen-wird-erschwert.html
Dabei müsste von der Politik vielmehr geschehen: eine Bodenreform, die den Bodenmarktpreis nicht allein dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen darf.
2015-03-06
