AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Kleine Rosenthaler Str. 9

Kleine Rosenthaler Str. 9

Die Remise auf dem Grundstück Kleine Rosenthaler Str. 9 ist nun abgerissen.
Der das Werkstattprojekt ‘Linienhof‘ betreibende Verein konnte sich die hohen Gerichtskosten nicht mehr leisten um weiter für einen Verbleib auf dem Grundstück zu streiten.

Kleine Rosenthaler Str. 9

Kleine Rosenthaler Str. 9

Bald wird das nächste gesichtslose Gebäude mit Eigentumswohnungen entstehen (Bild unten ‘Choriner Höfe’: “Lifestyle - Dem besonderen Charme dieses Viertels erliegen vor allem kreative Köpfe. Sie finden hier ihren Lebens- und Arbeitsraum, in dem sie Projekte entwickeln, Netzwerke knüpfen, Partys feiern und Familien gründen.”)

Choriner Hoefe

Der Ausverkauf von Berlin geht munter weiter …

Berlin ist ausverkauft

siehe auch:

/baugruppendebatte

2012-06-20

Morgen eröffnet das BMW Guggenheim Lab in einen Hinterhof auf den Pfefferberg-Gelände.

 BMW Guggenheim Lab BMW Guggenheim Lab

Ursprünglich wollte man die temporäre Veranstaltung auf einer Brache an der Spree, in Kreuzberg 36 errichten, doch drohende Proteste gegen die Imagepflegeveranstaltung des Autokonzerns ließen die Organisatoren in den Pfefferberg, Prenzlauer Berg umziehen - und so eröffnet die Veranstanstaltung mit dreiwöchiger Verspätung.

Pfefferberg

Die ursprünglich aus einer Anwohnerinitiative hervorgegangene Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH, heute einer der grossen ABM- und Ein-Euro-Jobs-Arbeitgeber, hat die Sanierung und gewerbliche Nutzung der früheren Brauerei Pfefferberg vorangetrieben für diverse schicke Galerien, ein Hostel und Restaurants …

BMW Guggenheim Lab

Gentrification-Party (Kuratorin des Labs, Maria Nicanor)
»Wir haben es hier mit einem interessierten, aufgeschlossenen Publikum zu tun, das wir mit traditionellem Marketing und herkömmlichen Kommunikationskanälen immer weniger erreichen. All jene, die ganz definitiv keine Autozeitschriften lesen und die sich weniger für Fernsehen, Print und andere traditionelle Medien interessieren. Diese Menschen erreichen wir mit Veranstaltungen außerhalb der üblichen Terrains einer Premiummarke wie beispielsweise dem Golfsport.« (BMW-Marketingchef Uwe Ellinghaus)
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/0,2828,771500,00.html

BMW Guggenheim Lab

15. Juni bis 29. Juli, Öffnungszeiten: Mi/Do/Fr 14-22 Uhr, Sa/So 12-22 Uhr, Mo/Di zu, Eintritt frei.

2012-06-14

Mascha Kaléko (gebürtig Golda Malka Aufen, geb. am 7. Juni 1907 im galizischen Chrzanów, Österreich-Ungarn, heute Polen; gest. am 21. Januar 1975 in Zürich) war eine deutschsprachige, der Neuen Sachlichkeit zugerechnete Dichterin.

Mascha Kaléko
Interview mit mir selbst.
Mascha Kaléko spricht Mascha Kaléko.
Deutsche Grammphon Wort, Berlin 2007

1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, übersiedelte zunächst die Mutter mit den Töchtern Mascha und Lea nach Deutschland, um Pogromen zu entgehen. In Frankfurt am Main besuchte Kaléko die Volksschule. Ihr Vater wurde dort aufgrund seiner russischen Staatsbürgerschaft als feindlicher Ausländer interniert. 1916 zog die Familie nach Marburg, schließlich 1918 nach Berlin, in die Spandauer Vorstadt (Grenadierstraße 17).(3)

Grenadierstrasse
Familie Kempler, Grenadierstraße ca. 1926, (heute Almstadtstraße)

“Die 16-jährige Mascha lernt Bürokauffrau im «Arbeiter-Fürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands» [in der Auguststraße 17] und schreibt heimlich Gedichte. Heimlich, damit ihr Vater nichts von dieser «brotlosen» Kunst erfährt. Sie trifft mit ihrem ironisch-melancholischen Ton den Nerv der Zeit. Sie beschreibt den Alltag und die Träume.”(2)

“In ihrem Text ›Mädchen an der Schreibmaschine‹ hat sie den Büroalltag in den zwanziger Jahren beschrieben: »Die Maschine heißt Continental, römisch zwei. Das Mädchen Fräulein Siebert. Zumindest zwischen neun und fünf. Nach Feierabend gibt es auch einen Vornamen ( … ) Punkt neun beginnt der “Betrieb”. Neun Uhr zehn ausgeschlafen oder müde, keinen geht das an, klappern die schmalen Finger des Mädchens schon herum auf der stählernen Schreibkiste. Tipp tipp tick … tipp tipp tick … ein sanftes Klingeln, ping. Wir zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung … Im ersten Brief kommt ein Gähnen auf je ein Komma. Beim zweiten beginnt man den Ärger über die prallgefüllte U-Bahn langsam zu verwinden. Beim dritten aber ist man schon ganz mittendrin. Ja, es kann schon einmal vorkommen, daß man sich an der reinen Weiße eines knisternden Schreibmaschienbogens über der Walze freut. Oder vielleicht über anderthalb Meter Sonnenstrahl, die durch das staubige Bürofenster auf die Tasten fallen, ein grellbeschienenes A oder Z, — es ist merkwürdig, wie einen derartige Lächerlichkeiten zuweilen froh stimmen können.«
Die monotone Büroarbeit füllt sie nicht aus und ist für sie nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.” (1)

“Ihre ersten Gedichte werden 1929 in Berliner Tageszeitungen veröffentlicht. Sie trifft im «Romanischen Cafe» (gegenüber der heutigen Gedächtniskirche) Bertolt Brecht, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Alfred Polgar bis hin zu Else Lasker-Schüler.
Im Januar 1933 erschien ihr erstes Buch: ›Das lyrische Stenogrammheft‹. »Großstadtliebe« oder »Langschläfers Morgenlied« lauteten die Titel ihrer Stenogramme aus dem Berliner Alltag, mit denen sie sich die Herzen der Leser eroberte. Mascha Kaléko wurde getragen von einer Woge des Erfolges.
Ernst Rowohlt wagte noch ein zweites Buch der jungen Autorin: ›Kleines Lesebuch für Große‹. Doch am 8. August 1935 wurde Mascha Kaléko aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot. Das ›Kleine Lesebuch‹ wurde noch in der Druckerei beschlagnahmt, ihre Bücher nur noch unter dem Ladentisch verkauft oder von Freunden für Freunde abgeschrieben.
Fast hätte Mascha Kaléko den Absprung ins Exil verpasst, weil sie sich von Berlin nicht trennen mochte. Erst 1938 verließ sie Deutschland.” (2)

(1) Jutta Rosenkranz: Mascha Kaléko. Biografie. dtv premium 24591, München 2007
(2) http://www.kaleko.ch
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Mascha_Kal%C3%A9ko

2012-06-07

Kommunisten_juden_kriminelle1.jpg

Der Künstler Bernd Langer, Initiator von KuK (Kunst und Kampf), veranstaltet einen Stadtrundgang zur politischen Geschichte Berlins. Diese Tour führt durch das Scheunenviertel, das Anlaufstelle für ärmere, aus Osteuropa eingewanderte Juden und in den 1920er-Jahren ein Ort des Widerstands war.

Das Scheunenviertel war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der verrufensten Gegenden Berlins. Bekannt für seine vor allem aus Osteuropa eingewanderten Juden und geprägt von Armut, Kriminalität und Prostitution, wurde es auch „Mulackei“ (nach der Mulackstraße) genannt. Mit dem angrenzenden alten Garnisonfriedhof, findet sich hier aber auch ein kulturelles Erbe, das weiter in die Geschichte zurückreicht.
Das Viertel war immer auch ein Ort des Widerstandes. Während der Revolution 1918/1919 kam es hier zu Kämpfen mit Freikorps und das Karl-Liebknecht-Haus am Bülowplatz (heute Rosa-Luxemburg-Platz) war die Zentrale der KPD. Zwar hat sich das Stadtviertel inzwischen deutlich gewandelt, aber Zeugnisse seiner bewegten Vergangenheit lassen sich noch vielerorts finden.

19.05.2012 | 12 - 14 Uhr | Stadtführung im Rahmen der 7. Berlin Biennale

http://www.berlinbiennale.de/blog/events/%E2%80%9Ekommunisten-juden-kriminelle%E2%80%9D-eine-stadtfuhrung-mit-bernd-langer

scheunenviertel.jpg
Straßenszene im ‘Scheunenviertel’, 1933, Fotograf P.Buch

Das Jüdische Museum Berlin zeigt noch bis 15. Juli 2012 die Ausstellung

Berlin Transit, Jüdische Migranten aus Osteuropa in den 1920er Jahren

http://www.jmberlin.de/berlin-transit/uebersicht.php

Berlin Transit
Die hebräische Buchhandlung Meir Gonzer und die Krakauer Fleischhalle in der Grenadierstraße, unbekannter Fotograf

polizeibilder1.jpg
Razzia 1920, unbekannter Fotograf

schieber.jpg
Abtransport Verdächtiger 1920 nach einer Razzia gegen das ‘Schieberunwesen’, unbekannter Fotograf

siehe auch:

/spandauer-vorstadt/scheunenviertel/

/spandauer-vorstadt/mulackei/

2012-05-17

Auguststrasse 47b

Zur Zeit wird die Remise auf dem Grundstück Auguststrasse 47b abgerissen. Wahrscheinlich wird das Grundstück freigemacht für einen Neubau von ‘exklusiven Eigentumswohnungen’ …

Auguststrasse 47b

Auguststrasse 47b

Auguststrasse 47b

Auguststrasse 47b

Auguststrasse 47b

Auguststrasse 47b

siehe auch:
/auguststr48
UND:
/super-gentrification

2012-05-16

Auguststrasse 10
Auguststraße 10

„Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert.” Bundeskanzlerin Angela Merkel
„Rebranding European Muslims“ ist ein transnationales PR-Projekt der israelischen Performance- und Forschungsgruppe Public Movement.

http://www.berlinbiennale.de/blog/projekte/%E2%80%9Erebranding-european-muslims%E2%80%9D-vom-public-movement-23505

Friedrichstrasse
„Peace Wall”, Friedrichstrasse

„Die in London lebende Künstlerin Nada Prlja errichtet am Südende der Friedrichstraße in Berlin-Kreuzberg eine „Friedensmauer”. wenn auch Assoziationen zur früheren Teilung der Stadt naheliegen, bezieht sich ihr Projekt nicht etwa auf die historische Berliner Mauer, sondern auf die gesellschaftliche Spaltung, die sich heute in der Gegend manifestiert.(…) Die Mauer markiert soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, die existenz von „Parallelwelten” in der Stadt und die Position der Begünstigten beziehungsweise der Unterprivilegierten. ”

Friedrichstrasse

http://www.berlinbiennale.de/blog/projekte/%E2%80%9Epeace-wall%E2%80%9D-von-nada-prlja-22208

Diese Arbeiten sind kein Teil der Berlin Biennale:

Revolution will be televised
Revolution will be televised

rakete.jpg
gesehen in der Auguststrasse

2012-05-09

30. April 1987
Offizieller Festakt zur Eröffnung der 750-Jahrfeier Berlins im ICC: Zur Nationalhymne und Kanzleransprache dürfen sich 4500 geladene Gäste an üppigen Büffets erfreuen.

1. Mai 1987
Am Morgen des 1.Mai durchsuchte die Polizei die Büros von Volkszählungsgegnern nach Boykott-Flugblättern im Kreuzberger Alternativzentrum “Mehringhof”.
Mittags fand auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg das traditionelle Maifest statt.
Seit mehreren Jahren wurde dieses Fest von verschiedenen Projekten und 3. Welt-Solidaritätsgruppen getragen.
Das Wetter war gut, die Stimmung war prima. Irgendwann fiel ein Polizeibulli, der leer und sinnlos rumstand, um. Um 18.00 Uhr abends sollte vom Straßenfest aus eine Spontandemonstration wegen der Durchsuchungsaktion stattfinden. Die Polizei sperrte die Straße ab. Es kam zu kleinen Rangeleien, das Fest ging weiter, die Demo fand nicht statt. Kurz nach 19.30 Uhr griff die Polizei im Rahmen kleinerer Auseinandersetzungen am Rande das Straßenfest massiv an und räumte unter starkem Tränengaseinsatz den Platz. Während Eltern noch versuchten sich mit ihren Kindern in Sicherheit zu bringen, wurden die ersten Barrikaden gebaut.
Nach immer heftigeren Auseinandersetzungen, zog sich die Polizei, für viele unerwartet zurück.
In dieser Nacht herrschte bis ca. 2.00 Uhr in Kreuzberg ein sogenannter »rechtsfreier Raum«, in dem sich über Stunden mehrere Tausend Menschen bewegten.
Überall brannten Barrikaden, Polizei und Feuerwehr hatten irgendwann keine Chance mehr an den Hindernissen vorbeizukommen.
Es wurden mehr als dreißig zum Teil auch kleine Geschäfte geplündert; bekanntestes Beispiel Bolle am Görlitzer Bahnhof, der völlig ausgeräumt und dann niedergebrannt wurde. An den Plünderungen beteiligten sich Menschen aus allen Schichten, Szenen und Altersgruppen. Wie später im Spiegel zu lesen war, gewahrte Innensenator Kewenig »Herren, die bürgerlich aussahen und Damen mit Stöckelschuhen«.
Es wurde auf den Straßen getrunken und gelacht, Steine wurden gegen sich vorwagende Polizeieinheiten geworfen und Beute beiseite geschafft. Ab 2 Uhr war es dann mit dem Fest vorbei.

1. Mai 1987

Am nächsten Tag steht die Medienöffentlichkeit vor dem Trümmerhaufen von Bolle und, was viel schlimmer ist, vor dem »rechtsfreien Raum«, der dort für eine Nacht durchgesetzt wurde. Das Gewaltmonopol des Staates wurde fast 10 Stunden faktisch unterminiert. Eine Riesenschlappe für die Polizei. Im Unterschied zu den bisherigen »Randalen« waren diesmal nicht nur die »Autonomen« auf der Straße; fast alle Bevölkerungskreise waren anwesend, plünderten, lachten und brandschatzten.
Anfang der 1980-iger Jahre ging die linke Scene auf die Straße, diesmal war es eine Mischung aus verschiedenen Bevölkerungskreisen, die sich ziemlich spontan zusammensetzte und handelte.
Der Angriff auf das Gewaltmonopol des Staates, mit einer erschreckend guten Laune, mußte natürlich Folgen haben …

Quelle:
1.Mai 1987 - 12.Juni 1987, Eine Dokumentation des Ermittlungsausschusses Berlin

Wo bitte gehts zum Lauseplatz - 1.Mai 2012
gesehen 2012

2012-04-30

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