AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Galerie Rossella Junck

Ich schicke dich zeitgenössischen Spaziergangsaspiranten nicht in fremde Gegenden und zu Sehenswürdigkeiten. Besuche deine eigne Stadt, spaziere in deinem Stadtviertel, ergehe dich in dem steinernen Garten, durch den Beruf, Pflicht und Gewohnheit, dich führen, erlebe im Vorübergehn die Geschichte von ein paar Dutzend Straßen.

2007-02-19

Sergej Alexander Dott

Beobachte ganz nebenbei, wie sie einander das Leben zutragen und wegsaugen, wie sie abwechselnd oder fortfahrend stiller und lebhafter, vornehmer und ärmlicher, kompakter und bröckliger werden, wie alte Gärten sich inselhaft erhalten oder, von nachbarlichen Brandmauern bedrängt, absterben. Erlebe, wie und wann die Straßen fieberhaft oder schläfrig werden, wo das Leben zum stoßweis drängenden Verkehr, wo es zum behaglich drängelnden Betrieb wird.(…)
Und neben all diesem Bleibenden oder langsam Vergehenden bietet sich deiner Wanderschau und ambulanten Nachdenklichkeit die Scharr der vorläufigen, provisorischen Baulichkeiten, der Abbruchgerüste, Neubauzäune, der Bretterverschläge, die zu leuchtenden Farbflecken werden im Dienst der Reklame, zu Stimmen der Stadt, zu Wesen, die rufend und winkend auf dich einstürmen, während die alten Häuser von dir wegrücken.

aus Franz Hessel, Die Kunst spazierenzugehen aus “Ermunterungen zum Genuß”, Berlin 1933

Sergej Alexander Dott - Skulpturen, Neonobjekte, Photographien
2. Februar – 31. März 2007

Galerie Rossella Junck
Auguststraße 28

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