AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Barrikade am Alexanderplatz 1848

Die Barrikade am Alexanderplatz

Die beiden damaligen Berliner Tageszeitungen, die „Voß” und die „Spenersche”, waren viel zu bürgerlich und königstreu, als daß sie einen wahren Bericht über die Ereignisse der Märztage 1848 hätten geben können. Weit aufschlußreicher sind die Anzeigen darin aus jener Zeit.
Viele Augenzeugen berichten von dem wüsten Treiben der Soldateska, die einfach blindlings in die Fenster schoß. So etwas stand selbstverständlich nicht im Textteil, aber es wird durch folgende Anzeigen bestätigt:

„In der Schreckensnacht vom 18. zum 19. März verlor mein lieber Sohn im Alter von 19 Jahren - als er neben seinem Prinzipal in der Stube am Ofen stand - durch eine Kugel sein Leben.”
Walkenmühlenmeister C. Schulz”

„Der Schirmfabrikant Louis Ehlert, 46 Jahre alt, wurde in seiner Wohnung Poststr. 2 am 18. März durch einen Schuß den Seinen entrissen. Er hinterließ eine Witwe mit 5 Kindern; von denen der älteste 8 Jahre alt ist, und eine hochbetagte Mutter.”

Von dem Maler Ludwig Pietsch gibt es eine erschütternde Schilderung, wie er mit Hunderten von Gefangenen gefesselt nach Spandau getrieben wurde und unterwegs grausamste Mißhandlungen zu erdulden hatte, so daß ihm die Drohung, in den Spandauer Kasematten niederkartätscht zu werden, fast wie eine Erlösung vorkam.
Von Hafterlebnissen spricht die folgende Anzeige:

„Derjenige Herr, der mir in Spandau am 19. vormittags bei unserer gemeinschaftlichen Haft so bereitwillig seinen Überrock gab und dessen Wohnung ich vergessen habe, wird freundlichst ersucht, sich zu mir hinzubemühen, wo er ihn mit dem größten Dank zurückempfangen kann. Sadilek, Buchbindermeister, Münzstr. 30.”

Ganz andere Sorgen hingegen hatte der Bezirksvorsteher Klix aus der Linienstraße: „Am Sonntag, dem 19. März, mit dem Verteilen von Gewehren beschäftigt, hatte ich meinen fast ganz neuen Regenschirm im Zeughaus hingestellt; während dieser Zeit erhielt ich von seiner Exzellenz, dem Minister Herrn Graf von Arnim, den Befehl, die Wache zwischen der Universität und dem Zeughaus mit dreißig Mann Bürgerwehr zu besetzen, um das dort eingeschlossene Militär zu befreien. Nachdem ich diesem für mich so ehrenvollen Auftrag Genüge geleistet hatte, begab ich mich nach dem Zeughaus wieder zurück, fand aber meinen Regenschirm nicht mehr. Sollte also jemand denselben an sich genommen haben, so ersuche ich diesen, ihn mir wieder zuzustellen.”

Text: Hans Ludwig, Altberliner Bilderbogen, Altberliner Verlag 1965

siehe auch: Geschichten aus der Berliner Märzrevolution

2007-09-11

Kommentar hinterlassen: