
Von Berlin muß man heute sprechen wie von Troja. Es gibt verschiedene archäologische Schichten, und die muß man numerieren. Es sind Stufen verschiedener Geschichtsepochen, in deren jedes Berlin eine Physiognomie gehabt hat, eine eigene Persönlichkeit, eine Vision, eine spezifische Rolle, und die sich jede von der anderen unterscheidet, als hätten sie miteinander nichts zu tun. Es ist nicht wie in Rom, wo die Spuren aller Epochen kohabitieren, die sozialen wie die monumentalen, und wo es immer so etwas gegeben hat wie eine ungebrochene Kontinuität durch die Jahrtausende.
Berlin, aus einer “tabula rasa” entstanden, erfand sich immer neu, indem es immer wieder “tabula rasa” mit seiner Vergangenheit machte. Es war immer ein Experimentierfeld, eine offene Baustelle. Trotzdem ist alles, was die verschiedenen, sukzessiven Berlins gemeinsam haben, mehr, als was sie so auffällig unterscheidet…
(Nicolaus Sombart)

2007-12-16
Schöne Filmbilder aus dem Berlin der 20er Jahre hat Katja.B auf YouTube gefunden.



