
gesehen am Rosenthaler Platz


“Das Berlinische ist nicht, wie man immer wieder lesen kann, ein regelloses Gemisch in verwahrloster Form, sondern in seiner Geschichte deutlich faßbar. Seine Elemente liegen klar vor uns: der Lautgestalt nach ist es die im 16. Jahrhundert aus dem Obs. [Obersächsischen] entlehnte Sprachform, ist es hochdeutsch, und wenn bei Dialektfragen die Lautgestalt zugrunde gelegt wird, so ist das Berlinische nur als “hochdeutscher” Dialekt zu bewerten. Aber diese Lautgestalt wurde von einem niederdeutschen Volke übernommen und erhielt dadurch in Intonation und Ausprache ‘niederdeutschen Charakter’. Zunächst vom höheren Bürgerstand getragen, gewinnt dies Berlinische allmählich die unteren Schichten,
die in Wort- und Formenschatz dem Niederdeutschen näher geblieben waren. Wenn die obere Klasse es zugunsten der Schriftsprache aufgibt, wenn es sich in die unteren Kreise zurückzieht, so dringen einige der hier lebenden etwas gröberen Formen vor. Im Wortschatz endlich finden wir die Spuren aller Epochen, die unsere Sprache durchlaufen hat, aber auch aller der Beziehungen, die in Berlin zusammenströmen, schließlich den charakteristischen Widerklang der berlinischen Geistesart. Statt der geschichtslosen Form finden wir im Gegenteil eine in ihrer Schichtung besonders interessante Bildung, und so dürfen wir auch hier wieder einmal feststellen, daß Berlin besser ist als sein Ruf.”

gesehen in der Linienstraße

siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Dialekt
Dialektatlas
2009-08-10

am 13. Aug. 2009
Quelle des Copy-Textes bei Berliner Dialekt gefunden: Agathe Lasch – die erste Germanistikprofessorin Deutschlands
http://www.agathe-lasch.de/buch4.htm