AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Über den Tellerrand - Welches Europa wollen wir?

Nach einer beispiellosen ‘Propagandaschlacht’ der deutschen Medien in Bezug auf Griechenland war gestern im Spiegel zumindest das einmal zu lesen:

“Die griechische Regierungspartei Syriza wird oft als linksradikal beschrieben. Doch zumindest für Finanzminister Varoufakis und Premierminister Alexis Tsipras gilt: So links sind sie gar nicht. Sie haben allerdings einen völlig anderen Blick auf die Krise als Deutschland und viele andere Eurostaaten.
Ihr Bild von der Wirtschaft ist geprägt von den Gedanken von John Maynard Keynes. Der britische Ökonom war Mitte des 20. Jahrhunderts ein Star und beeinflusst auch heute noch sehr viele Wirtschaftsforscher weltweit. Vor allem in den USA sind Keynes’ Lehren populär - bei Nobelpreisträgern wie Paul Krugman oder Joseph Stiglitz, aber auch bei vielen Volkswirten der großen Wall-Street-Banken.”
Konflikt um Griechenland: Kampf der Ideologen
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-und-deutschland-kampf-der-ideologien-a-1042057.html

Heraklion, Mai 2015
gesehen in Heraklion, Mai 2015

Heraklion, Mai 2015
Ein Übersetzungsversuch: wegelagerer und listen sind die staaten und kapitalisten

In seinen Buch ‘Kapitalismus und Freiheit’ entwarf Milton Friedman in den 1960er Jahren den Gegenentwurf zum Keynesianismus.
Der Durchbruch zur dominierenden Ideologie gelang dem Neoliberalismus in den 1970er Jahren, mit den ersten neoliberalen Großexperimenten an den Menschen im Chile Pinochets ab 1975 und im Großbritannien Thatchers ab 1979.

Naomi Klein hat in ihren Buch ‘Die Schock-Strategie, Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus’, das neoliberale Konzept skizziert:
“Erstens: Regierungen müssen alle Regeln und Regulierungen streichen, die der Akkumulation von Profiten im Weg stehen.
Zweitens: Sie sollten alles verkaufen, was profitorientiert von Unternehmen betrieben oder erledigt werden kann.
Drittens: Sie sollten die Sozialausgaben drastisch zurückfahren.
Im Rahmen dieser dreigliedrigen Formel von Deregulierung, Privatisierung und Einschnitten führte Friedman viele Details aus. Steuern sollten, wenn überhaupt nötig, niedrig sein, Arm und Reich denselben Steuerfixbetrag zahlen.
Unternehmen sollten ihre Produkte überall auf der Welt verkaufen können, und Regierungen sollten nichts unternehmen, um Industriezweige oder Unternehmenseigner vor Ort zu schützen.
Alle Preise, einschließlich des Preises für die Arbeitskraft, sollten vom Markt festgelegt werden. Mindestlöhne sollte es nicht geben.
Zur Privatisierung bot Friedman das Gesundheitswesen, die Post, das Bildungswesen, Krankenkassen und sogar Nationalparks an.
Kurz gefasst und ziemlich unverblümt verlangte er nach dem Abbruch des New Deal – dieses lästigen Waffenstillstands zwischen Staat, Unternehmen und Arbeitskräften, der nach der Weltwirtschaftskrise einen Volksaufstand verhindert hatte.
Welchen Schutz die Arbeiter auch immer für sich herausgeholt hatten, welche Dienstleistungen jetzt der Staat auch immer anbot, um Auswüchse des freien Marktes zu dämpfen, die Gegenrevolution der Chicagoer Schule wollte das alles rückgängig machen.
Und sie wollte noch mehr – sie wollte sich aneignen, was Arbeiter und Regierungen in jenen Jahrzehnten intensiver gesellschaftlicher Aktivitäten aufgebaut hatten. Die Aktivposten, die zu verkaufen Friedman die Regierung drängte, waren das Ergebnis jahrelanger Investitionen von öffentlichen Geldern und guter Bewirtschaftung, die sie aufgebaut und sie wertvoll gemacht hatten. Nach Friedmans Ansicht sollten all diese öffentlichen Reichtümer prinzipiell in Privathände umgeschichtet werden.”

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Am Abend des 03.07.2015 sind in Berlin über 2.000 Menschen auf die Straße gegangen, um die SYRIZA-Regierung beim Referendum am Sonntag in Griechenland zu unterstützen. Die Demonstranten riefen dazu auf, mit Nein zu stimmen. Der Protest richtete sich zudem gegen die drastische Krisen- und Austeritätspolitik der Europäischen Union, der Troika und der Internationalen Währungsfonds (IWF).

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siehe auch:

Das sind die verrückten Ideen der Griechen, die Schäuble so auf die Palme bringen
http://norberthaering.de/de/newsblog2/27-german/news/265-verruecktheiten

Naomi Klein, Die Schock-Strategie, Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus, Frankfurt 2009

2015-07-05

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