AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Über den Tellerrand: Kann man kommunalen Entscheidungsträgern trauen?

Der Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009 in der Kölner Severinstraße, ist eine menschliche und kulturhistorische Katastrophe, deren Ausmaß man erst langsam begreift. Vermutlich zwei Menschen verloren ihr Leben, mehr als 30 haben ihre Wohnung verloren, über 20 weitere dürfen ihre Wohnung nicht betreten, da die Gefahr eines Einsturzes zu groß ist.
Das Archiv war nicht nur eines der größten, sondern auch der ältesten Stadtarchive. Seit 1320 wurden die Beschlüsse des Rates protokolliert, und seit 1513 lagen sie lückenlos vor. Das „Gedächtnis” der Stadt Köln hütete Archivalien aus über 1000 Jahren Stadtgeschichte. Mehr als 65.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate, 780 Nachlässe und rund eine halbe Million Fotos wurden hier aufbewahrt – materielle Zeugnisse, die kulturelle Erinnerung begründeten und von Forscherinnnen und Forschern aus der ganzen Welt rege konsultiert wurden.

Ein großer Teil dieser Zeugnisse ist vermutlich unwiederbringlich zerstört.

2009-03-10

Vor dem Einsturz wurde durch drei voneinander unabhängige Gutachten bestätigt, dass für das Archivgebäude keine Gefahr besteht. Viele Kölner klagen darüber, dass ihre Keller entlang der U-Bahn-Strecke Risse aufweisen. Auch an den Nachbargebäuden sind seit Wochen Risse zu sehen, die immer tiefer wurden, aber keinerlei Aktionen nach sich zogen. An den Gebäuden in der Nähe kommt es nach dem Einsturz des Archivs immer wieder zu „Bewegungen“ und weiteren Rissen. Der Untergrund ist nach wie vor gefährlich instabil. Warnzeichen wie etwa der schiefe Kirchturm in der Nähe der Einsturzstelle wurden seit Jahren missachtet. Die zuständige Baufirma hat sich bislang noch nicht geäußert.
http://www.colognereport.de/2009/03/update-zum-einsturz-des-kolner-stadtarchivs/

“Das war menschliches Versagen”, sagte Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer und Baukammer Berlin am Montag der FTD. Nach der genauen Ursache für das Unglück wird zwar noch gesucht. Eine nahegelegene U-Bahnbaustelle könnte jedoch für den Einsturz verantwortlich sein. Man hätte besser messen und kontrollieren können, sagte Karstedt und warnte: “Es gibt viele mit Köln vergleichbare Bauprojekte in Deutschland.” Bauen im Grundwasser sei gefährlich, das betreffe den Tiefgaragen- oder Tunnelbau im Allgemeinen.
(…)
Tiefbauarbeiten wie die in Köln erfolgten meistens in Betonwannen, auf die dann das Grundwasser einen hohen Druck ausübe, sagte Karstedt. Je tiefer gebaut werde, umso mehr steige auch der Druck und das Gefahrenpotenzial. Ähnliche Tiefbauprojekte werden derzeit bundesweit geplant - so auch in Berlin. Dort soll 2010 die U-Bahnlinie 5 verlängert werden. Gefahr sieht Karstedt hier jedoch nicht: “In Berlin beherrscht man die Methode.”

Trotzdem hat das Kölner Unglück die Planer in der Hauptstadt alarmiert. Zwar habe man inzwischen Erfahrung mit dem schwierigen Berliner Untergrund aus Sand, Wasser und Torf, sagte Friedemann Kunst, Abteilungsleiter Verkehr der Berliner Senatsverwaltung. So habe man beim Umbau des Potsdamer Platzes den Untergrund vereist, um ihn zu stabilisieren.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Achtung-Einsturzgefahr-Angst-vor-einem-zweiten-K%F6ln/485008.html

Die Initiative “digitale Historische Archiv” bittet alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschungsunterlagen nach Vervielfältigungen von Archivalien aus dem Historischen Archiv zu durchsuchen und ihre Fotografien, Kopien und Verfilmungen in das digitale Historische Archiv einzustellen.

Das digitale Historische Archiv Köln ist als ein offenes Archiv konzipiert und dient vor allem der Rekonstruktion und Sicherung der Archivalien nach der Bergung und der wissenschaftlichen Forschung …

http://www.koeln-journal.de/index/seite/1835940/artikel/3845122/dokument/3845121/datei/koelner-wissenschaftler-gruenden-das-digitale-historische-archiv.html

Mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs wird der größte Verlust fotografischen Archivguts seit dem Zweiten Weltkrieg befürchtet. Insgesamt lagerten in dem Stadtarchiv eine halbe Million Fotografien.

Im eingestürzten Kölner Stadtarchiv waren auch umfangreiche Bild- und Schriftdokumente zur Fotografie untergebracht, darunter der umfangreiche dokumentarische Nachlass von L. Fritz Gruber und der Schriftennachlass des Medienphilosophen Vilém Flusser. Entsprechend schätzt die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) das Unglück bezogen auf die Fotografie als „kulturhistorische Katastrophe“ ein.

Fotos, Negative, Manuskripte

Allein 154 Kartons, weit über 14.000 dokumentarische, beschriftete Fotografien, 5.800 Negative und 300 Plakate umfasste der Nachlass von L. Fritz Gruber (1908-2005). Gruber, Initiator der 1951 gegründeten DGPh und Begründer der photokina-Bilderschauen, hat die Fotografieszene nach dem Zweiten Weltkrieg weit über Köln hinaus wesentlich mit geprägt. Der Nachlass von Vilém Flusser (1920-1991) vereinte rund 2.500 Essay-, Vortrags- und Buchmanuskripte, und ebenso wie im Bestand Gruber umfangreiche Korrespondenz und Publikationen.

Teil des Archivs waren außerdem bedeutende Fotografennachlässe – unter anderem von Heinz Held, Walter Dick, Peter Fischer, und Henry Maitek -, sowie ein Negativ-Bestand des photokina-Dokumentaristen Charles E. Fraser. Nicht zuletzt ist die Zeitgeschichtliche Sammlung Bild mit 60 000 Exponaten zu nennen, in der stadthistorische Aufnahmen berücksichtigt waren.

http://www.dasauge.de/aktuell/foto_film/e1303

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