Kulturhaus Mitte - geschlossen seit Dezember 2010

Das im Hinterhaus der Auguststraße 21 gelegene Gebäude beherbergte bis Ende Dezember 2010 das Kulturhaus Mitte, ab Sommer 2011 wird es dann als Grundschule genutzt. Damit endet die Geschichte eines der ältesten Berliner kommunalen Kulturhäuser, seit den 50er Jahren am Standort Rosenthaler Straße 51, seit 1999 in der Auguststraße 21.
2009 mußte schon das Theaterhaus Mitte, ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kulturamt Mitte und Förderband e.V., aus dem Schulgebäude am Koppenplatz ausziehen, heute die ‘Grundschule am Koppenplatz’.
Ist denn die Fertilitätsrate (Zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer) in der Spandauer Vorstadt so stark gestiegen oder meiden viele Eltern, auch wenn sie eher in der Nähe z.B. der Gustav-Falke-Schule wohnen, ihre Kinder nördlich der Bernauer Straße einzuschulen? Denn während die Grundschulen südlich der Bernauer Straße überfüllt sind, brechen der Gustav-Falke-Grundschule die Schülerzahlen weg: von ehemals 600 auf heute knapp 350. Die Grundschule braucht daher dringend die Schüler aus Alt-Mitte
siehe: Die soziale Trennungslinie
Hat deswegen das Bezirksamt Mitte im Herbst 2010 die freie Schulwahl im Bezirk eingeführt?
“Die kleinteiligen Einzugsbereiche sollen komplett abgeschafft werden. Zwischen Moabit, Wedding und Alt-Mitte soll es nur noch 10 sogenannte Sprengel geben. Innerhalb eines Sprengels befinden sich mindestens 5 Grundschulen an denen die Eltern ihre Kinder anmelden können. Dadurch entsteht eine weitgehend freie Schulwahl.”
http://www.grundschulen.net/34-eltern-sollen-kunftig-die-schule-fur-ihr-kind-frei-wahlen-konnen.html

Als kommunale Kultureinrichtung war das Kulturhaus durch seine Veranstaltungen weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt, insbesondere durch bestimmte Konzertreihen wie Jazz / Improvisierte Musik und Hörspiele zum Zugucken. Profilbestimmend waren darüberhinaus regelmäßig stattfindende Kleinkunstprogramme (Lesungen, Konzerte, musikalisch- literarische Programme, kleine Theaterproduktionen) insbesondere an den Wochenenden, die eine intensive und differenzierte Auftrittsatmosphäre erlaubten: konzertante Formen und die Nähe zwischen Künstler, Veranstalter und Publikum - im Gegensatz zu Veranstaltungsorten mit rein kommerziellem Charakter.
Besonderer Schwerpunkt im Kulturhaus war die künstlerische Förderung und Bildung von Kinder und Jugendlichen. Dies geschieht in den Einrichtungen “Kinderatelier Farbklang”, “Klezmerzentrum” und der Trickfilmwerkstatt “Lackritzelei”.
Geschichte:
1895 entstanden die Gebäude für die 10. städtische Realschule nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Hermann Blankenstein
Noch bis 1998 wurde das Hofgebäude als Schule mit wechselnden Schulangeboten genutzt:
bis 1933 Realschule
von 1933 bis 1947 Berufschule für das Bekleidungs- und Friseurgewerbe
von 1949 bis 1955 Grundschule (1. bis 8. Klasse)
dann bis 1967 die 11.Allgemeinbildente Polytechnische Oberschule
1968 bis 1973 Polytechnisches Zentrum
1973 bis 1997 Sehschwachenschule.
1999 zog das Kulturamt, das sein angestammtes Quartier in der Rosenthaler Straße verlassen musste, in das Gebäude.
2011-01-06
Auguststrasse 11-13

Die vom Jewish Claims Conference im Herbst 2009 der Jüdischen Gemeinde übertragene ehemalige jüdische Mädchenschule wird jetzt saniert und wird - wie originell - Galerie und Restaurant.
Die Repräsentanten der Gemeinde stimmten für das Projekt von Michael Fuchs (Galerie Haas & Fuchs), der es für vier Millionen Euro sanieren will. Fuchs kann die Mädchenschule, mit 3300 Quadratmetern Nutzfläche, für 20 Jahre mit einer Option für weitere zehn Jahre zu guten Konditionen mieten.

Das Schulhaus wurde im Auftrag der jüdischen Gemeinde von Berlin durch ihren Gemeindearchitekten Alexander Beer Ende der 1920er Jahre erbaut und 1930 von der jüdischen Mädchenschule bezogen.
Die Schule in der Auguststraße wurde 1942 geschlossen, bis Ende des Krieges benutzte das katholische St. Hedwigs Hospital ihre Räume. Mitte der 1950er Jahre konnte die ursprüngliche Nutzung durch die Bertolt-Brecht Oberschule wieder aufgenommen werden. Diese Kontinuität wurde nach der Wiedervereinigung durch die 2. Gesamtschule des Bezirks Berlin-Mitte weitergeführt, bis diese 1996 wegen Schülermangel schließen musste.
siehe auch: Das Gebäudeensemble Auguststrasse 11-16
2010-12-21
street view Zeitsprünge

Schöne Zeitsprünge findet man, wenn man durch die Auguststraße oder Linienstraße in google street view navigiert: die Rosenthaler Straße wurde über ein Jahr früher aufgenommen, die “Rosenthaler Quartier” getauften Bauten, mit dem Hotel Amano und dem easy-Hotel waren noch nicht gebaut.



In der Rosenthaler Straße zu sehen z.B. das HIV-Plakat von XOOOOX, das freistehende Haus des “Eimer” und der schon leere China Imbiss an der Ecke Linienstraße, Rosenthaler Straße.
Die Aufnahmen in der Rosenthaler Straße sind vom Sommer 2008, die von Linien- und Auguststraße, Spätsommer 2009.
siehe auch: Schatten auf den Garnisonsfriedhof
Zum Glück gab es in der Auguststraße nicht so viele besorgte Mieter oder Eigentümer, so das nicht viele Hausansichten verpixelt werden mußten.
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Ein kleiner Teil der Auguststrasse, zwischen den Hausnummern 10 und 16, ist noch in Bearbeitung.

2010-11-20
Auguststrasse 17

Die vor einem Jahr begonnene Gebäudesicherung der Auguststrasse 16 (Neubau der am schwersten geschädigten Konstruktionen, des Daches und der obersten Geschossdecke) ist abgeschlossen, das Baugerüst mit Stacheldraht wieder entfernt.
Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde das ebenfalls der jüdischen Gemeinde gehörende Wohnhaus Auguststraße 17 entmietet.


Seit Jahren werden die verschiedensten Nutzungskonzepte für die Gebäude Auguststraße 11-16 diskutiert, aber “bei allen steht die Finanzfrage ganz obenan: Denn fünf bis sechs Millionen Euro würde alleine die Sanierung des Ahawah-Gebäudes kosten und die Herrichtung des gesamten Komplexes 16 bis 17 Millionen Euro. Erschwerend kämen noch die Auflagen des Denkmalschutzes dazu.” »Jüdische Allgemeine« vom 28.10.2010
siehe auch: http://auguststrasse-berlin-mitte.de/das-gebaeudeensemble-auguststrasse-11-16

Blick vom Hof Kulturhaus-Mitte, Auguststraße 21
Bericht einer ehemaligen Bewohnerin der Auguststraße 17 :
(mehr…)
15 Jahre Haus Schwarzenberg

Jim Avignon, 2010
Es ist immer wieder angenehm - nach dem Samstagseinkauf auf dem Markt zum Beispiel - kurz in den Höfen des Schwarzenberg e.V. zu verweilen um sich von den Touristenhorden rund um den Hackeschen Markt zu erholen. Obwohl die Rosenthaler Straße 39 längst auch ein Anlaufpunkt für Touristenführungen ist: die Rentnergruppen ziehen durch die Hackeschen Höfe, die Jugendreisegruppen durch die Höfe des Haus Schwarzenberg um z.B. in 5 Minuten die Werke von Streetart-Künstlern aus aller Welt zu bewundern und zu fotografieren.
Zur Zeit feiert das “Haus Schwarzenberg” sein 15 jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen, u.a.:
25.10.
Möglichkeiten zur Schaffung und Erhaltung kultureller Freiräume im Kontext der Stadtentwicklung: Gesprächsrunde mit Florian Schöttle und ausgewählten Gästen, eingeladen sind u. a. Vertreter der Hamburger Initiative “Komm in die Gänge“.
In der Neurotitan Galerie um 19.00 Uhr
26.10.
Lesung von Ulrike Steglich (Stadt.Plan.Mitte/ ehemalig Scheinschlag), die das Schwarzenberg Kapitel ihres neuen Buchs „Geschichten aus Mitte“ vorstellen wird und Diashow mit Fotografien aus 30 Jahren Mitte von Klaus Bädicker.
In der Galerie Neurotitan um 19 Uhr
27.10.
Zur Baugeschichte des Haus Schwarzenberg:
Stefano Kollibays stellt sein Buch „Hotel von Welten“ vor. Im Anschluss: Gesprächsrunde mit den Restauratoren von Howahl und Spies sowie der Architektin Lena Nalbach.
In der Neurotitan Galerie um 20.00 Uhr
Das Gesamtprogramm und mehr zum Haus:
http://www.haus-schwarzenberg.org/
2010-10-24
me Collectors Room Auguststrasse 68


“Thomas Olbricht, Sammler und Bauherr, Wissenschaftler, Arzt, ehemaliger Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wella AG und vor allem Erbe eröffnet in einem großem Neubau in der Auguststraße 68 die “Galerie Me” mit der Ausstellung “Passion Fruits”. Für die Anwohner und Kiezberliner eher ein Dorn im Auge, ist das Haus in Mitte nun das größte und klotzigste in der Umgebung.” (http://www.am-ende-des-tages.de/photos/100429-vernissage-olbricht-computerspielepreis-anonymous-emmerich/?PHPSESSID=a4f30e4a44436d211951c82f1fb0e859)
“Mit fünf Jahren fing er an zu sammeln - Briefmarken und Bierdeckel.” (BZ)
“Wer Kunst sammelt, der will sie irgendwann auch zeigen. Er will den Menschen einen Gefallen tun, seinen Reichtum präsentieren oder guten Geschmack beweisen.
Zum Spaß hat er sich nun ein ziemlich klobiges Haus in die Auguststraße, gleich neben die nicht ganz so großen, für Berlins Aufstieg zur Kunsthauptstadt aber prägenden Ausstellungsräume der Kunst-Werke gesetzt. (…) Olbricht will die Berliner Besucher das Staunen lehren.”
(http://www.zeit.de/2010/18/Kunstmarkt-Thomas-Olbricht)

“In Hinblick auf die Kunst lässt sich das ME nur als ein hypertrophes ICH interpretieren, das in einem sechs Meter hohen, 3.330 Quadratmeter umfassenden Betonkasten haust, der den zierlichen Barockbau der direkt danebenliegenden Kunst-Werke mit brachialer Wucht zu erdrücken versucht, (…)”
(http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?dig=2010%2F04%2F30%2Fa0237&cHash=9e7cbe977f)
“Jetzt steht es, höher und größer als alle anderen Gebäude in der Auguststraße, aber mit weniger Raum als geplant für die Sammlung und mehr für luxuriösen Wohnraum, der vermietet wird. Olbricht ist damit zufrieden, er sei heute für die Auflagen der Ämter “dankbar”, alles sei viel zu groß gewesen.”
(http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,691308,00.html)
“Das Gebäude ist ein grober Klotz mit langweiliger Fassade. Am Vordach zieht sich ein rotleuchtender Rallye-Steifen entlang. Auf den ersten Blick denkt man eher an eine H&M-Filiale oder eine neue Dependance der Pizza-Kette Vapiano als an einen Ausstellungsort. (…) Alles richtig gemacht, aber nichts ist besonders oder aufregend. Eher so, wie im ersten Semester Architekturstudium Museen entworfen werden - als Wiederholung von Bekanntem. Andere Privatsammler haben mit ihren Bauten die Architekturdebatte ihrer Zeit beeinflusst, man denke zum Beispiel an die Sammlung Goetz und ihren Ausstellungsraum von Herzog & de Meuron in München. (…) Das ganze befindet sich in der Auguststraße, in den 90er-Jahren der Hot-Spot der Berliner Kunstszene heute eher eine touristische Adresse. Die Chance, als privater Investor zu helfen, neue, spannende Orte (ob in Neukölln, im Wedding oder ganz woanders in Berlin) zu definieren, wurde vertan. Und auch auf das, was am Ort vorhanden ist, wurde nicht reagiert. (…)
Steht die Sammlung also für die Zukunft von Berlin? Ja, der “me Collectors Room” ist ein Beispiel für ein gegenwärtiges Dilemma. Berlin ruht sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus, lebt auf Image-Pump. Mehr und mehr hält ein Lebensstil Einzug in die Stadt, der sich vom Ruf einer kreativen Stadt angezogen fühlt, aber selber nicht die Kraft hat, diese Qualität zu leben und weiter zu entwickeln. Beim “me Collectors Room” zieht sich die provinzielle Biederkeit vom Absperrgitter über die Ortswahl bis zum architektonisch langweiligen Umgang mit Raum und Umgebung.
So zeigt der “me Collectors Room”, was mit Berlin passiert, wenn es seine Lust am Experimentieren verliert. Berlin droht, seinen eigenen Charakter zu domestizieren und zum Schaufenster eines bürgerlichen Habitus zu werden, der seinen Wunsch nach Verrücktheit in kulturellem Engagement sublimiert.(…)”
(http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7442813/Thomas-Olbrichts-Wunderkammer.html)

“Es ist wunderbar zu sehen, wie ein altes ausgestopftes Tier auf ein Bild von heute schaut” (Thomas Olbricht)
2010-05-03
Aus für die Kinder- und Jugendarbeit im Weinmeisterhaus

55 Jahre Kinder- und Jugendarbeit in der Weinmeisterstraße 15 - jetzt soll das kommunale Gebäude verkauft oder anderweitig vermarktet werden.
2010 sollen allein dem Bezirk Berlin-Mitte der kommunale Etat um 26 Millionen Euro gekürzt werden – 3,3 Millionen sollen im Kinder- und Jugendbereich eingespart werden. Darum findet jetzt die nächste Schließungswelle von Kinder- und Jugendeinrichtungen statt - die wievielte in den letzten 20 Jahren?

Das ehemalige Direktoratsgebäude Weinmeisterstraße 15 ist das einzige erhaltene Gebäude des sich ursprünglich bis zur Steinstraße erstreckenden Sophiengymnasiums. Die übrigen Gebäude wurden 1945 zerstört. An ihrer Stelle entstand Anfang der 1950er Jahre eine neue Schulanlage, die heute von der Freien Waldorfschule Berlin-Mitte genutzt wird.
Ab 1950 war dort zunächst die Berliner Oberschule für Berufstätige untergebracht, vom 1958 bis 1990 war die Weinmeisterstraße 15 das Kreispionierhaus.
Einen Neuanfang gab es 1990, das Schülerfreizeitzentrum Mitte wurde eröffnet. Dringende Sanierungsarbeiten erforderten den zeitweiligen Umzug des Schülerfreizeitzentrums in die Auguststr.21. Mit Fördermitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz erfolgte ab 1997 die umfassende Sanierung. Ab 1998 konnte das denkmalgerecht sanierte Gebäude wieder durch die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden.

Blog des Bündnisses zur Rettung der Kinder- Jugendarbeit in Mitte
2009-12-07
