AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Geschichte - Spartakus

“Am 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie politisch abgedankt” mit diesem Satz beginnt Rosa Luxemburg ihren Grundsatzartikel in der neuen Zeitschrift ‘Die Internationale’. Die erste Nummer im April 1915 ist aus Gründen der Zensur zugleich die letzte. Dennoch: Die Linksopposition innerhalb der SPD formiert sich. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Ernst Meyer, Juliau Marchlewski, Leo Jogiches, Hermann und Käte Duncker, Wilhelm Pieck, Paul Schwenk, Luise Zietz. (…)
Der Unwille in Partei und Gewerkschaften wächst. Mehr als eintausend Sozialdemokraten unterzeichnen im Juni 1915 einen offenen Brief mit der Forderung, „daß Fraktion und Parteivorstand endlich ohne Zaudern dem Parteiverderben Einhalt tun, den Burgfrieden aufsagen und auf der ganzen Linie den Klassenkampf nach den Grundsätzen des Programms und der Parteibeschlüsse, den sozialistischen Kampf für den Frieden eröffnen.”

Am 1. Januar 1916 veranstaltet die Gruppe Internationale im Anwaltsbüro der Brüder Liebknecht, Chausseestraße 121 ihre erste Reichskonferenz. Über dieses illegale Treffen schreibt Käte Duncker ihrem zum Kriegsdienst eingezogenen Mann: „Gestern war eine größere Familienbesprechung zusammen mit Onkel Franz und Karl. Es handelt sich um den Nachlaß von Tante Rosa. Da waren natürlich auch die Verwandten aus den übrigen Orten gekommen, aus Stuttgart; Frankfurt, Leipzig, Chemnitz, Jena, Erfurt, Braunschweig, Düsseldorf”.

Die Geburtsstunde des Spartakusbundes.

Agitation. Ein engmaschiges Vertriebsnetz für Flugblätter und Broschüren wird geknüpft; mit geheimen Depots in Gartenlauben, Kellern und auf Dachböden. Und im Atelier des Malers Alfred Stiller, Blücherplatz 2, laufen ab 1917 die organisatorischen Fäden zusammen.

(…)

Spartakusaufstand 1919

“Alle Macht den Räten”, lautete die zentrale Zielsetzung des Spartakusbundes. “Alle exekutive, alle legislative, alle richterliche Gewalt bei den Arbeiter- und Soldatenräten.” Liefe das Rätesystem auf die Diktatur des Proletariats hinaus? Würden Adel und Bürgertum vom Wahlrecht ausgeschlossen sein? „Zur Wahl der Arbeiter-und Soldatenräte schreitet das gesamte erwachsene werktätige Volk in Stadt und Land und ohne Unterschied der Geschlechter.”

Arbeiterräte oder Nationalversammlung, Rätesystem oder Parlamentarismus — diese grundsätzliche Streitfrage wurde schließlich durch Waffengewalt entschieden. Auslöser der Kampfhandlungen war die Entlassung des linken Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn, Mitglied der USPD. Seine Partei rief zum Massenprotest, und die Massen kamen. Zweihundertfünfzigtausend Arbeiter, nicht wenige bewaffnet, zogen am 5. Januar 1919 von der Siegesallee durch das Brandenburger Tor zum Alexanderplatz und bekundeten vor dem Polizeipräsidium ihre Solidarität. Unter dem Eindruck solch gewaltiger Resonanz rief ein eilig gebildeter Revolutionsausschuß zum Sturz der Regierung auf. Kommandos besetzten das Zeitungsviertel und öffentliche Gebäude. Vergebens. Die von Ebert und Noske („Einer muß der Bluthund werden”) aufgebotenen konservativen Truppen erwiesen sich als militärisch überlegen; Karl Liebknechts „freie sozialistische Republik” mußte ein Wunschtraum bleiben.

Text: Berger, Joachim, Berlin freiheitlich & rebellisch, Berlin 1987

siehe auch:

Berlin Geschichte - Zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

2016-01-05

Der Abriss des Jahres: das Leineweber- und das Aschinger-Haus

willy_pragher3.jpg
FOTO : Willy Pragher 1955 Landesarchiv Baden-Württemberg

willy_pragher1.jpg
FOTO : Willy Pragher 1981 Landesarchiv Baden-Württemberg

“Niemand weint der Schmuddelecke eine Träne nach.”, wurde im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung behauptet. Die Berliner Tageszeitungen waren sich auch einig: “doch eigentlich war das Wort schmuddelig noch zu mild” schrieb die Morgenpost, “betrat man die „Arkaden“ am Beate-Uhse-Museum, diesen düsteren, stinkenden, von Kreaturen der Nacht bevölkerten Tunnel, der entlang der Joachimsthaler Straße zum Bahnhof Zoo führte, dann war man an einem finsteren Ort - das Land Mordor von West-Berlin. Sex-Shops mit Video-Kabinen, Pfandleiher, Spielhalle, ein heruntergekommener Donut-Laden, Sportwetten, Döner-Buden und China-Imbisse, dann wieder Sex. World of Sex.”

Abriss Leineweberhaus.jpg
FOTO : REINER LINKE März 2015

Für mich verschwand (wieder) ein Stück Westberlin mehr.
Unvergessen sind für mich die Zeiten, als man noch “nach Westdeutschland” fuhr, auch wenn man nach Süddeutschland wollte.
Als der Bahnhof Zoo noch ein Fernbahnhof war und es noch Nachtzüge gab. Zum Beispiel in Nürnberg um 24 Uhr in den Zug steigen, ein leeres Abteil finden und die Sitze zu einer grossen Liegefläche ausziehen. 2 Stunden später Grenzkontrolle und dann ungestört schlafen und um 6 Uhr morgens am Zoo ankommen.
Und dann in das PRESSECAFE im Aschinger Haus, was immer offen hatte: wieder in Westberlin, zuhause.

In das Pressecafe zog dann irgendwann ein Burger King ein.

aschingerhaus1.jpg

aschingerhaus2.jpg

aschingerhaus3.jpg

Bahnhof

“Als eines der deutlichsten Beispiele mit welcher fast unscheinbaren Brachialgewalt eine Ökonomisierung von Räumen voranschreitet, kann man an der Umstrukturierung der deutschen Bahnhöfe in Shopping Malls mit Fahranschluss erkennen. Bahnhöfe waren in früheren Zeiten ein Inbegriff des Öffentlichen Raumes. Bahnhöfe hatten immer einen besonderen Charme, ein Charisma, keinesfalls immer positiv konnotiert. Vor allem mit dem Blick eines profunden Szenekenners war es relativ schnell sichtbar, welche Szene sich an welchen Orten des Bahnhofs aufhielt: die Stricher – Jungs und die sich auf der Suche befindlichen Freier, die „Drogis“, die Prostituierten, Punks und Straßenkids, Kleinkriminelle, Taschendiebe und Schließfachspezialisten … und dazwischen die Szene der normalen Bahnreisenden, die zum Teil die einzelnen Szenen gar nicht wahrgenommen haben – Treffpunkt Bahnhof.” (1)

aschingerhaus4.jpg

aschingerhaus5.jpg

GARSKI - Berliner Sumpf

Dietrich Garski, Bauherr und Architekt des Aschinger-Hauses, 1973 an das Leineweber-Haus angebaut und mit einer Passage verbunden, steht in der langen Geschichte der Berliner Bau- und Korruptionsskandale.
1978 gewährte der Berliner Senat dem Bauunternehmer Garski eine Bürgschaft von 112 Mio. DM für ein Bauprojekt in Saudi-Arabien. Mitverantwortlich dafür war auch der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD). Als Garski 1980 pleite ging mußte der FDP/SPD-Senat Anfang 1981 zurücktreten.
Von dem Machtvakuum, das durch den Legitimationsverlust des Berliner Senats entstanden war, profitierte dann die Hausbesetzerbewegung.

PEEPSHOW

“Heute, im Zeitalter des Internet-Sex, sind Peepshows nur noch eine skurrile Fußnote der menschlichen Kulturgeschichte.” (2)
In der Aschingerhaus-Passage gab es eines der ersten Peepshows in Berlin. Gerne erzähle ich diese Anekdote: ich kannte einen der Dolmetscher Michel Foucaults während des Tunix-Kongresses 1978, und er erzählte, er mußte während einer Kongress-Pause mit Foucault die Peepshow aufsuchen, weil Foucault unbedingt mal so eine Peepshow besuchen wollte.

Und das soll jetzt gebaut werden - 9200qm Einzelhandelsfläche und Büros:

entwurf.jpg
(C) Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten

1 http://www.sozialraum.de/treffpunkt-strasse.php
2 http://www.spiegel.de/einestages/sex-in-den-siebzigern-a-949717.html

Zur Hausbesetzerbewegung siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-westberliner-hausbesetzerbewegung

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-berliner-linie-der-vernunft

2015-12-23

Die Püppchen aus der Auguststraße

rbb0.jpg

“Ruth Malin und Regina Steinitz sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim.
In dem Dokumentarfilm führen uns die Zwillingsschwestern an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. ”

Ein Dokumentarfilm von Nadja Tenge und Sally Musleh Jaber mit den Zwillingsschwestern Regina Steinitz und Ruth Malin

Noch in der rbb-Mediathek bis 17.10.2015:

http://mediathek.rbb-online.de/tv/Himmel-und-Erde/Die-P%C3%BCppchen-aus-der-Auguststra%C3%9Fe/rbb-Fernsehen/Video?documentId=31033240&topRessort=tv&bcastId=3907830

Text via: http://www.zentrum-juedische-studien.de/event/2015-09-30-rbb-preview-die-pueppchen-aus-der-auguststrasse/

2015-10-11

Dark tourism

“Wenn tagtäglich tausende Touristen durch die Stadt ziehen, lässt das die Geschichtswissenschaft nicht unbeeindruckt. Historiker beschäftigen sich nicht nur mit der Geschichte des Reisens. Auch der aktuelle Geschichtstourismus spielt eine zentrale Rolle – als Teil der Public History. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Zusammenhang von Vergangenheit und Image der Stadt: Wie lässt sich die große Anziehungskraft historisch belasteter Orte erklären? Das Reisen an Orte, die mit Tod, Leiden und Grauen assoziiert werden, wird als Dark Tourism bezeichnet. (…)

topografie.jpg
Ausstellungsgelände “Topographie des Terrors” - Im Hintergrund das Bundesministerium der Finanzen, (das ehemalige Reichsluftfahrtministerium und spätere Haus der Ministerien der Deutschen Demokratischen Republik). Dazwischen ein Reststück der Berliner Mauer

Erst Ende der siebziger Jahre deckten die Berliner Geschichtswerkstatt und andere Initiativen die Geschichte der nationalsozialistischen Terrorzentrale auf. Zur Internationalen Bauausstellung von 1984/87 entstand im „zentralen“ Bereich an der Mauer eine Geschichtslandschaft. Ausgrabungen gaben 1985/86 Teile der ehemaligen Folterkeller frei. Dies hatte vor allem eine symbolische Dimension, denn die Kellermauern gaben nur wenige Informationen preis. Es ging um die Aufdeckung des Verschütteten und die besondere Kraft authentischer Spuren, mochten sie materiell auch noch so unbedeutend sein.(…) Der Fall der Berliner Mauer trug auf doppelte Weise zum Erfolg dieses Ortes bei. (…) Beide deutschen Diktaturen sind so auf engstem Raum „erfahrbar“, was manche Touristen überfordert: Legendär sind interessierte Nachfragen, warum Hitler eigentlich die Mauer gebaut habe.(…) So haben alternative Projekte zur Touristifizierung Berlins als „Rom der Zeitgeschichte“ beigetragen. Mit Blick auf die großen kommerziellen Potenziale des Berliner Geschichtstourismus treibt die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH die Eventisierung der Geschichtskultur weiter voran.” (1)

Grosse_Hamburger_ Strasse3.jpg
Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Altersheim, Große Hamburger Straße

Grosse_Hamburger_ Strasse1.jpg

Grosse_Hamburger_ Strasse2.jpg

“Am 11. April 1942 wurde die Jüdische Schule auf Veranlassung des Reichssicherheitshauptamts geräumt und am 30. Juni endgültig geschlossen. Die Schule und das benachbarte Altersheim wurden ab nun von der Gestapo als Sammellager eingerichtet, von dem aus Zehntausende jüdische Bürger in das KZ Theresienstadt und das KZ Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Das Altersheim wurde 1943 zerstört und nach Kriegsende enttrümmert. An dieser Stelle befindet sich heute der Eingang zum alten jüdischen Friedhof, der damals direkt hinter dem Heim lag.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hamburger_Stra%C3%9Fe

Text (1): Hanno Hochmuth
Vortrag auf der Tagung “Schattenorte. Stadtimage und Vergangenheitslast”, Potsdam-Museum/ZZF Potsdam, Potsdam, 12.2.2015.
Der am 13.2.2015 im Tagesspiegel erschienene Artikel Die Attraktion der Schattenorte von Hanno Hochmuth basiert auf diesem Vortrag.
http://www.tagesspiegel.de/wissen/berlin-inszeniert-seine-geschichte-die-attraktion-der-schattenorte/11366582.html

2015-06-08

Ausstellung Straßengeflüster - Bilder vom Scheunenviertel aus der DDR- und Wendezeit

strassengefluester1.jpg

“Gehst Du eine Straße bewusst entlang, eine Straße, die dir vertraut zu sein scheint, erlebst du aufeinmal, dass hier oder da etwas zu dir leise zu Flüstern scheint. Viele immer mehr werdende Stolpersteine, im Pflaster messingfarben leuchtend, erinnern dich an Unvorstellbares, das in dieser Straße, Stadt und Land geschah. Alte Häuser verändern ihr äußeres wiederholt. Inschriften geben Rätsel auf. Grünflächen inmitten geschlossener Häuserzeilen, warum?
Viel wird vom Scheunenviertel erzählt. Aber wo war es wirklich, wer wohnte einst dort, was erzählt man davon?
Mittendrin die Verlohrene Straße. War das etwa eine Straße der Verlorenen? Wer oder wo oder was ist Almstadt?
Eine Schendel Gasse mitten in Berlin? Wo ist das blau/weiße Straßenschild dieser Gasse geblieben?
“Straßengeflüster” erzählt als eine Ausstellung in Bild und Wort vom Wachsen und Werden eines Viertels, dem sogenannten “Scheunenviertel”, von seinen Veränderungen vor und um die Wendezeit, von den Menschen und ihrem Leben in den Häusern.”

strassengefluester2.jpg

Mehr als ein Dutzend junger Studierender der TU Berlin haben u. a. die Weinmeister- Münz-, Mulack-, Almstadt-, Max-Beer- und Steinstraße im “Scheunenviertel” in der Spandauer Vorstadt von ihrer Anlegung bis zur Gegenwart untersucht. Deren Erfahrungen und die Bilder von Klaus Bädicker, als einstiger Mitarbeiter und Fotograf der Kommunalen Wohnungsverwaltung Berlin-Mitte in der DDR-Zeit von 1984 bis kurz nach der Wende, wollen dem Besucher dieser Ausstellung “was ins Auge und Ohr flüstern”.

Andreas Ulrich (Moderator beim rbb und radioeins) wird als Freund und Kenner der Berliner Mitte am 15. April ab 19 Uhr im Raum 1.02 im Erdgeschoss der Volkshochschule Menschen interviewen, die hier einstmals lebten oder immer noch wohnen, arbeiteten oder das Viertel mit zu rekonstruieren halfen, es einfach nur oder eben deshalb lieben. Es wird an diesem Abend auch einen kleinen Büchertisch vom “Sonnenhaus” mit auserlesener Berlin-Literatur geben.

Begleitend zur Ausstellung werden zwei verschiedene Führungen am Samstag, den 18.04.2015 durch das “Sophienviertel” und am 25.04.2015 durch das “Scheunenviertel” jeweils ab 16 Uhr angeboten. Treffpunkt: Koppenplatz, Denkmal. Teilnahme natürlich kostenfrei.

Eine Ausstellung in der Volkshochschule Berlin Mitte • Linienstraße 162 • 10115 Berlin
Ausstellungseröffnung am 15. April 2015, 19 Uhr
Die Ausstellung ist vom 15. April bis 30. August 2015 zu den Öffnungszeiten der VHS Linienstraße zu sehen.

2015-04-09

100 Jahre Dada - Antikunst und Subkultur in Kreuzberg

100 Jahre Dada - Antikunst und Subkultur in Kreuzberg

Eine ganz wunderbare Ausstellung ist noch bis zum 28.02. in der Marheineke Markthalle zu sehen:
KreuzbergDada - 100 Jahre Grosz-Heartfield-Konzern. 1915-1920.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Eckhard Siepmann (veröffentlichte u.a. das Buch ‘Montage: John Heartfield. Vom Club Dada zur Arbeiter - Illustrierten Zeitung’)

Eckhard Siepmann
Eckhard Siepmann bei einer Ausstellungsführung

“Kurz nach dem 1. Weltkrieg wurde Berlin nicht nur von einer Revolution erschüttert, sondern auch von einer Gruppe junger Leute, die sich Dadaisten nannten und der vom Krieg demaskierten Macht und ihrer Kultur den Kampf ansagten.

100 Jahre Dada - Antikunst und Subkultur in Kreuzberg

Im heutigen Berlin treiben Macht-Skepsis und Autoritäten-Abneigung die buntesten Blüten in Kreuzberg, und so passt es, dass auch Berlindada kurz nach dem Krieg im Gebiet Kreuzbergs ein ästhetisch/politisches Munititonslager besaß: den Grosz-Heartfied-Konzern. Die beiden Freunde streuten die Drachensaat Dadas in Berlin vor genau 100 Jahren aus mit dem Beginn ihrer künstlerischen Zusammenarbeit 1915.

Die Ausstellung zeigt die gemeinsame provokative Produktion von Grosz und Heartfield in dieser Zeit, mit ihrer Vorgeschichte und ihren Folgen. Prägend waren die Erfahrungen der Kriegskatastrophe und des Großstadtchaos. Die Schlächterei des Krieges bewies ihnen die Ohnmacht der Kultur und der abendländischen Werte insgesamt. Die Großstadt mit ihrem rasenden Verkehr und der gleichzeitigen Nachbarschaft ganz fremder Szenerien ließ sie zu Schere und Klebstoff greifen und mit Montagen experimentieren, die an die Stelle der verhöhnten Kunst treten sollten.

100 Jahre Dada - Antikunst und Subkultur in Kreuzberg

100 Jahre Dada - Antikunst und Subkultur in Kreuzberg

Die sieben Ausstellungsteile liegen wie Inseln im brandenden Marktgeschehen, und dieses Treiben ist optisch wie akustisch ein Teil der Schau. Sie kommt damit einer Intention von Dada entgegen: der Verschwisterung von Kunst und Alltag, von Poesie und Leben.

Mit dieser Verschwisterung ist es nun vorerst in der Markthalle vorbei.
Nach über 4 Jahren erfolgreicher Verbindung von Kunst, Kultur und Alltagsleben muss die Browse Gallery ihre 250 m² Fläche auf der Empore der Markthalle einem veganen Supermarkt überlassen und sucht nun neue Räume.”

Text aus der Pressemitteilung

Ausstellungszeiten: noch bis 28.2.2015

AusstellungsOrt: Mittelgang der Marheineke Markthalle, Marheineke Platz 15 - 10961 Berlin-Kreuzberg
Täglich 08 - 20:00 Uhr, samstags 08 - 18:00 Uhr

2015-02-24

Die Hackeschen Höfe und die Touristifizierung der Spandauer Vorstadt

Hackeschen Höfe

Schaut man in Berlin-Reiseführer der frühen 1990er Jahre, so werden als Sehenswürdigkeiten von Berlin-Mitte unter anderem die Sophienkirche, die Synagoge sowie der Alte Jüdische Friedhof empfohlen.
Erst die Sanierung der Hackeschen Höfe ab 1995 brachten die Spandauer Vorstadt im gesamten als eigenständige Sehenswürdigkeit in die Reiseführer - Ende der 1990er Jahre gehören die Höfe zum Pflichtprogramm für Berlin Besucher.

1991 ging die Immobilie nach einem Restitutionsanspruch an die Erbengemeinschaft Jakob Michael, die verkauften 1994 an den Heidelberger Bauunternehmer Roland Ernst und den Düsseldorfer Immobilienunternehmer Dr. Rainer Behne.

Hackescher Markt

“Die Geschichte des Nachwende-Berlins wäre ohne Roland Ernst nicht zu erzählen. Der Projektentwickler aus Heidelberg war einer der Ersten, die nach dem Umbruch von 1989/90 die großen Chancen auf dem Immobilienmarkt erkannten und entsprechend handelten, die ihre Emissäre in die Grundbuchämter schickten, um ausspähen zu lassen, wem welches Grundstück gehörte und welches möglicherweise zu kaufen war. (…) Das Investitionsvorranggesetz begünstigte die Schnellen unter den Entwicklern – und Roland Ernst war einer der ganz schnellen. Aber auch einer, der die Möglichkeiten der Gesetze überstrapazierte, mitunter zu weit. Er wurde später des Betrugs, der Bestechung und Steuerhinterziehung verdächtigt und saß deshalb im Gefängnis.”
http://www.welt.de/regionales/berlin/article125132740/Die-grossen-Bauherren-des-Berliner-Monopolys.html

Fotos: gesehen im Berliner Legoland Herbst 2014

2015-01-29

« vorherige Seitenächste Seite »