AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Visuelle Interventionen im öffentlichen Raum NO AMNESTY ON GENOCIDE DEUTSCHLAND

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31. August 2016 18:00-20:00
NO AMNESTY ON GENOCIDE DEUTSCHLAND
von AFROTAK TV cyberNomads
danach Abschlußparty des Project Space Festivals

Visuelle Interventionen im öffentlichen Raum
Fassadenausstellung / Interactive Exhibition 31. 8. - 11. 11. 2016

Kule e.V., Auguststraße 10

18.00h Der Menschwerdungs-reMix | Black lives Matter ?Literarische Multi-Media Performance? von AFROTAK TV cyberNomads
Eine dekoloniale Reise durch die Staatsformen Deutschlands. Mit Fokus auf Kontinuitäten der deutschen Geschichte. Aus Perspektive der Schwarzen Deutschen und der afrikanischen Diaspora Deutschlands.

Ein Projekt von KuLe e.V. & AFROTAK TV cyberNomads in Zusammenarbeit mit dem Project Space Festival Berlin 2016

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siehe (höre) auch den RADIO- Beitrag vom 23.07.2016 auf Deutschlandradio Kultur zum Thema:

“Während des Herero-Nama-Kriegs vor über 100 Jahren töteten deutsche Kolonialtruppen rund 100.000 Einheimische. Die Bundesregierung habe sich schwergetan, von Völkermord zu sprechen, sagt der Afrika-Historiker Jürgen Zimmerer.
(…)
Seit 1884 ist Deutschland Kolonialmacht mit vier Kolonien in Afrika und einigen kleineren Besitzungen im Pazifik. In Afrika ist es Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika - das heutige Tansania im Wesentlichen - und Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia.

Und 1904 leisten die Herero Widerstand gegen die zunehmende Entrechtung, also Betrügereien im Landkauf, im Kreditwesen. Es gibt zahlreiche Übergriffe auch der zahlreichen weißen Männer. Es waren fast nur weiße Männer als Siedler oder als Soldaten in der Kolonie. Und 1904 kommt es eben zum Widerstand, zu einem sehr erfolgreichen Widerstand, der eigentlich fast das gesamte koloniale Projekt in Südwestafrika zum Einsturz bringt. Und Berlin entscheidet sich zur Entsendung von Ersatztruppen unter einem General namens Lothar von Trotha, der als besonders brutaler Kolonialkämpfer eigentlich bekannt war, der jetzt einen Freifahrtschein erhält für sein Vorgehen in Südwestafrika, Auftrag lautet den, wie es hieß, “Aufstand” mit allen Mitteln niederzuschlagen.(…)
Und noch auf dem Schiff, auf der Fahrt nach Namibia wird im Grunde das Kriegsrecht verhängt und es wird praktisch angeordnet, dass jeder Herero, der im Akt des Widerstands aufgegriffen wird, standrechtlich zu erschießen ist.(…)
Es kommt dann im August zur sogenannten Schlacht am Waterberg, die nicht die Entscheidung bringt. Die Herero, die sich dort versammelt hatten mit Frauen und Kindern, entziehen sich der Umkesselung und ziehen eben nach Osten in Richtung des heutigen Botswana, in Richtung der Omaheke-Wüste. Die deutschen Truppen setzen nach und machen erst Halt, als sei selbst völlig entkräftet am Wüstensaum im Grunde nicht mehr weiterkönnen, weil auch sie nicht mehr genug Wasser vorfinden, und besetzen diese Wasserstellen. Und am 2. Oktober wird eben dieser Schießbefehl oder “Vernichtungsbefehl”, wie er auch heißt in der Literatur, eben erlassen in dem es heißt, die Herero müssen das Land verlassen, sonst werden alle erschossen. Und in einem Tagesbefehl: “Frauen und Kinder werden nicht erschossen. Es wird über deren Köpfe hinweg geschossen. Dann werden sie schon wieder zurückrennen in die Wüste” und dann, ist die Bedeutung, “den Dursttod sterben”.

Deutschlandradio Kultur: Also, für Sie ist das Urteil ein deutliches. Es handelt sich um einen Völkermord, weil die Absicht war, eben das Volk der Herero auszurotten?

Jürgen Zimmerer: Ja. Und zwar – es heißt zwar in dem Befehl, sie müssten das Land verlassen – aber in der konkreten Situation bedeutet das im Grunde, in die Wüste ziehen, wo sie umkommen.”
http://www.deutschlandradiokultur.de/afrika-historiker-juergen-zimmerer-zaehe-verhandlungen-um.990.de.html?dram%3Aarticle_id=360761

siehe auch:

Gerhard Seyfried
Herero. Eichborn Berlin 2003 (gebundene Ausgabe mit Illustrationen)
Herero. Aufbauverlag Berlin 2003, (Taschenbuch ohne Illustrationen)

2016-08-31

EM 2016 - schwarzer Stoff, roter Kragen, goldene Messingknöpfe

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hier hatte jemand sein nationales Coming-out, gesehen 2006 in der Großen Hamburger Straße

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Party-Patriotismus? gesehen 2008 am Mehringdamm

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Neonazidemonstration 2016 Hauptbahnhof, Berlin

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„Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813“, gemalt vom Schweizer Maler Ferdinand Hodler für die Universität Jena im Jahre 1908

Die Farben ihrer Uniform - schwarzer Stoff, roter Kragen, goldene Messingknöpfe - gaben die Farben für die deutschen Burschenschaften und die deutsche Nationalflagge vor.

“Nach dem für Napoleon katastrophalen Ausgang des Russlandfeldzuges wurde das erzwungene Bündnis Preußens mit Frankreich im Winter 1812/1813 aufgehoben. Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen, die schon seit 1810 in Berlin das Turnen und Schwimmen gefördert und den geheimen Deutschen Bund gegründet hatten, drängten den preußischen Minister Hardenberg zur Sammlung einer Freischar, in der Freiwillige aus allen deutschen Staaten gegen Napoleon kämpfen sollten. Offenbar vereinbarte man damals die Gründung einer solchen Truppe. Denn noch bevor der König vertraulich von Gerhard von Scharnhorst und offiziell von Major von Lützow um die Errichtung eines von diesem zu führenden Freikorps gebeten wurde, trafen Jahn und Friesen am 29. Januar 1813 am Sammelplatz Breslau ein. Dort warben sie in der Umgebung um Freiwillige und bereiteten alles zur Aufnahme des zu erwartenden Ansturms vor. Lützows Truppe wurde im Februar 1813 mit offizieller Billigung unter dem Namen Königlich Preußisches Freikorps als reguläre Truppe des preußischen Heeres gegründet. Grundlage für die Aufstellung dieses und weiterer Freikorps war die Allerhöchste Kabinetts-Ordre (AKO) vom 3. Februar 1813 über die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements, von der auch der Beiname „Lützower“ oder „Schwarze Jäger“ herrührt, obwohl nur ein kleiner Teil der Truppe tatsächlich aus Jägern bestand.”

https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzowsches_Freikorps

2016-06-12

Spaziergang durch die Geschichte der Auguststraße

Marion Kiesow, Klaus Bädicker und Octavia Wolle präsentieren am 15. März um 20 Uhr in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek in der Brunnenstraße 181 eine Collage aus Erzählungen, gelesenen Texten und Bildern.

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“Der Fotograf Klaus Bädicker hat die Straße und ihre Menschen schon zu DDR-Zeiten durch seine Arbeit bei der kommunalen Wohnungsverwaltung Mitte dokumentiert. Bädicker erzählt zu seinen Fotos auch spannende Anekdoten. Marion Kiesow hat für ihr Buch „Berlin tanzt in Clärchens Ballhaus“ die Geschichte der Straße und ihrer Anwohner recherchiert. Sie veranstaltet auch regelmäßig Kulturspaziergänge durch die Auguststraße. Octavia Wolle wuchs in den Heckmann-Höfen auf und liest aus ihren aufgeschriebenen Kindheitserinnerungen „Oranienburger Straße 32 oder Zur Unterirdischen Tante“. Der Eintritt ist frei. ” (http://www.berliner-woche.de/prenzlauer-berg/bildung/virtueller-spaziergang-durch-die-geschichte-der-auguststrasse-d94981.html)

2016-03-08

Berlin Geschichte - Spartakus

“Am 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie politisch abgedankt” mit diesem Satz beginnt Rosa Luxemburg ihren Grundsatzartikel in der neuen Zeitschrift ‘Die Internationale’. Die erste Nummer im April 1915 ist aus Gründen der Zensur zugleich die letzte. Dennoch: Die Linksopposition innerhalb der SPD formiert sich. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Ernst Meyer, Juliau Marchlewski, Leo Jogiches, Hermann und Käte Duncker, Wilhelm Pieck, Paul Schwenk, Luise Zietz. (…)
Der Unwille in Partei und Gewerkschaften wächst. Mehr als eintausend Sozialdemokraten unterzeichnen im Juni 1915 einen offenen Brief mit der Forderung, „daß Fraktion und Parteivorstand endlich ohne Zaudern dem Parteiverderben Einhalt tun, den Burgfrieden aufsagen und auf der ganzen Linie den Klassenkampf nach den Grundsätzen des Programms und der Parteibeschlüsse, den sozialistischen Kampf für den Frieden eröffnen.”

Am 1. Januar 1916 veranstaltet die Gruppe Internationale im Anwaltsbüro der Brüder Liebknecht, Chausseestraße 121 ihre erste Reichskonferenz. Über dieses illegale Treffen schreibt Käte Duncker ihrem zum Kriegsdienst eingezogenen Mann: „Gestern war eine größere Familienbesprechung zusammen mit Onkel Franz und Karl. Es handelt sich um den Nachlaß von Tante Rosa. Da waren natürlich auch die Verwandten aus den übrigen Orten gekommen, aus Stuttgart; Frankfurt, Leipzig, Chemnitz, Jena, Erfurt, Braunschweig, Düsseldorf”.

Die Geburtsstunde des Spartakusbundes.

Agitation. Ein engmaschiges Vertriebsnetz für Flugblätter und Broschüren wird geknüpft; mit geheimen Depots in Gartenlauben, Kellern und auf Dachböden. Und im Atelier des Malers Alfred Stiller, Blücherplatz 2, laufen ab 1917 die organisatorischen Fäden zusammen.

(…)

Spartakusaufstand 1919

“Alle Macht den Räten”, lautete die zentrale Zielsetzung des Spartakusbundes. “Alle exekutive, alle legislative, alle richterliche Gewalt bei den Arbeiter- und Soldatenräten.” Liefe das Rätesystem auf die Diktatur des Proletariats hinaus? Würden Adel und Bürgertum vom Wahlrecht ausgeschlossen sein? „Zur Wahl der Arbeiter-und Soldatenräte schreitet das gesamte erwachsene werktätige Volk in Stadt und Land und ohne Unterschied der Geschlechter.”

Arbeiterräte oder Nationalversammlung, Rätesystem oder Parlamentarismus — diese grundsätzliche Streitfrage wurde schließlich durch Waffengewalt entschieden. Auslöser der Kampfhandlungen war die Entlassung des linken Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn, Mitglied der USPD. Seine Partei rief zum Massenprotest, und die Massen kamen. Zweihundertfünfzigtausend Arbeiter, nicht wenige bewaffnet, zogen am 5. Januar 1919 von der Siegesallee durch das Brandenburger Tor zum Alexanderplatz und bekundeten vor dem Polizeipräsidium ihre Solidarität. Unter dem Eindruck solch gewaltiger Resonanz rief ein eilig gebildeter Revolutionsausschuß zum Sturz der Regierung auf. Kommandos besetzten das Zeitungsviertel und öffentliche Gebäude. Vergebens. Die von Ebert und Noske („Einer muß der Bluthund werden”) aufgebotenen konservativen Truppen erwiesen sich als militärisch überlegen; Karl Liebknechts „freie sozialistische Republik” mußte ein Wunschtraum bleiben.

Text: Berger, Joachim, Berlin freiheitlich & rebellisch, Berlin 1987

siehe auch:

Berlin Geschichte - Zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

2016-01-05

Der Abriss des Jahres: das Leineweber- und das Aschinger-Haus

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FOTO : Willy Pragher 1955 Landesarchiv Baden-Württemberg

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FOTO : Willy Pragher 1981 Landesarchiv Baden-Württemberg

“Niemand weint der Schmuddelecke eine Träne nach.”, wurde im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung behauptet. Die Berliner Tageszeitungen waren sich auch einig: “doch eigentlich war das Wort schmuddelig noch zu mild” schrieb die Morgenpost, “betrat man die „Arkaden“ am Beate-Uhse-Museum, diesen düsteren, stinkenden, von Kreaturen der Nacht bevölkerten Tunnel, der entlang der Joachimsthaler Straße zum Bahnhof Zoo führte, dann war man an einem finsteren Ort - das Land Mordor von West-Berlin. Sex-Shops mit Video-Kabinen, Pfandleiher, Spielhalle, ein heruntergekommener Donut-Laden, Sportwetten, Döner-Buden und China-Imbisse, dann wieder Sex. World of Sex.”

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FOTO : REINER LINKE März 2015

Für mich verschwand (wieder) ein Stück Westberlin mehr.
Unvergessen sind für mich die Zeiten, als man noch “nach Westdeutschland” fuhr, auch wenn man nach Süddeutschland wollte.
Als der Bahnhof Zoo noch ein Fernbahnhof war und es noch Nachtzüge gab. Zum Beispiel in Nürnberg um 24 Uhr in den Zug steigen, ein leeres Abteil finden und die Sitze zu einer grossen Liegefläche ausziehen. 2 Stunden später Grenzkontrolle und dann ungestört schlafen und um 6 Uhr morgens am Zoo ankommen.
Und dann in das PRESSECAFE im Aschinger Haus, was immer offen hatte: wieder in Westberlin, zuhause.

In das Pressecafe zog dann irgendwann ein Burger King ein.

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Bahnhof

“Als eines der deutlichsten Beispiele mit welcher fast unscheinbaren Brachialgewalt eine Ökonomisierung von Räumen voranschreitet, kann man an der Umstrukturierung der deutschen Bahnhöfe in Shopping Malls mit Fahranschluss erkennen. Bahnhöfe waren in früheren Zeiten ein Inbegriff des Öffentlichen Raumes. Bahnhöfe hatten immer einen besonderen Charme, ein Charisma, keinesfalls immer positiv konnotiert. Vor allem mit dem Blick eines profunden Szenekenners war es relativ schnell sichtbar, welche Szene sich an welchen Orten des Bahnhofs aufhielt: die Stricher – Jungs und die sich auf der Suche befindlichen Freier, die „Drogis“, die Prostituierten, Punks und Straßenkids, Kleinkriminelle, Taschendiebe und Schließfachspezialisten … und dazwischen die Szene der normalen Bahnreisenden, die zum Teil die einzelnen Szenen gar nicht wahrgenommen haben – Treffpunkt Bahnhof.” (1)

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GARSKI - Berliner Sumpf

Dietrich Garski, Bauherr und Architekt des Aschinger-Hauses, 1973 an das Leineweber-Haus angebaut und mit einer Passage verbunden, steht in der langen Geschichte der Berliner Bau- und Korruptionsskandale.
1978 gewährte der Berliner Senat dem Bauunternehmer Garski eine Bürgschaft von 112 Mio. DM für ein Bauprojekt in Saudi-Arabien. Mitverantwortlich dafür war auch der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD). Als Garski 1980 pleite ging mußte der FDP/SPD-Senat Anfang 1981 zurücktreten.
Von dem Machtvakuum, das durch den Legitimationsverlust des Berliner Senats entstanden war, profitierte dann die Hausbesetzerbewegung.

PEEPSHOW

“Heute, im Zeitalter des Internet-Sex, sind Peepshows nur noch eine skurrile Fußnote der menschlichen Kulturgeschichte.” (2)
In der Aschingerhaus-Passage gab es eines der ersten Peepshows in Berlin. Gerne erzähle ich diese Anekdote: ich kannte einen der Dolmetscher Michel Foucaults während des Tunix-Kongresses 1978, und er erzählte, er mußte während einer Kongress-Pause mit Foucault die Peepshow aufsuchen, weil Foucault unbedingt mal so eine Peepshow besuchen wollte.

Und das soll jetzt gebaut werden - 9200qm Einzelhandelsfläche und Büros:

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(C) Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten

1 http://www.sozialraum.de/treffpunkt-strasse.php
2 http://www.spiegel.de/einestages/sex-in-den-siebzigern-a-949717.html

Zur Hausbesetzerbewegung siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-westberliner-hausbesetzerbewegung

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-berliner-linie-der-vernunft

2015-12-23

Die Püppchen aus der Auguststraße

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“Ruth Malin und Regina Steinitz sind in der Auguststraße in Berlin Mitte groß geworden. Bereits 1935 wurden der Mutter und ihren Kindern die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen – ihr Vater war Jude. Fünf Jahre später starb ihre Mutter an Tuberkulose und die Mädchen kamen ins Jüdische Kinderheim.
In dem Dokumentarfilm führen uns die Zwillingsschwestern an all jene Orte, die es ihnen möglich gemacht haben, dem Transport in ein Lager zu entkommen und so die Kriegszeit zu überleben. ”

Ein Dokumentarfilm von Nadja Tenge und Sally Musleh Jaber mit den Zwillingsschwestern Regina Steinitz und Ruth Malin

Noch in der rbb-Mediathek bis 17.10.2015:

http://mediathek.rbb-online.de/tv/Himmel-und-Erde/Die-P%C3%BCppchen-aus-der-Auguststra%C3%9Fe/rbb-Fernsehen/Video?documentId=31033240&topRessort=tv&bcastId=3907830

Text via: http://www.zentrum-juedische-studien.de/event/2015-09-30-rbb-preview-die-pueppchen-aus-der-auguststrasse/

2015-10-11

Dark tourism

“Wenn tagtäglich tausende Touristen durch die Stadt ziehen, lässt das die Geschichtswissenschaft nicht unbeeindruckt. Historiker beschäftigen sich nicht nur mit der Geschichte des Reisens. Auch der aktuelle Geschichtstourismus spielt eine zentrale Rolle – als Teil der Public History. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Zusammenhang von Vergangenheit und Image der Stadt: Wie lässt sich die große Anziehungskraft historisch belasteter Orte erklären? Das Reisen an Orte, die mit Tod, Leiden und Grauen assoziiert werden, wird als Dark Tourism bezeichnet. (…)

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Ausstellungsgelände “Topographie des Terrors” - Im Hintergrund das Bundesministerium der Finanzen, (das ehemalige Reichsluftfahrtministerium und spätere Haus der Ministerien der Deutschen Demokratischen Republik). Dazwischen ein Reststück der Berliner Mauer

Erst Ende der siebziger Jahre deckten die Berliner Geschichtswerkstatt und andere Initiativen die Geschichte der nationalsozialistischen Terrorzentrale auf. Zur Internationalen Bauausstellung von 1984/87 entstand im „zentralen“ Bereich an der Mauer eine Geschichtslandschaft. Ausgrabungen gaben 1985/86 Teile der ehemaligen Folterkeller frei. Dies hatte vor allem eine symbolische Dimension, denn die Kellermauern gaben nur wenige Informationen preis. Es ging um die Aufdeckung des Verschütteten und die besondere Kraft authentischer Spuren, mochten sie materiell auch noch so unbedeutend sein.(…) Der Fall der Berliner Mauer trug auf doppelte Weise zum Erfolg dieses Ortes bei. (…) Beide deutschen Diktaturen sind so auf engstem Raum „erfahrbar“, was manche Touristen überfordert: Legendär sind interessierte Nachfragen, warum Hitler eigentlich die Mauer gebaut habe.(…) So haben alternative Projekte zur Touristifizierung Berlins als „Rom der Zeitgeschichte“ beigetragen. Mit Blick auf die großen kommerziellen Potenziale des Berliner Geschichtstourismus treibt die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH die Eventisierung der Geschichtskultur weiter voran.” (1)

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Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Altersheim, Große Hamburger Straße

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“Am 11. April 1942 wurde die Jüdische Schule auf Veranlassung des Reichssicherheitshauptamts geräumt und am 30. Juni endgültig geschlossen. Die Schule und das benachbarte Altersheim wurden ab nun von der Gestapo als Sammellager eingerichtet, von dem aus Zehntausende jüdische Bürger in das KZ Theresienstadt und das KZ Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Das Altersheim wurde 1943 zerstört und nach Kriegsende enttrümmert. An dieser Stelle befindet sich heute der Eingang zum alten jüdischen Friedhof, der damals direkt hinter dem Heim lag.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hamburger_Stra%C3%9Fe

Text (1): Hanno Hochmuth
Vortrag auf der Tagung “Schattenorte. Stadtimage und Vergangenheitslast”, Potsdam-Museum/ZZF Potsdam, Potsdam, 12.2.2015.
Der am 13.2.2015 im Tagesspiegel erschienene Artikel Die Attraktion der Schattenorte von Hanno Hochmuth basiert auf diesem Vortrag.
http://www.tagesspiegel.de/wissen/berlin-inszeniert-seine-geschichte-die-attraktion-der-schattenorte/11366582.html

2015-06-08

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