AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Tacheles Zaunpolitik

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Das “Tacheles” ist ein Bau, an dem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts ablesen lässt, schrieb Günther Luxbacher im Mai 2011 in der Wiener Zeitung.

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“Es gibt nur wenige Gebäude, die für die führenden Institutionen deutscher Geschichte so vollständig und repräsentativ als Bühne dienten wie das Berliner Kunsthaus Tacheles.” und
“Was macht das Gebäude nun im Einzelnen historisch so einmalig? Gehen wir die einzelnen Epochen durch. Das 20. Jahrhundert begann mit dem Aufstieg der modernen industriellen Konsumgesellschaft: Das Tacheles wurde als Kaufhaus erbaut. Es folgten die technikbegeisterten 20er Jahre. Der Elektrokonzern AEG machte es zum “Haus der Technik”. Danach quartierten sich nationalsozialistische Institutionen ein, die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und das SS-Zentralbodenamt, der “Generalplan Ost”.(…)
[ab 1945] Der FDGB verwaltete das teilweise zerstörte Gebäude, in welches das regimetreueste Kino sowie der volkseigene Baubetrieb einzogen. 1990 atmete das Haus erneut Zeitgeist: Eine Bürger- und Künstlerinitiative samt “Rundem Tisch” verhinderte dessen endgültige Sprengung und gab der Ruine den Namen “Tacheles”.

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Zur Zeit läßt der Zwangsverwalter des insolventen Grundstückeigentümers, geschützt durch einen aus Berliner Partytürstehern bestehenden Sicherheitsdienst, Zäune ziehen und Kunstwerke zerstören.

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2011-08-10

update 2011-08-26

weil der link bei “Kunstwerke zerstören” nicht mehr funktioniert, hier der Text der Pressemeldung des Polizeipräsident in Berlin:

Pressemeldung
Eingabe: 08.08.2011 - 11:40 Uhr
Gefährlicher Brückenbau – Bauaufsicht und Polizei schlichten
Mitte

Im Streit um die Bebauung von Teilen eines unter Zwangsverwaltung stehenden Areals zwischen der Oranienburger Straße sowie der Friedrich- und Johannisstraße mussten Bauaufsicht, Polizei und Feuerwehr gestern Abend schlichtend eingreifen.
Der Sicherheitsdienst des Zwangsverwalters alarmierte die Polizei gegen 20 Uhr, da Personen der auf Teilbereichen des Geländes verbliebenen Künstlergruppierung ein mehrere Meter hohes provisorisches Stahlkonstrukt errichtet hatten. Offensichtlich sollte dieses Bauwerk als Brückenschlag vom Gebäude auf die Freifläche dienen, da bereits mehrere Personen auf das verschweißte und mit unbefestigten Holzplatten ausgelegte Bauteil geklettert waren.
Nach Anordnung der Einstellung aller Schweiß- und Brückenbauarbeiten sowie Kurzbegutachtung durch die Bauaufsicht wurden alle Zugänge zu der unsicheren Überbrückung gesperrt und alle Personen in Höhenluft zurück auf den festen Boden gebeten. Rund 40 Polizeibeamte und die vorsorglich alarmierte Berliner Feuerwehr konnten sowohl die Streitparteien als auch die unfreundliche Stimmung unter den etwa 90 Brückenfans gegen Mitternacht in weniger turbulente Bahnen lenken.
Im Zuge der anfänglich handfesten Streitigkeiten wurde ein Sicherheitsmitarbeiter leicht am Fuß verletzt und seine mitgebrachte Leiter beschädigt. Die Beamten leiteten Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und falscher Verdächtigung ein.

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