AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

suicide by police

“Bei der Aus- und Fortbildung der Berliner Polizei gibt es einmal in der Woche den Messertag. Geübt wird dabei ausschließlich der Schuss auf das „vitale Dreieck“, also den Brustkorb mit Herz und Lunge.” (*)

Im Sommer 2013 erschießt ein Polizist einen Mann, der mit einem Messer bewaffnet nackt im Berliner Neptunbrunnen badet. Jetzt starb am Dienstag in Hohenschönhausen wieder ein Mann durch Polizeikugeln. Der 25-Jährige hatte am Dienstag Nachmittag zunächst die Feuerwehr gerufen und angekündigt, sich das Leben nehmen zu wollen.
http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/01/toedlicher-schuss-polizeiwaffe-berlin-hohenschoenhausen.html

Wie rbb-Recherchen nach dem Fall vom Neptunbrunnen ergaben, sind es überwiegend gar keine Kriminellen, die Polizeikugeln zum Opfer fallen, sondern in zwei Dritteln der Fälle psychisch kranke Menschen.
http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/02/toedliche-polizei-schuesse-hohenschoenhausen-kriminologe-ueberforderung-umgang-psychisch-kranke.html

“Die Gefährlichkeit von psychisch Kranken, selbst wenn sie bewaffnet seien, sei ein „Mythos“, sagt der Psychiatrieprofessor Asmus Finzen. Psychotische Menschen reagieren anders als Kriminelle. Sie lebten gefangen in ihrer eigenen Welt, in der Störungen schnell als Bedrohung gesehen würden. Dies könne die Polizei jedoch nicht nachvollziehen und in der Folge seien die Beamten und -beamtinnen dann fatalerweise der Meinung, besonders hart reagieren zu müssen.” (*)

“Dass die Polizei offenbar nicht so darauf vorbereitet ist, wie sie vorbereitet sein sollte, bestätigt auch Thomas Feltes, Professor für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität in Bochum. (…)
Stellvertretend für andere Innenminister kann hier der ehemalige Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) stehen. Angesichts der „Definitions- und Abgrenzungsprobleme“ bei psychischen Erkrankungen „erscheint mir eine Extra-Aus- und Fortbildung in diesem Bereich nicht zielführend“, sagt er.
Eine solche Aussage hält Feltes für eine sicherheitspolitische Bankrotterklärung. Ein Psychologe könne den Beamten und Beamtinnen durchaus in wenigen Stunden die Grundlagen dafür vermitteln „wie man da Signale liest“.
Doch die Praxis sieht anders aus:
Schon in der Ausbildung werde „Konfliktbewältigung auch mit Personen in Ausnahmesituationen“ trainiert, ist die offizielle Auskunft der Berliner Polizei. In das „situative Distanzverhalten“ würden immer wieder auch neue Erkenntnisse einfließen. Gleichwohl handele es sich hier aber stets um einen „Grenzbereich“. Und der sieht so aus: Als Mindestabstand zu mit Messern oder stichwaffenähnlichen Gegenständen Bewaffneten gilt als Regel eine Entfernung von fünf bis sieben Metern. Bei geringerer Distanz sei eine Reaktion unterhalb des Schusswaffengebrauchs ohne erhebliche Eigengefährdung nicht mehr möglich.
Und so gibt es in der Konsequenz bei der Aus- und Fortbildung der Berliner Polizei einmal in der Woche den sogenannten Messertag. Geübt wird dabei ausschließlich der Schuss auf das „vitale Dreieck“, also den Brustkorb mit Herz und Lunge.” (*)

(*) DEUTSCHE POLIZEI Nr. 1 • 64. Jahrgang 2015 • Fachzeitschrift und Organ der Gewerkschaft der Polizei

siehe auch:
Tödliche Polizeikugeln. rbb-Dokumentation 27.05.2014
http://www.dailymotion.com/video/x1xbgnb_die-rbb-reporter-todliche-polizeikugeln_people

https://de.wikipedia.org/wiki/Suicide_by_cop

2017-02-02

Kommentar hinterlassen: