AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Streetart-Klau

Streetartklau

Wie schrieb ALAIN BIEBER so schön vor einem Jahr im ART-Magazin, in seinen ‘Abschiedsbrief an die geliebte Ex-Subkultur’

“Liebe Street Art,

Ich habe Dich geliebt! Du warst mein erster Kontakt zur Welt der Kunst. Durch Dich fand ich Freunde, und Du gabst mir Sinn und Halt im Leben. Du warst Anti und Underground, hast Guy Debord und Jean Baudrillard zitiert. Und ich liebte Deine subversive Kraft, Dein destruktives und dekonstruktivistisches Element.

Wir hatten so viel gemeinsam: Tausend Ideen und kein Geld. Wir waren die vergessenen Kinder – und zornig. Es war die Post-Punk-Ära. Eben ein “Fuck you, I won´t do what you tell me!” Aber wir hatten unsere konkreten Feindbilder bereits verloren. Uns einte ein diffuses Dagegen. Und dieses Gefühl, dass etwas in dieser Welt falschläuft. Wir waren idealistisch und wollten die Welt bekehren – und unsere Botschaft der ganzen Welt mitteilen. Deshalb gehörte mein Herz der Straße – denn da tobte das Leben. Dort fand die Revolution statt. Plötzlich war die Straße eine grenzenlose Galerie: Jeder konnte aktiv werden, Kunst produzieren und an Kunst partizipieren. Ob er das nun wollte oder nicht. Aber gerade darin lag die Schönheit, das Radikale. Die Straße war das einzig wirklich freie und demokratische Medium für die Kunst. Nährboden, Blutkreislauf der Gesellschaft und ein ideales Experimentierfeld. Sie war die Ader des “Abenteuerspielplatz Stadt” – alles war möglich, mit einer Sprühdose, einem Aufkleber – und einer Idee.

Aber jetzt bist Du da, wo Du nie hinwolltest! Plötzlich finden Dich alle irgendwie super. Hausbesitzer klagen nicht mehr, sondern verkaufen Dich, mitsamt dem Haus, auf Ebay. Oder Sie erhöhen die Miete – Stichwort Gentrifizierung. (…)

Die Folge ist klar: Mo Money Mo Problems! (…)
Früher hattest Du als Feinde nur die Stadtreinigung. Aber heute durchstreifen Großwildjäger die Straßen nach Dir. Sie wollen Dich fangen, ausstopfen und ins Museum, eine Galerie oder eine Privatsammlung stecken.(…)
Aber es gibt keinen Ausweg. Das Kapital bleibt stets am Ende der Nahrungskette. Gegenkulturen werden kommerzialisiert und sterben. Das ist das Schicksal aller Subkulturen. Punk is dead, Rap is dead – und Street Art auch. Niemand entkommt dem Spektakel, solange “the rebel sells”. So ist das eben. Je subversiver und rebellischer sich ein Banksy gibt und je mehr er die Kunst-Bourgeoisie beschimpft, desto inniger wird er von ihr geliebt.

Aber keine Sorge, liebe Street Art, ich werde Dich nicht vergessen. Du wirst mir fehlen – und natürlich komme ich Dich ab und zu im Zoo/Altersheim/Museum besuchen!

Dein Ex-Geliebter, Alain”

Streetartklau

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siehe auch: Street-Art-Ausverkauf: cut & go

2009-08-19

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