AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

z.B. Mulackstraße 22

Mulackstrasse 22, 1992

Blick von der Gormannstrasse aus Richtung Osten Blick von der Rückertstr. aus Richtung Westen Mulackstr.22
Mulackstraße gesehen 1990

Hofansichten Mulackstraße 22: Aquarelle von Klaus Jurgeit, gemalt 1990

Hof der Mulackstr. 22

Hof der Mulackstr. 22

Die Bebauung zwischen Gormann-, Mulack- und Steinstraße wird mit ihren schmalen Mietshäusern und der kleinteiligen Hofbebauung noch von der hier fast lückenlos überlieferten, im frühen 18. Jahrhundert entstandenen Parzellierung geprägt. Diese Bauten repräsentieren zugleich besonders anschaulich die Bauweise und Architektur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den kleinen Gassen der Spandauer Vorstadt. Die dreigeschossigen Vorderhäuser Steinstraße 21 und Mulackstraße 22 wurden 1862 für den Kaufmann Hermann Ferdinand Doerfel erbaut. Sie umschließen mit ihren Seitenflügeln, in denen auch Remise, Pferdestall und Futterboden untergebracht waren, einen granitgepflasterten Hof. Eine Besonderheit im historischen Grundriss ist die variable Aufteilung in zahlreiche Kleinstwohnungen und Kochstuben mit Mittelflurerschließung. Die von sechs Kolossalpilastern gegliederte dreigeschossige Fassade an der Mulackstraße überragt mit dem schiefergedeckten Mansardgeschoss das von Maurermeister Joseph Grund 1882 errichtete dreigeschossige Nachbarhaus Steinstraße 19, welches mit dem Haus Mulackstraße 23 ebenfalls eine Hofgemeinschaft bildet. Typisch für diese Häuser sind die straßenseitigen Kellerzugänge. Kleingewerblich genutzt, dienten sie den potenziellen Kunden als Zugang in die Kellerwerkstätten. (…)
Lit-Kurzt.: Topographie Mitte, 2003
Stelle: 504

Denkmaldatenbank

Klub Wissenschaft im Magnushaus und Institut für Heuristik

Aus einen Gespräch im Institut für Heuristik, 9.10.91

…Das wird dann auch gerade mit diesem Ort verbunden, hier in der Mulackei, im Scheunenviertel, eine dieser disfunktionalen Grauzonen - “vergessene Orte” am “inneren Rand” der Stadt.

Das Heuristik-Institut hat seinen Sitz jetzt in der Mulackstraße - und welches Projekt ist
in diesem Zusammenhang entstanden?

Nun, ein Ansatz ist, nach dem `Gedächtnis einer Straße’ zu fragen. Zu dem gehen wir jetzt auch stärker ein auf Berlin als Ort der Wissenschaft, da wir in der Altstadt sitzen, auch bestimmte Verbindungen eingegangen sind mit anderen Wissenschaftsvereinen und hier ein Wissenschaftshaus begründen wollen - nach Beuth benannt, dem Erfinder der Technischen Universität sozusagen, damals noch als Gewerbeinstitut so zu Beginn des letzten Jahrhunderts, eigentlich aus der Situation der preußischen Niederlage gegen Napoleon, wo verschiedene Reformkräfte versuchten: Was gilt, wenn diese Schlachtengloriole Friedrichs nichts mehr taugt, worin bestehen dann unsere Kräfte und was ist dann erforderlich? Also aus diesem Zusammenhang gesehen. Gut, einerseits Beuth und die Förderung des Gewerbefleißes und sei es durch Industriespionage in England und andererseits die Gebrüder Humboldt mit dem Versuch, eine akademische Freiheit, einen Ort der Freiheit zu organisieren, was allerdings weitgehend schon wieder abgewürgt wurde vom König.

Es gibt also einen konkreten Plan, hier in Berlin ein Haus der Wissenschaften zu gründen.
Wie sieht denn Euer Beitrag als Institut für Heuristik aus, um zu verhindern, daß es vielleicht irgendwann einen ähnlichen Charakter hat wie eine wissenschaftliche Institution
herkömmlicher Art.

Da ist zunächst die Aufeinanderangewiesenheit in unserem Projekt und den anderen Projekten in diesem Wissenschaftshaus; das sieht so aus, daß wir einige Sachgebiete mitbringen, zu anderen gar nichts, die wir genausogut noch bräuchten. Jetzt läuft das noch so, daß dann jeweils einer von uns versucht, mit einem bestimmten Gebiet, wo er noch nicht zu Hause ist, umzugehen, sich dem zu nähern und das auch sichtbar zu machen für die anderen; wir halten es ja auch für sehr wichtig, exemplarisch das Angehen eines fremden Gebietes zeigen zu können. Wir hoffen dann auch unsere Nachbarn fragen zu können zu bestimmten Gebieten, dabei durch Fragen organisierende Kerne zu bilden, Projekte oder Arbeitskreise zu organisieren.

RATTEN

Dezember 1992. Die an Jeremy Wellers “Pest”-Projekt an der Volksbühne beteiligten Obdachlosen beschließen, weiter Theater zu machen. Nunmehr ihr eigenes. Sie suchen sich eine Spielstätte, einen Regisseur und nennen sich die “RATTEN”. Ein Förderverein der “Freunde der Ratten e.V.” gründet sich. die Volksbühne verpflichtet den Regisseur, sichert logistische Hilfe zu und übernimmt die Miete für den Keller in der Mulackstraße 22. der von nun an zu ihrem Unterschlupf wird zum Proben, Spielen. zeitweise auch zum Schlafen.(…) Das folgende Stück heißt “Mulackei - Robinsonaden eines schwarzen Freitags” und erzählt vom Gestrandet-Sein, von den ewigen Reisen der Fremden, Verbannten und Flüchtlinge; mit den Obdachlosen als Robinsons der Gegenwart. Die australische Schauspielerin Anna Scheer, die gemeinsam mit dem Regisseur Roland Brus das “RATTEN”-Projekt leitet, führt zu Beginn den Zug der Besucher, gleich einer Fremdenführerin, begleitet von jiddischen Melodien von Station zu Station durch die Mulackstraße. Die RATTEN tauchen auf: aus Müllcontainern und Baumwipfeln, aus Hinterhöfen und Kneipenfenstern, als eckenstehende Huten und Streichholzmädchen… und Würstchenverkäufer. Bis irgendeine Ordnungsmacht schlagstockschwingend die Straße räumt und die Theater-Touristen in den Keller treibt. So wird das Viertel um die Mulackstraße, in den Zehner und Zwanziger Jahren Zufluchtsort der ostjüdischen Immigranten, aber auch für Ganoven, Zuhälter, Künstler, Anarchisten und Spieler, zum Ausgangspunkt einer Geschichte um Heimat- und Ortlosigkeit heute; und über Theater als Ort flüchtig aufscheinender Identität. entnommen aus:

Über das Arbeiten mit “RATTEN”

In Gedenken an Jürgen - JKD

Nachrufe : Jürgen Klaus Döhler (Geb. 1949) Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 11.07.2008

DIE VERLORENE STRASSE, Marco Wilms 1994
DIE VERLORENE STRASSE, Marco Wilms 1994

2 Kommentare zu 'z.B. Mulackstraße 22'

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  1. Claudine Layre sagt,

    am 22. Sep. 2008

    Falls es Ihnen helfen kann, die Vergangenheit des Stadtteils zu rekonstruieren, können Sie im Picasaweb unter Claudine sich meine Fotos vom Scheunenviertel anschauen zwischen 1991 und 2005. Ich bin auch gern bereit, Texte oder Bücher ins Franz. über dieses Viertel zu übersetzen. Habe das schöne Buch von Elke Geisel schon 1991 gekauft; Alles Gute
    Frau Layre, Oberstudienrätin für Deutsch in Frankreich

  2. Heike Patzschke sagt,

    am 18. Aug. 2014

    Welch eine Überraschung! Genau in diesem Haus “Mulackstraße 22″ habe ich von 1980 bs 1983 gewohnt. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern.

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