AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Reichtum und Schuldenökonomie

reichtumsuhr
Reichtumsuhr am Schiffbauerdamm

“Selbstverständlich ist ein Klassenkampf im Gange, und es ist meine Klasse, die der Reichen, die ihn angefangen hat und ihn auch gewinnt.” Warren Buffett, zitiert nach David Harvey, „Rebellische Städte“, Berlin 2013, S. 205

reichtumsuhr

Der Staat muss sich das Geld jetzt bei denen leihen, denen er vorher die Steuern gesenkt hat.

“Im fordistischen Modell des Industriekapitalismus, etwa von 1945 bis 1973, wanderte das Geld noch in die Fabrik, um sich zu vermehren. Um zu mehr Geld zu werden. Zu Kapital. Das dann wieder in die Fabrik geht. Um sich weiter zu vermehren. Um zu noch mehr Kapital zu werden. Und immer so weiter.
Man nennt das auch Wachstum.(…)
Immer mehr Geld entsteht inzwischen ohne den Umweg über die Fabrik. Außerhalb der Warenproduktion.
Die Banken stellen es selber her, indem sie Geld verleihen, das es vorher noch nicht gegeben hat.(…)
Indem Banken Schuldner produzieren, schöpfen sie Geld. Und so entstehen Geldvermögen buchstäblich aus dem Nichts.(…)
Das wird uns tatsächlich systematisch vorenthalten, dieses Wissen, dass die Vermögen des einen immer die Schulden des anderen sind. Aber das ist ja ganz klar: Wenn jemand anderes irgendein Vermögen haben soll, dann hat er das deswegen, weil es eben jemand schuldet. Das ist das Vermögen. (…)
Das neoliberale Versprechen, alle zu Eigentümern zu machen, ist 2006 mit der amerikanischen Häuserkrise geplatzt. Aufgebläht hatte man die Immobilienblase mit außerordentlich günstigem Kreditgeld.
Alan Greenspan, damaliger US-Notenbank-Chef, hatte die Banken mit billigem Geld versorgt. Und die Banken haben das billige Geld an mittellose Leute verliehen.(…)
Denn man hatte in der Zwischenzeit Techniken entwickelt, Kredite unterschiedlichster Qualität in Paketen zu bündeln. Und an die ganze Welt weiterzuverkaufen.
Vor allem europäische Banken haben zugegriffen.
Als sie unter der Last fauler Kredite zusammenzubrechen drohten, sprangen die Staaten ein, um sie zu retten.(…)
Das Geld hat Wege gefunden, auf den Finanzmärkten - in den Geldfabriken - an Vermehrung wettzumachen, was seit Mitte der siebziger Jahre in der Realökonomie nicht mehr möglich war, sagt Christian Marazzi, ein italienischer Forscher.(…)
Es begann damit, dass die USA in den siebziger Jahren Riesenmengen an Dollar druckten, um ihren Krieg in Vietnam zu finanzieren. Im Ausland kamen Zweifel auf, ob überhaupt noch genug Gold als Gegenwert vorhanden wäre. US-Präsident Nixon hat den Dollar dann vom Gold getrennt.
In diesem Moment wurde das Geld vollkommen mobil, es hatte jetzt keine Referenz mehr. Die Schuldenökonomie ist überhaupt erst ab diesem Moment möglich geworden. (…)
Der Staat hat zwei Grundfunktionen: Er erhebt Steuern und Gebühren, das ist ein wesentliches Abgreifungsinstrument, und er verteilt dieses Geld dann wieder. Beide Funktionen haben sich die Neoliberalen angeeignet. Die neoliberale Politik in Amerika hat ja als Steuerrevolution begonnen. Dazu muss man sich vorstellen, dass es unter Roosevelt einen Einkommenssteuerspitzensatz von bis zu 90% gab, und dass das damals keinen Skandal verursachte. Jetzt hingegen zahlen die Unternehmen und die Reichen nicht mehr viel Steuern, und entsprechend wachsen die Staatsschulden. Es ist offensichtlich, dass die Schulden damit zusammenhängen; man muss sie auf den Finanzmärkten suchen.
Der Staat muss sich das Geld jetzt bei denen leihen, denen er vorher die Steuern gesenkt hat. Die Zinsforderungen reicht er an die Gesellschaft weiter. (…)
Lazzarato sieht in der gegenwärtigen Krise der drohenden Staatskonkurse den Neoliberalismus an sein Ziel kommen.
Denn die Krise, sagt er, wird zur vollständigen Durchsetzung des neoliberalen Programms genutzt:
die Löhne auf ein Minimum zu reduzieren, das verbliebene Staatseigentum zu privatisieren und den Sozialstaat zugunsten der Banken, Unternehmen, Vermögenden zu plündern.(…)”

Aus: “You are not a loan!”
Oder: Kapitalismus als Schuldenökonomie
Ein Radio-Feature von Barbara Eisenmann
hören: http://www.deutschlandfunk.de/wirtschaft-you-are-not-a-loan.1247.de.html?dram:article_id=277504

2014-03-24

Kommentar hinterlassen: