AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Mädchenschule - Grillen in der Turnhalle

SP-38 WHO KILLS MITTE

Am Freitag wurde auf einer Pressekonferenz die künftige kommerziell-kulturelle Nutzung der ehemaligen Mädchenschule, Auguststraße 11-13, vorgestellt und Michael Fuchs präsentiert seinen ersten Untermieter: das Restaurant Grill Royal.
Michael Fuchs, der zusammen mit Michael Haas seit 1996 die Galerie Haas & Fuchs in Charlottenburg betreibt, möchte “die in den vergangenen Jahren als Kunstmeile zunehmend verödete Auguststraße wieder beleben.”
Die WELT: “Eine Kunstmeile in der Krise
… Abgesehen vom Ost-Urgestein Judy Lybke wirken die verbliebenen Galeristen müde, die gezeigte Kunst uninspiriert. Höhepunkt der Bauernfängerei ist bisher der Angeberbau von Thomas Olbrichts “Me Collection”. Immer mehr Galeristen ziehen aus Mitte zurück in den Berliner Westen - nach Charlottenburg oder Schöneberg.

Und weiter: “Die ersten Mieter, die sich an dieser kommerziellen Nutzung beteiligen, sind schon gefunden. Das Team des Berliner Szene-Restaurants Grill Royal wird in das Erdgeschoss ziehen, der Vertrag ist erst am gestrigen Freitag unterzeichnet worden. (…)”Wir haben uns in dieses Gebäude verliebt”, sagt Radczun. Dabei soll das neue Restaurant kein Ableger sein, sondern mit ungewöhnlichen Koch- und Designideen auch ein anderes Publikum ansprechen. “Das Preisniveau wird deutlich unter dem des Grill Royal liegen”, sagt Paul. Neben einer Bar, einem Weinladen und einer Bäckerei soll es auch ein Kochstudio geben, koschere Gerichte inklusive.”

Die TAZ berichtete aus der Pressekonferenz:
“Die Auguststraße ist eine gastronomische Achse. Wir wollten etwas Hochwertiges, keine Allerweltsadresse”, begründete Boris Radczun, einer der Betreiber des Grill Royal, die Entscheidung, sich in der “Mädchenschule” einzumieten. So soll die Auguststraße 11-13 auch in Zukunft heißen.(…)

Und die BZ:
“Aber bei der Bekanntgebungs-Pressekonferenz kamen erstaunlich nörgelig-skeptische Journalistenfragen: „Wird das auch ein Promi-Restaurant, wo Normalbürger in Jeans abgewiesen werden?“ Antwort Landwehr: „Im Grill Royal gibt es keinen Türsteher. Bei uns ist jeder willkommen, egal, wie er aussieht!“ – „Wird der Kunstraum kommerziell?“ Antwort Fuchs: „Ja. Man kann Kunst kaufen und verkaufen. Wir müssen ja unsere Miete bezahlen.“ – „Warum hat man den Mitbewerber, die wichtige Berliner Galerie c/o, so vor den Kopf gestoßen und nicht berücksichtigt?“ Antwort von Dr. Jochen Palenker, Finanzdezernent der Jüdischen Gemeinde (und der hauptverantwortliche Verhandler): „Unsere Gemeinde gibt es seit 340 Jahren in Berlin. Die c/o-Galerie seit etwa zehn. Daran sehen Sie vielleicht, was uns wichtiger ist. Vor allem hat die Galerie keinerlei gesicherte Finanzen vorgewiesen. Die sollen jetzt bitte nicht wie ein beleidigter Liebhaber jammern.“

Ach ja, das c/o

Nachdem C/O im Sommer erfahren hatte, dass sie das Postfuhramt verlassen muss, hatte Galerie-Chef Pott zunächst versucht, das Standortproblem mit einem Neubauprojekt zu lösen. Der Architekt hatte dafür einen Glasbau entworfen, der im Monbijoupark Platz finden sollte.
Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe: “Der gültige Bebauungsplan sieht dort eine Grünfläche vor, und dabei soll es bleiben”. Zudem sei es gefährlich, extra für die Galerie eine Ausnahme zu machen. “Auch andere Interessenten könnten dann einfordern, ebenfalls bauen zu dürfen”, argumentiert Gothe.

Peter von Becker meinte dazu im TAGESSPIEGEL: “Wo jetzt Ödnis herrscht und wo Berlin statt nur einer weiteren Pinkelwiese eine hochattraktive Verbindung zwischen Museumsinsel und Galerieviertel bekommen könnte, müsste mit gemeinsamem Willen auch der bestehende Bebauungsplan zu ändern sein.”

siehe auch: Auguststrasse 11-13

2011-01-09

UPDATE:
“Doch klar ist, dass es sich hier um die Kunstmarkt-Interpretation eines Gentrifizierungs-Plans handelt, der für das Nebeneinander von Wohnen, Handel und Produktion unter einem Dach steht. Stephan Landwehr vom „Grill Royal“, geübt im charmanten PR-Small-Talk, sprang dem Galeristen bei: „Ein offenes Haus soll es werden.“(…)
Für die Auguststraße als Keimzelle der Berliner Kunstszene nach der Wende bleibt derweil zu hoffen, dass die Mädchenschule kein zweiter Aufguss des egomanisch aufgemotzten ME Collector’s Room schräg gegenüber wird.”
schreibt das artnet

2011-01-11

Ein Kommentar zu 'Mädchenschule - Grillen in der Turnhalle'

Kommentare als RSS

  1. battige sagt,

    am 7. Feb. 2012

    bin von 1949 bis 1959 zur schule gegangen vielleicht kann ich die alte schule mal ansehen

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