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Für ein Verbot von gezielter Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen

Rekrutierungsbüro

Rekrutierungsbüro
Bundeswehr Rekrutierungsbüro am Bahnhof Friedrichstraße

Gestern war der ‘Red Hand Day’ gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten.
“Deutschland missachtet nach wie vor die Empfehlungen der Vereinten Nationen, indem es Waffen in Konfliktländer exportiert, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden. Ferner wirbt und rekrutiert die Bundeswehr weiter Minderjährige. Darauf weist das Deutsche Bündnis Kindersoldaten anlässlich des Red Hand Day hin, des Welttags gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar.

Vor fast genau einem Jahr stellte der »UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes« fest, dass Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention und deren sogenanntes „Kindersoldaten-Zusatzprotokoll“ in vielen Punkten nicht einhält. Zentrale Empfehlungen des UN-Ausschusses waren ein gesetzliches Verbot von Waffenexporten in Länder, in denen Kinder als Soldaten eingesetzt werden, ein Verbot von gezielter Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen und das Anheben des Rekrutierungsalters der Bundeswehr auf 18 Jahre.

Stattdessen liefert Deutschland als drittgrößter Waffenexporteur weltweit weiterhin Waffen an Länder wie Indien, Kolumbien, Saudi-Arabien und Pakistan, in denen bewaffnete Konflikte herrschen oder die diese durch Waffenlieferungen unterstützen. Laut aktuellem Bericht des UN-Generalsekretärs rekrutieren bewaffnete Gruppen in Indien, Kolumbien und Pakistan ebenso Kindersoldaten wie islamistische Kämpfer in Syrien, die von Saudi-Arabien mit Waffen beliefert werden. Indien und Saudi-Arabien haben 2013 Tausende moderne deutsche Sturm- und Maschinengewehre importiert. Diese sogenannten Kleinwaffen fordern die meisten Todesopfer unter Zivilisten, insbesondere unter Kindern. Kleinwaffen sind leicht zu bedienen und werden auch von Kindersoldaten eingesetzt, beispielsweise in Indien, wie eine im Dezember 2014 von Partnern von terre des hommes veröffentlichte Studie zeigt. (…)”
http://www.kindersoldaten.info/Aktuelles/Red+Hand+Day+2015.html

Rekrutierungsbüro

Antje Weber von der Kindernothilfe e.V.:

“Allein im Jahr 2013 wurden laut eines Sprechers des Verteidigungsministeriums 1.032 17-Jährige als Soldaten rekrutiert. (…)Die Folgen für die minderjährigen Freiwilligen sind oft verheerend. Vielen von ihnen ist nicht klar, worauf sie sich einlassen. (…)
Das Verhalten Deutschlands wird auch auf internationaler Ebene kritisch gesehen. So hat der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes die Bundesregierung im Februar 2014 zum Abschluss des deutschen Staatenberichtsverfahrens aufgefordert, die Altersgrenze für die Rekrutierung von Soldaten auf 18 Jahre anzuheben. (…)
Um das Nachwuchsproblem nach dem Ende der Wehrpflicht zu lösen, wirbt die Bundeswehr offensiv auch an Schulen und bei Großveranstaltungen mit vorrangig jugendlichem Publikum um Nachwuchs.
Der Jahresbericht der Jugendoffiziere 2013 macht deutlich, dass
• über 6.000 Jugendoffizierseinsätze mit über 150.000 TeilnehmerInnen stattfanden;
• die Jugendoffiziere 2013 3.260 Vorträge hielten und damit knapp 90.000 TeilnehmerInnen erreichten.(…)

Die in der Werbung verwendeten Bilder zeigen Sommer, Sonne, Strand und Meer und haben mit der Realität von Militäreinsätzen nichts zu tun. Die im Kriegsgebiet drohenden Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden in der Kampagne nicht angesprochen. Derart einseitige und realitätsferne Militärwerbung bei Minderjährigen ist nicht nur ethisch fragwürdig – sie ist auch nicht mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention vereinbar.
Dies machte auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes im Februar 2014 zum Abschluss des deutschen Staatenberichtsverfahrens deutlich. Das international besetzte Expertengremium fordert die Bundesregierung auf, „alle Formen von Werbekampagnen für die deutschen Streitkräfte, die auf Kinder abzielen zu verbieten“.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert daher an Schulen und in anderen Bereichen eine ausgewogene Beschäftigung mit der Thematik „Krieg und Frieden“. Friedenserziehung sollte einen festen Platz in den Curricula und bei der Lehrerausbildung haben.”

2015-02-13

4 Kommentare zu 'Für ein Verbot von gezielter Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen'

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  1. DerEgon sagt,

    am 18. Feb. 2015

    Ich bin fassungslos. Konsterniert. Entsetzt.

    Mit 17 zum Kriegsdienst? Das soll legal sein? Hier, in Deutschland?

    Meine Fresse. Das Mindestalter muss auf 21 hochgesetzt werden, und Reklame vor unter-21-jährigen unter maximale Strafe gestellt werden.

    Echt jetzt? Ab 17? Das ist … das ist so Aufgebot 3 des Volkssturms … Ich könnte kotzen.

  2. Bertram sagt,

    am 18. Feb. 2015

    Mindestalter hoch auf 70, also nur noch für die geistig ganz Senilen.

  3. Thomas Frank sagt,

    am 19. Feb. 2015

    Jedes Unternehmen darf für sich werben! Warum dann nicht die Bundeswehr? Es gibt halt auch junge Menschen, die sich eher für technische Dinge als für soziale und kirchliche Dinge interessieren!

  4. gnaddrig sagt,

    am 20. Feb. 2015

    @ Thomas Frank: Wer sich für technische Dinge interessiert, kann zum Technischen Hilfswerk oder zur Feuerwehr. Bei der Bundeswehr haben Minderährige nichts verloren.

    Überhaupt finde ich “Interesse für technische Dinge” als Begründung für eine Karriere bei der Bundeswehr unpassend. Die Bundeswehr ist eine Armee, da geht es letztlich um das Töten von Menschen. Das sollte man zunindest erwähnen und es nicht unter Euphemismen wie “Umgang mit technischem Gerät” verstecken.

    Außerdem ist die Bundeswehr kein Unternehmen. Dass sie trotzdem für sich werben darf und muss, ist ok. Aber etwas mehr Realitätsbezug als diese Mischung aus Marlboro- und Beck’s-Werbung sollte dann schon drin sein.

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