AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Die Unterdrückung der Demokraten 1848

“Der größte Mangel der Märzrevolution ist, daß sie
die Berliner nicht revolutioniert hat”.
Friedrich Engels

Bekanntmachung 1848

Die Ereignisse in Berlin sind nicht die erste und auch nicht die letzte, nicht die größte und auch nicht erfolgreichste Aktion in der großen Welle revolutionärer Erhebungen, die 1848/ 1849 nahezu alle europäischen Länder und Völker erfaßt. Dennoch sind sie für die gesamte Revolution und den weiteren Verlauf der Geschichte von entscheidender Bedeutung.

2008-12-05
Und obwohl nur ein Glied in der europäischen Revolution und von dieser vielfach beeinflußt, liegen ihre Ursachen und auch ihr Anlaß in der borniert-reaktionären Politik des Königs samt der ihn umgebenden herrschenden Adelsklasse, die die Revolution unaufhaltsam heranreifen läßt und auch unmittelbar auslöst.(…)

Die Berliner Volksmassen, die Arbeiter und Arbeitslosen, Handwerker, Gesellen, Studenten und demokratischen Intellektuellen, begrüßen die revolutionären Ereignisse uneingeschränkt. Sie fassen sie als Ermunterung auf, Forderungen, wie sie in Paris. Mannheim, im Fürstentum Nassau, in Leipzig oder Wien erhoben werden, auch zu stellen.(…)

Charakteristisch für die Haltung der liberalen Bourgeoisie ist ein in der »Vossischen Zeitung« an »unsere wackeren Arbeiter und Handwerker« gerichteter Artikel, in dem es u. a. heißt: »Euer Beruf ist oft ein schwerer, das Leben stellt Euch keine leichte Aufgabe. Aber noch viel schwerer ist die Aufgabe zu lösen, allen Übeln zu wehren, die Euch bedrängen. Laßt Euch nicht täuschen!
… Was Sonnenschein und befruchtender Regen für die Ernte des Feldes. das ist Ordnung und Friede für die Ernte der Arbeit. Der Aufstand aber ist Hagelschlag, der vernichtet. Darum und immer wieder: Laßt Euch nicht täuschen! «
(…)

Entsprechend dem vom König bestätigten Geheimplan für einen konterrevolutionären Staatsstreich wird die Revolution schrittweise, aber endgültig niedergeschlagen. Am 21. September löst das reine Adels und Beamtenkabinett des Generals Ernst Heinrich Adolf von Pfuel die halbliberale Regierung Auerswald ab. Der stockreaktionäre General Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel erhält den Oberbefehl in den Marken und beginnt sofort, über 50 000 Soldaten rings um Berlin zu konzentrieren. Am 16. Oktober erschießt die Bürgerwehr auf dem Köpenicker Feld und in den Straßen um den Michaelkirchplatz in der ersten direkten bewaffneten Konfrontation zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse zehn Berliner Arbeiter-
Anfang November übernimmt Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg die Regierungsgeschäfte und vollendet das Werk der Konterrevolution.Am 9. November teilt er der pr. Nationalversammlung mit, daß sie nicht länger in Berlin tagen könne. Statt sich auf die zu ihrer Verteidigung kampfbereiten Arbeiter, Handwerker und Kleinbürger zu stützen, zieht diese wochenlang von einem Sitzungsgebäude ins andere, um schließlich vom 27. November bis zu ihrer Auflösung durch den König. am 5. Dezember im 60 km von B. entfernten Brandenburg zu tagen. Am 10. November marschiert Wrangel mit 40000 Soldaten in Berlin ein.(…)

9. November Das Berliner Bezirkskomitee übermittelt in seinem eigenen Namen und dem von 29 Gewerken den Abgeordneten der Konstituierenden Versammlung eine Adresse, in der diesen die volle Unterstützung für ihren Kampf gegen den konterrevolutionären Staatsstreich des Hofes und des Militärs versichert wird: »Die. Arbeiter Berlins sind bereit und gerüstet, Eurem Rufe Folge zu leisten. wenn man es wagen sollte, die Rechte des Volkes in ihren Vertretern zu verletzen.« Die Abgeordneten proklamieren jedoch den ‘passiven Widerstand’«(…)

Wrangel entwaffnet am 11. November die Berliner Bürgerwehr und verhängt einen Tag später den Belagerungszustand über die Stadt. Alle politischen Klubs, Vereine, z. T. auch Zeitungen werden verboten, das Versammlungsrecht wird aufgehoben, die Zensur wieder eingeführt, alle Wirtshäuser werden um 22 Uhr geschlossen, Fremde aus der Stadt ausgewiesen, und unbefugtes Waffentragen wird streng bestraft. Diese Maßnahmen sind begleitet von einer Verhaftungswelle, die nur infolge von Überfüllung der Gefängnisse ihre Begrenzung findet. 80 000 Soldaten mit 170 Kanonen stehen bereit, um bei Zuwiderhandlungen gegen die Berliner vorzugehen. Am 5.Dezember wird dann der Staatsstreich mit der Auflösung der preusischen Nationalversammlung und der Verkündung einer scheinliberalen Verfassung vollendet.

Aus: R.Bauer, Berlin: illustrierte Chronik bis 1870, Dietz Verlag, 1988

siehe auch: 1848 - Barrikadenkämpfe in Berlin

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