AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Die Stadt und das Auto

Spandauer Vorstadt Poller

“Indivdualverkehr heißt auch: individuelles Abstellen von PKW mit bis 8 bis 10 Quadratmetern Grundfläche.
Wieso soll ein privater Pkw-Eigentümer das Recht haben, sein Auto auf öffentlichen Grund zu lagern? Wenn es um einen Container für Bauschutt für den Umbau eines privaten Hauses handelt dann braucht man eine individuelle, zeitlich begrenzte und gebührenpflichtige Genehmigung.
Wenn es sich um eine sagen wir Sandkiste für Kinder auf öffentlichen Grund handelt, wäre es überhaupt verboten, auch wenn man verspräche, sie nachts wegzuräumen.
Das Auto darf aber Wochenlang auf der Straße stehen … ” (1)

Spandauer Vorstadt Poller

“Grob überschlagen bedecken die knapp 1,2 Millionen Berliner Pkw jetzt einen Quadratkilometer mehr als zur Wendezeit - mehr als die Fläche des Britzer Gartens. Obwohl sowohl die Zahl der Berliner Pkw als auch die Gesamtzahl der Fahrzeuge, nach einem sprunghaften Anstieg nach der Wende, in den vergangenen Jahren leicht rückläufig waren: Nie war mehr Blech in der Stadt.
Die Autos werden größer: so ist der aktuelle VW Golf 18 Zentimeter breiter und 55 Zentimeter länger als der erste von 1974. Das erklärt sowohl die Enge auf den Straßen als auch die Parkplatznot. Selbst wer irgendwann eine Klasse abgestiegen ist zum Polo, fährt jetzt ein größeres Auto als damals mit dem alten Golf. Das Phänomen gilt für fast alle Hersteller und Modelle.
Der Unterschied fällt erst beim Betrachten ganz alter Fotos auf: Wo in den 1960ern der Blick auf Parterre und spielende Kinder frei war, wird er jetzt von Autos (Höher geworden sind sie auch!) und Lieferwagen verdeckt.

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Der Bezirk Mitte hat auf Weisung des Senats Halteverbote in der Spandauer Vorstadt nördlich des Hackeschen Marktes, etwa in Mulack-, Rücker- und Gormannstraße eingerichtet, weil die zugeparkten Straßen zu eng für Feuerwehr und Müllabfuhr geworden waren.

“Die breiter gewordenen Autos sind ein Problem”, bestätigt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) und schließt die rhetorische Frage an, “ob man Geländewagen in der Spandauer Vorstadt überhaupt braucht.” Zumal die Zweitonner auch Trottoirs ruinieren, weshalb die Alternative, halbseitiges Gehwegparken, nicht infrage kam. Zudem ist der Platz für Fußgänger knapp.
Aktuell weist das Statistikamt 96 Quadratkilometer “bebaut versiegelte Fläche” auf - bei 3,5 Millionen Einwohnern. Die “unbebaut versiegelten Flächen” sind mehr als doppelt so groß, wobei allein die Fläche der Straßen fast so groß ist wie die, auf der Gebäude stehen.” (2)

Quellen:

(1) Sven Bardua, Gert Köhler, Die Stadt und das Auto, Hamburg 2012
(2) http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtentwicklung-der-kampf-um-den-platz-ist-alt-/7348518-2.html

2012-11-21

Ein Kommentar zu 'Die Stadt und das Auto'

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  1. CARambolagen sagt,

    am 22. Nov. 2012

    Vielen Dank für diesen Artikel. Solidarische Grüße von CARambolagen. Wir bitten auch auf die Aktion “Echte Spielstraßen Jetzt!” des Bündnisses “NUr Zu Berlin!” hinzuweisen: http://www.nurzu-berlin.de/html/spielstrassen.html

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