AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Die Neuordnung der Innenstadt - Stellt euch der Räumung in den Weg

Schokoladen

Der Schokoladen, einer der letzten nicht-kommerziellen Kulturorte in (Alt-)Mitte, soll am 22.2.2012 geräumt werden
“Leider erweisen sich die Versprechungen der Politik, den Schokoladen retten zu wollen, als leere Worthülsen. Eigentum geht in diesem Staat vor Allgemeinwohl.” http://www.schokoladen-mitte.de/

Schokoladen

Die Autoren und Autorinnen der Berliner Lesebühnen schrieben:

“Seit 1989 sind in Berlin Dutzende von Lesebühnen entstanden: Ensembles von Autorinnen und Autoren, die in Kneipen und Clubs ihre neuen Geschichten vorlesen.
Berlin schmückt sich gern mit diesen Veranstaltungen, die jedes Jahr von Tausenden von Berlinern und Touristen besucht werden und die inzwischen etliche namhafte Kabarettisten und Schriftsteller hervorgebracht haben.
Leider interessiert sich die Berliner Politik nicht dafür, was für die Entstehung einer solchen lebendigen Szene notwendig ist: Cafés, in denen die Getränkepreise so niedrig sein können wie der Eintritt. Kneipen, in denen Künstlerinnen und Künstler einfach etwas ausprobieren können, ohne dass es Geld abwerfen muss. Clubs, deren Betreiber sich nicht ständig sorgen müssen, wie sie die grotesken Renditen für die Hausbesitzer erwirtschaften können.
Nun soll auch der Schokoladen schließen und von der Polizei geräumt werden. (..)
Die östliche Innenstadt nähert sich einem Zustand der Stagnation.
Wir können an dieser Stelle nicht ausführlich auf den Prozess der Gentrifizierung eingehen, den wir ohne es zu wollen selbst mit angestoßen haben. Dazu haben sich andere bereits fundierter geäußert, als wir es könnten. Doch wir sehen mit Wut, wie das allgemeine und für alle Bevölkerungsschichten geltende “Recht auf Stadt” immer mehr zum Privileg der Gut- und Besser- und Bestverdiener zu werden droht.

Die Berliner Lesebühnen und ihre Freunde beteiligen sich an den Aktionen zur Rettung des Schokoladens. Und wir bitten alle, die uns kennen, uns dabei zu unterstützen.

-> Kommt zur Demo gegen die Räumung des Schokoladens:
Dienstag 21. Februar, 17.30 Uhr
Klub der Republik, Pappelallee 81
(U-Bhf. Eberswalder Str.)

-> Stellt euch der Räumung in den Weg:
Mittwoch 22. Februar, 8 Uhr
Schokoladen, Ackerstrasse 169
(U-Bhf. Rosenthaler Platz).”

 Schokoladen

Schokoladen

2012-02-16

UPDATE:

Die Schokoladen-Räumung ist bis Ende März ausgesetzt. Bis Ende März wurde eine „Friedenspflicht“ vereinbart, in der nicht geräumt werden solle. Bis dahin sollen „alle störenden Aktivitäten“ unterlassen werden, sagte Gothe (SPD), Staatssekretär für Stadtentwicklung. In den kommenden Tagen soll mit der Schweizer Stiftung Edith Maryon, die das Schokoladen-Grundstück erwerben will, ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Im Gegenzug erhält Markus Friedrich (Eigentümer der Ackerstraße 169) vom Land Berlin ein Ersatzgrundstück.

“Es reicht uns nicht, als Offkultur-Oase Hoffnung auf Überleben zu haben und wir wollen auch keine Insel inmitten einer durchgentrifizierten Stadt sein, sondern fordern ein grundsätzliches Umdenken der stadtpolitischen Zielsetzung. Gegen steigende Mieten, gegen Verdrängung, gegen Clubsterben, gegen kommerzielle Verwertung – für ein Recht auf Stadt für alle !”
http://www.polnischeversager.de/index.php/2012/02/rettung-in-sicht/

2012-02-17

3 Kommentare zu 'Die Neuordnung der Innenstadt - Stellt euch der Räumung in den Weg'

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  1. marc sagt,

    am 17. Feb. 2012

    https://twitter.com/#!/DJ_reporter/status/170447648329961472

  2. Lothar sagt,

    am 19. Feb. 2012

    Ich finde es ja auch schön, dass Schokoladen weiter besteht. Man sollte allerdings den darin wohnenden Widerspruch nicht übersehen: Die Hausbesetzerbewegung nach dem Mauerfall stand für Aufbruch, für das Betreten von Neuland. Das verbissene Festhalten von Vorhandenem läuft diesem Ansatz völlig entgegen. Der Erhalt von Schokoladen (etc etc) steht auf auch für das Zementieren von vorhandenen Strukturen, für Erstarrung und für das Festhalten an Bekanntem und Bewährtem (für die “Szene”. Erneuerung, Innovation ist was Anderes. In allen wirklichen Metropolen (von New York bis London) laufen Gentrification- und Verdrängungs- und Erneuerung-Prozesse seit Jahrzehnten immer wieder aufs neue. Aus dem sich neu Erfinden müssen/wollen erwächst eben auch Kreativität. In Berlin ist “die Szene” leider zum Teil sehr konservativ (Freiberger Stadtväter würden sich freuen) und will sehr stark bewahren.

  3. Renz sagt,

    am 19. Feb. 2012

    Ich freue mich für den Schokoladen. Aber die Rettung ist eine streng symbolische Handlung. Der Kampf für eine für alle lebenswerte Mitte ist spätestens so seit 2006 verloren. Die Ackerstraße 169 ist kein Freiraum, wie immer wieder behauptet wird. Es ist dann ja doch eine Riege, ein Lifestyle, der dort das Sagen hat bzw. haben wird. Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Der Schokoladen ist wirklich ein toller Ort an dem spannende Konzerte usw. stattfinden. Aber die Strukturen des Projekts sind eher nicht frei verhandelbar. Schon jetzt ist der Schokoladen ein Ort an dem sich (seit all die WGs nach Neukölln verlagert wurden) vor allem das globale Arty-Jungvolk aufhält und sinnfreies á la “Berlin is so great; like NY in the 80ies…” labert.
    Es wird werden wie beim Tacheles: Abgehalfterte Tourguides halten auf dem Bürgersteig Kurzreferate über die Nachwendezeit und wie das damals alles war bei der “Rettung” des Schokoladens… Deshalb muss man Lothar Recht geben und sagen: Willkommen im Museum.
    Souveräner und selbstbestimmter wäre die ständige Suche nach dem Anderswo. In Mitte wird man es nicht mehr finden, was allerdings mit der Mieterstruktur und den vereigentumten Wohnungen zu tun hat. Deshalb ist der Schokoladen ein symbolischer und kein lebendiger Ort für die Zukunft. Trotzdem: Schön das der Ort erhalten bleibt.

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