AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Der neue Berliner Senat

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Selten wurde nach Bekanntgabe einer Personalie für einen Staatssekräter Posten von konservativer Seite so panisch reagiert, wie nach der Designierung Berufung des Sozialwissenschaftler Andrej Holm zum Staatssekretär für Wohnen.

Aufgehängt wurde die Kampagne an Stasi-Vorwürfen, weil Holm seinen Grundwehrdienst im September 1989 beim Stasi-Wachregiment “Feliks Dzierzynski” angetreten hat. Daraus wurde dann in den Medien eine “Stasi-Vergangenheit”.

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Aber eigentlich weil unterstellt wird, der neue Staatssekretär “im Zweifel stets mehr Sympathien für Brandstifter aus dem linken Kiez hatte als für Investoren” (Welt) und die Verstaatlichung/Vergesellschaftung von Wohnhäusern bevorstehe.

Was sagt Holm selber zur zukünftigen Politik:

taz: Herr Holm, sie gelten als der Experte für Gentrifizierung schlechthin. Man könnte sagen, ohne Sie würde den Begriff in Deutschland kaum jemand kennen. Jetzt sollen Sie unter Rot-Rot-Grün Staatssekretär für Wohnen werden. Kommt damit die Wohnungsmarkt-Revolution?

Andrej Holm: Na, das wäre schön. Die ist ja dringend notwendig, weil wir in der Stadt mit Problemen der Verdrängung und Mangel an preiswerten Wohnungen zu tun haben. Das wird schon seit Jahren von Initiativen und kritischer Forschung angemahnt. Auf der anderen Seite ist klar, dass, nur weil jetzt Posten neu verteilt werden, sich nicht automatisch die Politik verändern wird. Das wird eine gemeinsame Aufgabe für die Koalition. Vor allem aber wird die Stadtgesellschaft gefordert sein, auch weiterhin ihre Vorstellung von einer anderen Stadt auf die Straße – und an die Regierung und Verwaltung heran – zu tragen.

taz: Bezahlbarer Wohnraum war eines der zentralen Themen im Wahlkampf, „Wohnen ist für uns ein Grundrecht“ heißt es im neuen Koalitionsvertrag. Was sind die zentralen Probleme?

Andrej Holm: Wir haben zu wenig Wohnraum für die wachsende Bevölkerung und zu wenige leistbare Wohnungen für die große Gruppe von Haushalten, die unterdurchschnittliche Einkommen haben. Außerdem haben wir zu wenig Belegungsbindung, um Gruppen, die etwa von Diskriminierung betroffen sind, besser und jenseits einer Marktlogik mit Wohnungen zu versorgen. Davon leiten sich im Prinzip alle Aufgaben ab, vor denen wir in den nächsten Jahren stehen.
http://www.taz.de/!5361841/

2016-12-13

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