AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Das DEMOKRATISCHE NICHTS: Baubeginn Auguststraße 68

Die Spandauer Vorstadt ist die “Altstadt Berlins”
und als Flächendenkmal zu schützen sowie
entsprechend weiterzuentwickeln.
(aus: Sanierungsziele für die Spandauer Vorstadt)

Auguststrasse Blick nach Westen

Der einzige “Standortfaktor” den Berlin glaubt noch zu haben - Kunst und Kultur - wird mit Hilfe seiner Lobbyisten, von den Kulturvereinen und anderen Kulturbeflissenen angefangen bis zum Berliner Senat, gegen Anwohnerinteressen und -Beiräte und anderen Stimmen rigeros durchgesetzt.
Dabei geht es um eine Immobilie, die einmal gebaut, wie schon des öfteren mal schnell wieder verkauft werden kann.

Und dafür ändert man kurzfistig die Sanierungsziele in der Spandauer Vorstadt, die über ein Jahrzehnt Bestand haben. Für andere Grundstückseigentümer wird hier ein Präzedenzfall geschaffen …

2007-06-24

stadt.plan.mitte, Nr.50, Juni 2007, Seite 3

August 68: Anwohnerproteste gegen Neubaupläne

Gegen das Vorhaben des Kunstsammlers Thomas Olbricht, in der Auguststraße 68 direkt neben den KunstWerken ein massives Gebäude zu errichten, um dort eine Privatgalerie für Teile seiner Sammlung unterzubringen, regt sich zunehmend öffentlicher Protest. Inzwischen gibt es Unterschriftenlisten von Anwohnern, die die Planungen ablehnen. Und auch die Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt votierte nach intensiver Diskussion mehrheitlich gegen das Vorhaben in dieser Form (siehe Dokumentationen unten).
Die Sanierungsziele des Bezirks sahen an dieser Stelle eigentlich ein Gebäude mit 80% Wohnanteil vor - darüber hatte der Bezirk im Zuge eines Grundstücksverkaufs sogar einen städtebaulichen Vertrag mit dem damaligen Erwerber abgeschlossen. Doch der verkaufte das Grundstück anschließend weiter- und nun plant Olbricht dort ein Gebäude von erheblicher Baumasse, das mit dem damals geschlossenen Vertrag nichts mehr zu tun hat und ursprünglich sogar ausschließlich seine Sammlung beherbergen sollte. Dagegen gab es erhebliche Einwände: Die Planungen konterkarierten die Sanierungsziele des Bezirks und waren auch baurechtlich nicht genehmigungsfähig. Inzwischen wurden die Pläne etwas modifiziert: Nun soll ein Drittel des Gebäudes (1200 qm) Teile von Olbrichts Sammlung beherbergen, auf weiteren 2100 qm sollen Wohnungen entstehen. Sozialer Wohnungsbau dürfte dabei nicht zu erwarten sein. Nichts geändert hat sich freilich an der für diesen Ort extremen Baumasse und der städtebaulichen Gestalt-das Grundstück soll vollständig überbaut werden. Und auch die Nutzung steht in der Kritik: Mit dem Begriff »Kunsthalle« wird suggeriert, es gehe um eine öffentliche kulturelle Einrichtung. Tatsächlich aber handelt es sich schlicht um eine private Galerie des Investors -wenn auch im großen Maßstab.
Vor allem aber steht das praktizierte Verfahren in der Kritik. Obwohl die Sanierungsbeteiligten und die beteiligten Fachverwaltungen erhebliche Einwände geäußert haben, weil das Vorhaben nicht den vereinbarten Sanierungszielen für diesen Ort entspricht und hier ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte, auf den sich andere Eigentümer berufen, unterstützen Bezirks- und Senatspolitiker Olbrichts Pläne - angeblich auch der Regierende Bürgermeister. Für solche Konflikte hat die Politik ein probates Mittel entdeckt: man ändert einfach die Sanierungsziele. Weil das eine gravierende Entscheidung ist, muss die Bezirksverordnetenversammlung (BW) darüber entscheiden und dabei Voten und Stellungnahmen der Sanierungsbeteiligten berücksichtigen - so war das Verfahren in solchen Fällen jedenfalls ursprünglich vereinbart. Trotz des Votums der BV gegen das Vorhaben hat die BW nun die Änderung der Sanierungsziele beschlossen.

Ulrike Steglich

Stellungnahme der Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt
Die Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt lehnt die vorliegende Planung (Stand Projekt 8. 12.2006) ab.
In diesem Zusammenhang möchten wir auf das Votum des Sanierungsbeirats vom 16. Januar 2006 verweisen, das die Betroffenenvertretung mitgetragen hat und in der es u.a. heißt: »… Auch wenn das Projekt als Erweiterung der Berliner Kulturlandschaft und als Ergänzung zu den benachbarten KunstWerken in der Auguststraße 69 im Grundsatz zu begrüßen ist lehnen wir es in der vorliegenden Version ab. Das Bauvorhaben sollte sich in die Struktur der Spandauer Vorstadt einfügen … « Gerade letzte Prämisse sieht die Mehrheit der Betroffenenvertretung aber- auch nach geringfügiger Überarbeitung der damals vorgelegten Pläne und der Veränderung in Bezug auf den Wohnanteil -weiterhin nicht erfüllt. Art und Maß der Bebauung widersprechen den grundstücksbezogenen konkreten Sanierungszielen nach Rahmenplan.
Wir kritisieren erneut eine zu hohe, 100%ige Überbauung des Grundstücks bzw. eine Hofüberbauung. Die typische Bebauungsfigur für die Spandauer Vorstadt mit der Bildung eines Hofes durch Vorderhaus, Seitenflügel und Quergebäude (oder Gartenhaus) wird hier negiert und stellt damit evtl. einen Präzedenzfall für weitere Bauprojekte dar.
Wir bitten Sie, das Vorhaben entspreche o.g. Einwände, insbesondere im Hinblick der Einbindung in die vorhandene Stadtstruktur, grundlegend zu überarbeiten. (…)

aus: stadt.plan.mitte, Nr.50, Juni 2007

siehe auch: Petition

5 Kommentare zu 'Das DEMOKRATISCHE NICHTS: Baubeginn Auguststraße 68'

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  1. lothar sagt,

    am 15. Jul. 2007

    Was für eine enttäuschende Position. Hier versuchen priviligiert Wohnende ihre Privilegien zu verteidigen. Wir sind drin. Die anderen sollen ab jetzt draussen bleiben. Wir wollen es ab jetzt zemmentiert haben, weil es uns jetzt so gefällt. So funktioniert Stadt nicht. Auch die, die sich da jetzt lauthals und selbstgerecht zu wehren versuchen, haben andere vor ihnen verdrängt. Hausbesetzer, DDR-Bewohner etc. Die Gentrification ist längst im Gang. Warum soll sie jetzt stoppen? Sozialer Wohnungsbau in so einem Umfeld? Wer bitte, soll das bezahlen. Die anderen natürlich, habe ich vergessen. In Paris oder London würden einem solche Positionen nicht im Traum einfallen. Abgesehen davon braucht Berlin nach wie vor jeden Investor und jeder bisschen Entwicklung und jedes Stück Rückverdichtung sicher dringendes als Ihr Baumassenangt. Gerade für die sozial Schwächerin muss es wirtschaftlich den Anschluss finden an den Rest der Republik. Mit Leuten, die Investieren, zB Bauen, und nicht mit Leuten, die Kirchturmpoltikdenke propagieren. Grüsse Lothar Eckstein

  2. Agitarius sagt,

    am 25. Aug. 2007

    Investor, Entwicklung, bla.

    Ich mache mir schon lange keine Illusionen mehr, daß mir die sechs- und siebenstelligen Spielereien bevorzugter Bevölkerungsgruppen irgendwas bringen.

    Ihr wißt schon ganz lange überhaupt gar nichts mehr von sozial Schwächeren.

    Und weil dieser Buch, dieser Graben Fakt ist, nehme ich mir auch raus, es total besch* zu finden, wenn Edelerben für gekonntes Zahlenwälzen und lockeres Vermögensverwalterbuchen mehr Kohle bekommen als ich mit zwei ehrlichen Händen jemals zugestanden bekomme. Und ebenso finde ich dann das zum Kotzen, was sie damit an Elitekunst treiben, erst recht wenn sie dafür Strukturen nutzen die der nicht in die Schweiz abwandernde Steuerzahler, also ich, kräftig zu subventionieren hat (Stichwort Sanierungsgebiet), bevor man die entsprechenden Spielregeln (wieder Stichwort Sanierungsgebiet) ganz nebenbei aushebelt, sobald es einem nicht mehr in den Kram passt.

    Macht Eure Sch*spielchen mit Eurer Hure Geld irgendwo anders und gefälligst auf eigene Kappe. Wir können uns sowas wie Euch nicht mehr leisten.

  3. Lothar Eckstein sagt,

    am 4. Mrz. 2008

    Lieber Agitarius, Sie haben nicht mal begirffen, dass die Leute, die Sie als “Ihr” bezeichnen, den Leuten die Sie “Wir” nennen, den Hintern finanzieren. 20% der Bevölkerung zahlen hierzulande, je nachdem wie man es misst, 60-80% der Steuern. Wenn sie auch nur die Hälfte von diesen 20% zum Teufel wünschen, wie Sie es ja offenbar tun, sollten Sie sich auch überlegen, wer dann dem Rest des Landes Hartz4, die Rente und die Krankenkasse finanziert. Leute wie Sie tun es nämlich nicht, würde ich mal vermuten. Leute wie Sie plärren dann nur, wenn die Realrente sinkt und Praxigebühren eingeführt werden.

    Davon abgesehen sind Sie nicht auf ein einziges meiner Argumente eingegangen. Würde mich gerne von Ihnen inhaltlich widerlegen lassen. Dann lerne ich ja vielleicht was dazu. Aber Polemik und Billigideologie auf Aldi-Niveau beeindrucken nicht besonders.

  4. liesel sagt,

    am 15. Feb. 2010

    ich finde die einträge hier spät vor. egal. herr lothar ist dann eben niveau karstadt, uuh. herr lothar, sie haben gar nicht begriffen, dass es hier ein paar leuten um was gaaaanz anderes geht. das is nich zu bezahlen, herr lothar, aber wer nur in prozenten zu rechnen vermag, ist da sprachlich schwer zu erreichen. sie klingen wie mit einem chip geimpft, der sie reden gepellt aus einem vergoldeten ei halten läßt. ganz ehrlich, finden sie sich nicht langweilig?
    die dumme liesel mit leere taschen, überwalzt vom palaste olbrichts, aber niemals ganz

  5. john dorian sagt,

    am 15. Apr. 2010

    der sogenannte kunstbunker ist einfach nur überdimensioniert,hässlich und unnötig.
    er erschlägt die ganze strasse. man sieht wieder mal wie das grosse geld die welt regiert.da baut sich jemand mit viel kohle so ein monstrum hin und dann werden die üblichen luxuswohnungen reingeballert.
    ich hab 10 jahre in mitte gearbeitet,was da so passiert ist , ist unerträglich.
    es fehlt nur noch das clärchens ballhaus abgerissen wird.
    die ganzen reichen leute ziehen ja deswegen in die gegend, aber dann wollen sie ihre ruhe haben in ihrer schönen neuen welt.
    siehe kreuzberg,friedrichshain.

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