Das Tachelesgebäude ist wieder zugänglich
Am Donnerstag betraten Polizeibeamte und private Sicherheitsleute das Tachelesgebäude in der Oranienburger Straße in Mitte und sperrten es ab. “Es gab einen Räumungsversuch des Gerichtsvollziehers. Drei Räume wurden in Beschlag genommen”, so Gerichts-Sprecher Ulrich Wimmer zur B.Z.. Seitdem versperren die Polizisten den Zugang. Die Aktion fand im Auftrag der Anwaltskanzlei Schwemer, Titz & Tötter statt, die das Tacheles zwangsverwaltet. (B.Z.)


Wieso schützte die Berliner Polizei einen privaten Sicherheitsdienst bei diesen unrechtmäßigen Räumungsversuch des Tacheles?

Der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Berlin fordert den Senat zum Kauf des Tacheles-Grundstücks auf: “Damit könnte Berlin Infrastruktur für Kunst und Kultur sichern, sagte der BBK-Vorsitzende Herbert Mondry am Freitag.
Dem Kunsthaus Tacheles in Mitte droht die Zwangsräumung. Bilder von uniformierten Sicherheitsleuten, die Künstler in den Schwitzkasten nähmen, und Absperrgitter am Tacheles würden dem Ruf Berlins schaden, fügte Mondry hinzu.
Die Politik müsse diese “unwürdigen Vorgänge” im Tacheles stoppen. Wirtschaftlicher Schaden sei den Eigentümern des Grundstücks - den Landesbanken Hamburg und Schleswig-Holstein - tatsächlich entstanden, aber nicht durch die Künstler, sondern durch Immobilienspekulanten” sagte der Verbandschef. (Pressemitteilung des bbk berlin)
Gestern hatte der Tacheles e.V. eine einstweilige Verfügung gegen diesen Räumungsversuch erwirkt. Seit kurzen ist das Tachelesgebäude wieder zugänglich und der mit Handschellen und Pfefferspray ausgestattete “Sicherheitsdienst” mußte abziehen …
siehe auch: Tacheles kontra BMW-Guggenheim-Lab?
2012-03-24
Über den Tellerrand: BMW Guggenheim Lab in Kreuzberg

gesehen in der Auguststrasse
Nach den Protesten von Anwohnern in Kreuzberg haben die Initiatoren des “BMW Guggenheim Lab” den Plan aufgegeben, ihre “Denkfabrik zur Zukunft der Städte” auf der Freifläche Schlesische Strasse/Ecke Cuvrystrasse zu errichten.
“Das BMW Guggenheim Lab will ein Forum sein für die Diskussion der Chancen und Probleme künftiger Stadtentwicklungsfragen auch vor dem Hintergrund von Erscheinungen wie der sogenannten Gentrifizierung.”
http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/20120320.1130.367681.html
»Schade, dass sich einige Künstler, Architekten und Stadtplaner nicht zu schade waren, diese Werbekampagne gegen entsprechende Besoldung mitzutragen. “Mit der Experiential Branding-Strategie, und ganz konkret mit dem BMW Guggenheim Lab, möchten wir jene ansprechen, die heute vielleicht noch keine besondere Affinität zur Marke BMW haben - möglicherweise dem Auto sogar ambivalent gegenüber stehen…”, so die Autoschmiede. Deutlicher geht es kaum.»
http://www.klimaretter.info/wohnen/hintergrund/10776-bmw-guggenheim-und-hacks-kamm
Die erste Station des Labs war New York – und auch dort gab es heftige Proteste.

Protest gegen das Lab in NewYorck: Gentrification Is Class War - Fight Back!
siehe auch:
“BMW Guggenheim Lab” unerwünscht
In Berlin regt sich Widerstand gegen das durch den Autokonzern gesponserte Kulturlabor.
www.taz.de/Protest-in-Kreuzberg

gesehen in der Linienstrasse
mehr Informationen:
http://bmwlabverhindern.blogsport.de/hintergrund/
2012-03-20
Veranstaltungsreihe Freigeist und Widerstand
mit Hellmut G. Haasis. Der in Reutlingen am Fuße der Schwäbischen Alb lebende Schriftsteller, Mundartdichter, und Musikclown ist in der Stadt:
Die “Spuren der Besiegten” verfolgt Haasis engagiert. Ein zeitkritischer Chronist, Erzähler und Analyst der Zeitgeschichte.
“Aus seinem Lebenswerk schöpfend präsentieren wir mehrere Veranstaltungen mit Hellmut G. Haasis und feiern so mit ihm seinen siebstigsten Geburtstag.”
http://rabensoft.net/Haasis.pdf

1) Do 15.3.
Buch Präsentation :
DEN HITLER JAG ICH IN DIE LUFT
Der Attentäter Georg Elser, Biografie
Ein schwäbischer Schreiner verübte am 8.November 1939 einen
Bombenanschlag auf Adolf Hitler, doch der überlebte. Georg Elser hat als
einer der ersten aus seiner Erkenntnis, in welche Katastrophe Hitlers
Politik führen wird, seine Konsequenz gezogen. In dreißig Nächten
installierte er im Pfeiler hinter dem Rednerpult eine Bombe. Doch kurz
bevor sie explodierte, hatte Hitler, früher als sonst, den
Bürgerbräukeller verlassen.
“Ich hab es schon länger aufgegeben, bei solchen Vorträgen vorzulesen”,
gesteht Haasis. Stattdessen erzählt er mit viel schauspielerischem
Talent über und aus dem Leben eines lang verkannten
Widerstandskämpfers.” (Heilbronner Stimme, 19.06.2008)
Elsers Leben und Tat erzählen sich selbst anhand seltener bis
unbekannter Fotos.
Do., 15. März 2012 um 19:30
Ort: Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a. 10961 Berlin
U-Bahn U7 und U6, Bus M 19; Halt: ” Mehringdamm” - www.schwarzerisse.de
2) Fr, 16.3.
Lied frei Welt frei:
RABBATZ VON UNTEN!
Demokratische Volksbewegung – Berlin 1848
Zwei Tage vor den “Revolutionsfeierlichkeiten ” zum 18. März 1848 liest
Hellmut G. Haasis unter anderem
aus” Der Demokrat”, dem zeitgenössischen politischen Roman von Adolph
Streckfuß.
Den musikalischen Teil bestreiten die Boxhagener Stadtmusikanten ihren
ganz eigenen Interpretationen freiheitlicher Musik.
Fr., 16. März um 19:30 in der Reihe:
Ort: Deckshaus, Märkisches Ufer 1 z, 10179 Berlin (Schiff im alten
historischen Hafen)
U-Bahn: U2 “Märkisches Museum”, S-Bahn “Jannowitz Brücke” - www.deckshaus.de
3) Sa 17.3.
Literarischer Spaziergang
„Vergebens gelebt und gearbeitet!“
Auf den Spuren von Berthold Auerbach zum 200.sten Geburtstag
Sa., den 17. März 2012 um 12 Uhr
Treffpunkt am Schillerdenkmal auf dem Gendarmenmarkt vor dem Schauspielhaus

4) So., 18.3
1848 Barrikadenkämpfe in Berlin
Matinee:
STRASSENDEMOKRATIE 1848
- Frohes, Lustiges, Ernstes -
Literarische” Parallelbeiträgen ” zu 1848
Unter anderem mit:
Adolf Glaßbrenner, 202 Jahre, Berlin
Berthold Auerbach, 200 Jahre, Nordstetten
Georg Büchner, 199 Jahre, Goddelau
Adolph Streckfuß, 189 Jahre, Berlin
Karl May, 170 Jahre, Radebeul
Hellmut Haasis, 70 Jahre, Reutlingen
Der jüngste Literat ist persönlich anwesend!
Musik: David Bradfield, uillean pipe (irischer Duddelsack)
So., 18. März um 12 Uhr
Ort: Deckshaus, Märkisches Ufer 1 z, 10179 Berlin (Schiff im alten
historischen Hafen)
U-Bahn: U2 “Märkisches Museum”, S-Bahn “Jannowitz Brücke” - www.deckshaus.de
************
Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei, um Spenden wird gebeten!
Eine Veranstaltungsreihe der Naturfreunde Berlin Ortsgruppe
Friedrichshain-Kreuzberg.
Kontakt: 0176965 03 573 lebgut@web.de
siehe auch: Berlin Mitte Geschichte - 1848 - Barrikadenkämpfe in Berlin
2012-03-13
Keen Herz für Touris

In der AUGUSTSTRASSE sind Aufkleber “Keen Herz für Touris” zu finden, in Anspielung auf die Aufkleber “Ein Herz für Touris” einer Online-Privatunterkünfte-Vermittlung

siehe auch: Umfrage: Ferienwohnungen in der Nachbarschaft
Das Stadtspiel “Wo finde ich die Auguststrasse” geht weiter, diesmal an der Ecke Auguststraße / Joachimstraße:



2012-03-05
Berlin Geschichte -100 Jahre Berliner Schlüssel

Viele Altberliner - oder bis in die frühen 80ern Zugezogenen - kennen ihn noch: den Berliner Schlüssel. Etwas verwirrt stand man, nach Aushändigung durch seine Hausverwaltung, mit diesen seltsamen Schlüssel vor seiner Wohnhaustür: reinstecken, aufschliessen, durchschieben, wieder absperren - und erst dann konnte man ihn wieder rausziehen.
“Schließzwang ist, wenn man den Schlüssel, den man in das Schloss gesteckt und aufgeschlossen hat nicht mehr heraus bekommt, bevor man die Tür wieder richtig zu gemacht und verschlossen hat.”
1912 wurde das Patent auf Durchsteckschloss und Schlüssel “System Schweiger” von der Weddinger Schlossfertigungs- und Metallbearbeitungfirma Albert Kerfin & Co GmbH angemeldet und sicherte der Firma für Jahrzehnte das Monopol. Zeitweise hatten 60 bis 70 Prozent der Berliner einen Durchsteckschlüssel in der Tasche, sagt Manfred Schweiger, ein Neffe von Johannes Schweiger, dem Erfinder und Patentanmelder. Vor allem in den “Arbeiterbezirken wie Kreuzberg und Wedding” seien sie weit verbreitet gewesen. http://www.tagesspiegel.de/berlin/vor-fast-90-jahren-erfand-ein-weddinger-handwerker-den-durchsteckschluessel/128154.html
In den Ostteil der Stadt konnte die Firma nach dem Mauerbau allerdings nicht mehr liefern, so dass die Durchsteckschlösser dort nach und nach verschwanden. Außerhalb Berlins haben die Schlösser nur sehr geringe Verbreitung gefunden.


Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour beschreibt das Phänomen des Berliner Schlüssels in einen Essay mit erklärenden Bildern in der lesenswerten Textesammlung: Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin 1996
Grafiken aus: Bruno Latour, Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin 1996
2012-02-22
Die Neuordnung der Innenstadt - Stellt euch der Räumung in den Weg

Der Schokoladen, einer der letzten nicht-kommerziellen Kulturorte in (Alt-)Mitte, soll am 22.2.2012 geräumt werden
“Leider erweisen sich die Versprechungen der Politik, den Schokoladen retten zu wollen, als leere Worthülsen. Eigentum geht in diesem Staat vor Allgemeinwohl.” http://www.schokoladen-mitte.de/

Die Autoren und Autorinnen der Berliner Lesebühnen schrieben:
“Seit 1989 sind in Berlin Dutzende von Lesebühnen entstanden: Ensembles von Autorinnen und Autoren, die in Kneipen und Clubs ihre neuen Geschichten vorlesen.
Berlin schmückt sich gern mit diesen Veranstaltungen, die jedes Jahr von Tausenden von Berlinern und Touristen besucht werden und die inzwischen etliche namhafte Kabarettisten und Schriftsteller hervorgebracht haben.
Leider interessiert sich die Berliner Politik nicht dafür, was für die Entstehung einer solchen lebendigen Szene notwendig ist: Cafés, in denen die Getränkepreise so niedrig sein können wie der Eintritt. Kneipen, in denen Künstlerinnen und Künstler einfach etwas ausprobieren können, ohne dass es Geld abwerfen muss. Clubs, deren Betreiber sich nicht ständig sorgen müssen, wie sie die grotesken Renditen für die Hausbesitzer erwirtschaften können.
Nun soll auch der Schokoladen schließen und von der Polizei geräumt werden. (..)
Die östliche Innenstadt nähert sich einem Zustand der Stagnation.
Wir können an dieser Stelle nicht ausführlich auf den Prozess der Gentrifizierung eingehen, den wir ohne es zu wollen selbst mit angestoßen haben. Dazu haben sich andere bereits fundierter geäußert, als wir es könnten. Doch wir sehen mit Wut, wie das allgemeine und für alle Bevölkerungsschichten geltende “Recht auf Stadt” immer mehr zum Privileg der Gut- und Besser- und Bestverdiener zu werden droht.
Die Berliner Lesebühnen und ihre Freunde beteiligen sich an den Aktionen zur Rettung des Schokoladens. Und wir bitten alle, die uns kennen, uns dabei zu unterstützen.
-> Kommt zur Demo gegen die Räumung des Schokoladens:
Dienstag 21. Februar, 17.30 Uhr
Klub der Republik, Pappelallee 81
(U-Bhf. Eberswalder Str.)
-> Stellt euch der Räumung in den Weg:
Mittwoch 22. Februar, 8 Uhr
Schokoladen, Ackerstrasse 169
(U-Bhf. Rosenthaler Platz).”


2012-02-16
UPDATE:
Die Schokoladen-Räumung ist bis Ende März ausgesetzt. Bis Ende März wurde eine „Friedenspflicht“ vereinbart, in der nicht geräumt werden solle. Bis dahin sollen „alle störenden Aktivitäten“ unterlassen werden, sagte Gothe (SPD), Staatssekretär für Stadtentwicklung. In den kommenden Tagen soll mit der Schweizer Stiftung Edith Maryon, die das Schokoladen-Grundstück erwerben will, ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Im Gegenzug erhält Markus Friedrich (Eigentümer der Ackerstraße 169) vom Land Berlin ein Ersatzgrundstück.
“Es reicht uns nicht, als Offkultur-Oase Hoffnung auf Überleben zu haben und wir wollen auch keine Insel inmitten einer durchgentrifizierten Stadt sein, sondern fordern ein grundsätzliches Umdenken der stadtpolitischen Zielsetzung. Gegen steigende Mieten, gegen Verdrängung, gegen Clubsterben, gegen kommerzielle Verwertung – für ein Recht auf Stadt für alle !”
http://www.polnischeversager.de/index.php/2012/02/rettung-in-sicht/
2012-02-17
Anti-ACTA-Demonstration

Gestern gingen Zehntausende “digitale Maoisten” (Ansgar Heveling) in vielen Städten auf die Straße um gegen das ACTA-Abkommen und für eine Reform des Urheberrecht zu demonstrieren.
In Berlin führte die Demonstration mit fast 10000 Menschen auch durch die Spandauer Vorstadt …





siehe auch:
Der Tod des Cyberflaneurs (und die Tyrannei des Sozialen), ein Text von Evgeny Morozov, ursprünglich in der “New York Times”. Deutsche Übersetzung: Christian Stöcker.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,814236,00.html
2012-02-12
