AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Blind Spot

Blind Spot

Nach Martha Roslers /Josh Neufelds Banner Pull Up Those PIIGS (2011) und der Installation Tamasha von N S Harsha (2013) ist das neue, gemeinsame Projekt zwischen der Fassadengalerie des KuLe e.V. und dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Blind Spot des bildenden Künstlers Mykola Ridnyi und des Schriftstellers Serhij Zhadan (beide leben in der ostukrainischen Stadt Charkiw) an der Fassade in der Auguststrasse 10 zu sehen.
” Die Arbeit ist Teil einer kürzlich entstandenen Fotoserie von Mykola Ridnyi, die Pressefotos der bewaffneten Konflikte in der Ukraine mit dem Phänomen des allmählichen Erblindens und einem daraus resultierenden verengten Sichtfeld koppelt: die Bildmotive werden fast vollständig von schwarzer Farbe überdeckt. „Manchmal beginnt es wie ein kleiner, sich allmählich ausbreitender Fleck oder aber wie ein sich verengender Tunnel, der das Sehvermögen verschlingt, bis es ganz ausgelöscht ist. Diese Unfähigkeit zu sehen gleicht dem menschlichen Abwehrmechanismus, angesichts eskalierender Gewalt eine freiwillige Blindheit zu produzieren.“ M.Ridnyi

Blind Spot

Am Fuß der Fassade greift Serhij Zhadan mit seinem Essay Das zerschossene Museum, abgedruckt im ukrainischen Original sowie in russischer, deutscher und englischer Übersetzung, das Thema der Kriegszerstörung am Beispiel des von Bomben getroffenen Museums in Donezk auf
“In einem Artikel habe ich gelesen, das Regionalmuseum in Donezk sei von einem nächtlichen Bombenangriff getroffen worden. Von eingestürzten Decken und Gebäudeteilen wurde da berichtet, die sogar die Kellerdecke durchbrachen.(…)
Der Vorfall mit dem Museum ist typisch, denn eigentlich hat es doch niemanden gestört, wer hatte es also nötig, das Museum unter Beschuss zu nehmen, wer wollte auf diese Weise die Geschichte umschreiben oder genauer gesagt sie loswerden? Von Stellungen im Museum war gar nicht die Rede, es stellt sich plötzlich heraus, dass es völlig egal ist, ob da jemand eine Stellung hält oder nicht, der Zufall entscheidet, und leider nicht zum besten. Im letzten Krieg hat es das Museum im Übrigen auch erwischt, die Sammlungen sind zerstört worden. Kriege sind alle ähnlich.”
Serhij Zhadan

http://www.berliner-kuenstlerprogramm.de/de/veranstalt_detail.php?id=896

2014-10-06

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