AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berliner Unwille - Schlossbaustelle geflutet

Berliner Stadtschloss

Berliner Stadtschloss
Schloss-Simulation gesehen 1993

“Im Jahre 1442 glaubt sich Kurfürst Friedrich II. am Ziel lang gehegter Wünsche. Der schwelende Streit zwischen Zünften und Patriziat um die Teilhabe am Rat ist voll entflammt. Die Handwerker bestehen auf der Wahl eigener Ratsmannen und berufen den Landesherrn zum Schiedsrichter. Geschickt die bürgerliche Zwietracht nutzend, macht dieser sich daran, erworbene Stadtrechte zu beschneiden, zu beseitigen.
Gerichtshoheit und Niederlagsrecht gelangen schnell in seine Hände. Die Vereinigung von Berlin und Cölln, Grundlage gemeinsamer Stärke, wird aufgehoben, die Beteiligung am Bündnis der Hanse verboten. (…) Friedrich II. besteht darauf, innerhalb der Stadt ein Schloß zu errichten und am 1. Juli 1443 persönlich den Grundstein zu legen. Ein „frenum antiquae libertatis” in den Augen der Bürger, ein „Zügel der alten Freiheit”. Eine Zwingburg, um Berlin und Cölln in dauerhafte Abhängigkeit zu bringen. (…)
Auch wenn des Nachts immer wieder Steine verschwinden, Gerüste umstürzen und schwere Stützbalken die Spree hinuntertreiben, der Bau schreitet voran. Die Spannung in den Straßen steigt. Noch ein Funken, und die Explosion ist da. Friedrich II. spielt mit dem Feuer. (…)
Januar 1448. Die Bürger greifen zu den Waffen. Es kommt zu jener offenen Erhebung, die als Berliner Unwille in die Geschichtsbücher eingegangen ist.
Eigenmächtig wird die Trennung von Berlin und Cölln aufgehoben, im Rathaus auf der Langen Brücke amtiert wieder der gemeinsame Rat. (…)
Doch damit nicht genug.
Die Aufständischen ziehen in Scharen zum unerwünschten Schloß. Leider widerstehen die schon fertiggestellten Mauern aus Feldsteinen und Mörtel den eiligen Abbruchversuchen, aber man weiß sich zu helfen. Schnell ist die Schleuse des Cöllnischen Stauwehres geöffnet, und munteres Spreewasser überflutet die Baustelle.(…)”

Berliner Stadtschloss
Schloss-Simulation gesehen 1993

Berliner Stadtschloss
Schloss-Simulation gesehen 1993

Quellen:

Schwebel, Oskar: Geschichte Der Stadt Berlin, 1888, Erster Band, S. 134
zitiert nach:
Berger, Joachim, Berlin freiheitlich & rebellisch, Berlin 1987

siehe auch: Stadtschloss Berlin: Millionenschwerer Fassadenschwindel

2013-06-12

Ein Kommentar zu 'Berliner Unwille - Schlossbaustelle geflutet'

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  1. am 15. Jun. 2013

    Tja, jetzt folgt der temporären Attrappe die permanente Attrappe. Mir ist kein weiteres Bauvorhaben bekannt, das einen solch hohen Grad an Sinnlosigkeit und Absurdität in sich vereint.

    Aber schöne Fotos.

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