AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Mitte Geschichte - Protest in der Rosenstrasse

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1 Gebäude der Sozial-Verwaltung der Jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2-4; Gefängnis während der »Fabrik-Aktion«.
2 Die »Alte Synagoge«, Heidereutergasse 4.
3 Jüdisches Altersheim, Große Hamburger Straße 26.
4 Gestapo-Leitstelle Berlin, Burgstraße 28; (mit dem Berliner Judenreferat; auch in dem Gebäude Burgstraße 26 befand sich eine Dienststelle der Gestapo.
5 S-Bahnhof »Börse«, heute »Hackescher Markt«, zu DDR-Zeiten »Marx-Engels-Platz«.

In der Rosenstraße 2–4 errichtete die Jüdische Gemeinde 1905 ein großes Verwaltungsgebäude, das später unter anderem das Wohlfahrts- und Jugendamt beherbergte.
“Am 27. Februar 1943 führte die Berliner Gestapo die letzte große Razzia gegen Juden durch, die überwiegend in der kriegswichtigen Rüstungswirtschaft Zwangsarbeit leisten mussten. Während dieser „Fabrik-Aktion“ wurden jüdische Partner von „Mischehen“, „Mischlinge“ sowie „Geltungsjuden“ von den „Volljuden“ separiert und in dem Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße 2-4 in Berlin-Mitte festgehalten, [um ihren Status zu überprüfen und unter ihnen Fachpersonal als Ersatz für zu deportierende Mitarbeiter jüdischer Einrichtungen auszuwählen].
Die nicht-jüdischen Angehörigen hatten im Laufe des Tages herausgefunden, wohin ihre Angehörigen gebracht worden waren. Vor dem Gebäude fanden sich – ohne untereinander organisiert zu sein – viele Angehörige ein. Überwiegend „arische“ Ehefrauen der Festgehaltenen, aber auch „arische“ Ehemänner von jüdischen Frauen kamen dort hin. Sie brachten Lebensmittelpäckchen mit, die von den Wachen am Eingang angenommen wurden. Viele wussten nicht, ob ihre Angehörigen dort tatsächlich festgehalten wurden. Die Wartenden tauschten die wenigen Informationen untereinander aus und kamen täglich wieder.
Niemand kannte die Pläne der Gestapo für die circa 2000 dort einsitzenden Menschen. Der sogenannte „Rassestatus“ eines jeden wurde eingehend geprüft. Dokumente belegen, dass diese Personengruppe nicht für die Deportation vorgesehen war. (…)[Die Entlassungen aus der Rosenstrasse begannen am 1.März 1943 und zogen sich mindestens bis 12.März hin.] Sie kehrten zu ihren Familien zurück und wurden wieder zur Zwangsarbeit befohlen. Ungefähr 200 ehemalige Rosenstraßen-Insassen arbeiteten danach in den Verwaltungsstrukturen der Jüdischen Gemeinde.” (1)
“Zeitgenössische Dokumente zu diesen Vorgängen gibt es bisher nicht” (…) daher “bleiben bis heute die Zahl der Teilnehmer, die konkreten Umstände sowie die Dauer und die Form des Protestes in der Rosenstrasse ungesichert. Die Angaben, wie viele Menschen sich tatsächlich vor dem Gebäude versammelten, schwanken erheblich, von 150 bis zu 6000. (…)
Weder damalige Dokumente noch die weitere historische Entwicklung stützen also die Annahme, dass Proteste wie in der Rosenstraße die Deportationsplanungen der NS-Führung verändert oder deren Realisierung behindert hätten. Die Geschichte vom Erfolg des Protestes der nichtjüdischen Angehörigen und der Rettung der Juden in der Rosenstraße vor dem Abtransport nach Auschwitz ist gleichwohl inzwischen ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingeschrieben. Die bereits kurz nach dem Krieg entstandene Legende fußte auf Berichten von Überlebenden und ihren subjektiven Eindrücken. (…)
Eine reale Chance, den Prozess der Judenverfolgung aufzuhalten, der schließlich in den Massenmord mündete, bestand nur an seinem Beginn. Schon 1933 hätte sich eine breite Opposition formieren müssen, als der NS-Staat die ersten antijüdischen Maßnahmen einleitete und die ersten diskriminierenden Gesetze erließ, um die deutschen Juden zu vertreiben. Notwendig wäre ein frühes und breites Engagement in allen Schichten der Gesellschaft, ganz besonders unter den Eliten, gewesen.”(2)

(1) Topographie des Terrors, Barbara Schieb http://www.berlin.de/2013/partner/sonstiges/stiftung-topographie-des-terrors-mit-mehreren-veranstaltern/
(2) Wolf Gruner: Widerstand in der Rosenstraße. Die Fabrik-Aktion und die Verfolgung der „Mischehen“ 1943. Frankfurt/M 2005

Karte aus Gernot Jochheim: Frauenprotest in der Rosenstraße Berlin 1943. Berichte, Dokumente, Hintergründe, Berlin 2002

2013-03-11

Ein Kommentar zu 'Berlin Mitte Geschichte - Protest in der Rosenstrasse'

Kommentare als RSS

  1. öl sagt,

    am 19. Jan. 2018

    o9iko

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