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Berlin Mitte Geschichte - ehemaliges Kaufhaus Wertheim Rosenthaler Straße

Rosenthaler Stra�e 1992

Rosenthaler Straße, gesehen 1992

Schon 1885 eröffnete Wertheim ein Spezialgeschäft für Manufaktur- und Modewaren in der dicht mit Geschäften besiedelten Rosenthaler Straße, das Kaufhaus schuf Alfred Messel 1903-1906.

Kaufhaus Wertheim Rosenthaler Stra�e/Sophienstra�e
Warenhaus Wertheim, Berlin, Rosenthaler Straße 27-31 / Sophienstraße 12-15

Zur Zeit wird das Gebäude “Entkernt”. Im Frühjahr 2008 soll der Bau fertig sein. Dann zieht die bundesweite Hauptverwaltung der AOK in das ehemalige Wertheim-Kaufhaus ein.
In der Erdgeschoss-Zone sollen Ladenflächen entstehen.

2007-04-06

Kaufhaus Wertheim Rosenthaler Stra�e/Sophienstra�eKaufhaus Wertheim Rosenthaler Stra�e/Sophienstra�eKaufhaus Wertheim Rosenthaler Stra�e/Sophienstra�e

Warenhaus Wertheim, Berlin, Rosenthaler Straße
Alfred Messel

Als ein Hauptwerk Messels gilt das Warenhaus Wertheim an der Leipziger Straße (bzw. am Leipziger Platz) in Berlin, das er zwischen 1896 bis 1906 in mehreren, unterschiedlich gestalteten Bauabschnitten für die A. Wertheim GmbH ausführte, und das erheblichen Einfluss auf die Warenhaus-Architektur seiner Epoche hatte.
Es wurde im Laufe der Jahre bis zum Leipziger Platz ausgebaut und war mit einer Nutzfläche von 106.000 m² seinerzeit das größte Warenhaus Europas. 1944 wurde das Haus an der Leipziger Straße durch alliierte Bomber zerstört.

Wertheim

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erfolgte ein Boykott gegen jüdische Geschäfte. 1934 übertrug Georg Wertheim per Schenkung sein gesamtes Vermögen seiner nichtjüdischen Frau Ursula. Dennoch wurde die Firma Wertheim 1935 als „rein jüdisch“ eingestuft. 1937 kam die Enteignung durch die Nationalsozialisten. Alle jüdischen Geschäftsführer wurden entlassen. Aus den Kaufhäusern von Hermann Tietz wurde „Hertie“, aus denen seines Cousins Leonhard Tietz „Kaufhof“, und aus Wertheim die “Awag” (Allgemeine Warenhaus Gesellschaft AG). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mit der Teilung Deutschlands, wurden die Häuser durch die Sowjets übernommen und später sogenanntes Volkseigentum.

DEWAG
Das ehemalige Wertheim-Kaufhaus in der Rosenthaler Straße wurde durch die DEWAG in der DDR-Zeit genutzt.
Die DEWAG war ein organisationseigener Betrieb der SED und verfügte Ende 1989 über ein Bilanzvermögen von 307 Mio. Mark (”Neues Deutschland” vom 14.6.1990). Sie unterstand unmittelbar der Abteilung Agitation des ZK der SED.
1990 wurde die DEWAG in eine ›DEWAG-Holding‹ umgewandelt; die DEWAG-Immobilie (9000 qm Bürofläche und 5000 qm angrenzendes Bauland) wurde der Liegenschaftsgesellschaft der ›Treuhandanstalt‹ zur Privatisierung übergeben. Mitarbeiter der DEWAG versuchten, durch Ausgründungen spezialisierte Werbebetriebe zu schaffen; einige dieser Betriebe wurden von westdeutschen Firmen übernommen, andere, personell überfrachtete Agenturen ringen um das Überleben. Zu den bisher erfolgreichen Neugründungen gehören die ›IDEA‹, eine Firma für Handelswerbung und Dekorationsmittel, und das ›Farbfoto Center‹.

Karstadt

Seit mehreren Jahren läuft der Rechtsstreit um die Rückgabeansprüche zwischen der Familie Wertheim und der Firma Karstadt Quelle AG über die wertvollen Grundstücke, die im Ostteil der Stadt Berlin gelegen sind und nicht unter die alte Entschädigungsregelung der Nachkriegszeit gefallen waren. Am 30. März 2007 gab der KarstadtQuelle-Konzern bekannt, die Erben der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim zu entschädigen. Der Konzern teilte mit, dass mit der Jewish Claims Conference eine außergerichtliche Einigung erzielt worden ist.
Im Streit um die Grundstücke aus dem früheren Besitz der jüdischen Kaufhaus-Dynastie Wertheim drohen Karstadt-Quelle weitere Nachzahlungen. Neben den Ansprüchen von 145 Millionen Euro aus den Liegenschaften am “Lenné-Dreieck” könnte die Interessenvertretung Jewish Claims Conference (JCC) Schadenersatz wegen zweier weiterer Berliner Grundstücke geltend machen.
Dabei handelt es sich um den Postblock in der Wilhelmstraße, einer Vorratsfläche des Bundesfinanzministeriums, das der Bund 1996 für 17,5 Millionen Euro von Karstadt gekauft hat. Das zweite Grundstück liegt in der Rosenthaler Straße, auf dem Gelände des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses, das Karstadt Anfang der neunziger Jahre für 31,7 Millionen Euro an die Treuhand verkaufte.
Beide Grundstücke gehören zu den 62 Grundstücken des Wertheim-Konzerns, die nach dem Zweiten Weltkrieg von der DDR enteignet wurden.

Quellen:
ALFRED MESSEL V. SONDERAUSGABE DER BERLINER ARCHITEKTURWELT 1906
http://de.wikipedia.org/
http://www.ddr-alltagskultur.com
Welt, 19. Dezember 2004

8 Kommentare zu 'Berlin Mitte Geschichte - ehemaliges Kaufhaus Wertheim Rosenthaler Straße'

Kommentare als RSS

  1. maria brunner sagt,

    am 10. Nov. 2008

    ein absoluter Skandal, eine Verschandelung des
    wunderbaren Messel Baus, Berlin ist um eine
    Architektursünde reicher.

    Maria Brunner

  2. Sabine Wolf sagt,

    am 13. Nov. 2008

    Bin schockiert, wie brutal die figürlichen Reliefs an der Straßenfassade abgeschlagen wurden - damit sie mit seelenlosen Platten verkleidet werden können. Was sagt der Denkmalschutz dazu?

  3. Daniel Zenker sagt,

    am 20. Nov. 2008

    Kann dem nur zustimmen. Für einen Neubau wäre die Fassade ganz okay, wenn man allerdings überlegt, was hättes ein können… Hier hätte man eindeutig strengere Auflagen machen sollen.

  4. Robert Dupuis sagt,

    am 11. Dez. 2008

    Eine Information für die drei Kommentatoren und weitere Besucher dieser Seite:
    die Zerstörung der Messellschen Fassade des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses wurde zu DDR-Zeiten unter Federführung des “volkseigenen” Betriebs DEWAG durchgeführt (Abschlagen der Bauplastiken). Und im goldenen Westen ging man in den 1950ger und 1960ger Jahren genauso brutal mit Baudenkmälern um, in dem sie “stilbereinigt” wurden!

  5. talmon sagt,

    am 9. Jan. 2010

    es ist ein jammer berlin so anzuschauen, anstatt die historischen gebaeude
    wieder so herzurichten wie sie einmal waren.
    berlin hatte die chance und hat sie vergeben. berlins mitte wird totsaniert.
    eine nicht wieder gutzumachende schande………….

  6. Arne sagt,

    am 7. Mrz. 2011

    Hallo,

    mir gefällt der Blog hier sehr gut. Ich bin vor drei Jahren nach Berlin gezogen und zu jung um in den “Golden 90’s” dabei gewesen zu sein. Seid froh darüber, ihr die es ward.Aber: war es nciht abzusehen, dass Zwischenutzung Zwischenutzung ist und dass dr Stadtkern einer Hauptstadt saniert wird?

    Hier und da sieht man wohl noch aufflackern was das drüher mal war und ich weiß selber, dass ich mit Schuld an der Misere bin, blablabla

    Toller Blog, weiter so. Echt.

  7. Robert sagt,

    am 8. Mrz. 2011

    @Arne
    freut mich das der Blog gefällt, ja es war abzusehen aber trotzdem irgendwie schmerzhaft die Entwicklung und die ständige Frage, wann muß man hier weg weil NUR NOCH Touristenort und Shopping …

  8. Arne sagt,

    am 26. Mrz. 2011

    @Robert

    Berlin ist riesengroß. Deswegen macht es mir Spaß hier zu wohnen. War letztes Wochenende in der Oberschöneweide. Auch ein guter Ort innerhalb der Stadtgrenzen. Mitte ist Mitte war Mitte wird Mitte sein.

    Mein kleiner und blöder Wunsch als Abonnent dieses Blogs:
    mehr Bildmaterial aus den 90ern. Kann mich gut daran ergötzen.

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