AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Geschichte - Zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

Rosa
Abb.: Wilmersdorf, Mannheimer Str. 43. In dem angekreuzten Raum hielten sich am 15. 1. 1919, 21.30 h, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg auf. Sie wurden durch die sog. Einwohnerwehr verhaftet und später im Auftrag des Hauptmanns Papst ermordet. Im Gang des Hotels, in dem die Gardedivision, deren Sicherheitsoffizier Hauptmann Papst war, residierte, begegnete der ehemalige Reichskanzler Fürst Bülow der von Wachen abgeführten Rosa Luxemburg. Er erkannte sie, half aber nicht.

2009-01-14

Aus: Negt, Oskar und Alexander Kluge:
Geschichte und Eigensinn. Geschichtliche Organisation der Arbeitsvermögen. Deutschland als Produktionsöffentlichkeit. Gewalt des Zusammenhangs. 8. Auflage,
Frankfurt am Main, Zweitausendeins, 1985

Nationalistische Freikorps und regierungstreue Truppen kämpften im Januar 1919 im Auftrag der sozialdemokratischen “Volksbeauftragten” Friedrich Ebert und Gustav Noske den “Spartakus”-Aufstand linker Genossen nieder. Noske (Selbsteinschätzung damals: “Einer muß den Bluthund machen“) bat Papst um Hilfe gegen
Liebknecht und Luxemburg und stellte dabei die Frage, so Papst in seinen bis heute unveröffentlichten Memoiren,
“ob denn niemand die Unruhestifter unschädlich mache”.
Diese kaum versteckte Aufforderung zum Mord fand offene Ohren …(Ulrich Völklein)

Alle Macht den Raeten

Alle Macht den Räten

(…)
Am 12. Januar waren die Kämpfe in Berlin beendet. Die Revolution war niedergeworfen. War es eine »spartakistische«, also kommunistische Revolution? Das ist von Anfang an die Sprachregelung der Sieger gewesen, und sie hat sich bis zum heutigen Tag gehalten. (…)
Die Wahrheit ist es nicht. Die KPD hatte den Januaraufstand weder vorhergesehen noch gewollt, weder geplant noch gelenkt. Sie war über das planlose, führungslose Vorpreschen der Massen sogar entsetzt. Ein solcher Massenaufstand, ehe die Partei überhaupt noch richtig stand, verstieß ja gegen alle Regeln! Als sich Liebknecht am 8. Januar wieder im Parteivorstand sehen ließ, wurde er wegen seiner eigenmächtigen Beteiligung mit Vorwürfen überhäuft. »Karl, ist das unser Programm?« soll ihm Rosa Luxemburg zugerufen haben, oder nach einer anderen Version: »Karl, wo bleibt unser Programm?«
Aber auch der klägliche »Revolutionsausschuß« - in dem nicht die zwei beteiligten Kommunisten, Liebknecht und Pieck, sondern die siebzig Revolutionären Obleute tonangebend waren - hatte den Januaraufstand weder geplant noch gemacht noch geführt. Dieser Aufstand war ganz ausschließlich das Werk der Berliner Arbeitermassen, derselben Massen, die die Novemberrevolution gemacht hatten; diese Massen waren zum allergrößten Teil Sozialdemokraten, nicht Spartakisten oder Kommunisten, und ihr Januaraufstand war nichts anderes, als ihr Novemberaufstand gewesen war.
Das ist beweisbar, denn die Massen blieben nicht stumm. In der zweiten Hälfte dieser tragischen Januarwoche, als das Versagen des »Revolutionsausschusses« auch ihnen klargeworden war und während im Zeitungsviertel schon die Kanonen sprachen, formulierten sie auf großen Massenversammlungen ihre Ziele, und zwar mit bemerkenswerter Klarheit.
Am 9. Januar - Donnerstag - versammelten sich im Humboldthain vierzigtausend Arbeiter der AEG und der Schwarzkopf-Werke, beschlossen - genau wie am 10. November - die »Einigung der Arbeiter aller Richtungen« und setzten eine paritätische Kommission zu diesem Zweck ein. In den nächsten “Tagen ergriff die Einigungsbewegung praktisch alle Berliner Betriebe. Charakteristisch ist die Vier-Punkte-Resolution der Spandauer Betriebe (achtzigtausend Arbeiter) vom 10. Januar: 1. Rücktritt aller Volksbeauftragten; 2. Zusammentreten paritätischer Ausschüsse der drei Parteien; 3. Neuwahl der Arbeiter- und Soldatenräte; 4. Inangriffnahme der Einigung der sozialistischen Parteien.« (…)

Text: Sebastian Haffner, Der Verrat, Verlag 1900, Auflage September 2002

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