AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Geschichte - Scharrenstrasse

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“Die bürgerliche Instanz der Breiten Straße, vor allem für junge Mädchen war seit 1839 das Kaufhaus Hertzog, der Berliner Spezialist für Aussteuer, Maßkonfektion und die Lieferung in edlen Schachteln bis an die Haustür. 1908/09 ließ er an der Ecke Scharrenstraße einen Neubau im Stil des Neobarocks errichten. Ein Erweiterungsbau entstand an Stelle des 1899 abgerissenen Cöllnischen Rathauses [1].
1912 erstreckte sich der Kaufhauskomplex fast über das gesamte Karree bis zur Brüderstraße zwischen Scharrenstraße und Neumannsgasse. Es war damals das größte Warenhaus Berlins.(…)
Im Jahr 1949 wurden die Erben, welche das Geschäft bis dato geführt hatten, enteignet. 1970 wurde es umfassend instand gesetzt. Danach befand sich bis 1990 in dem Gebäude ein Hochzeitsausstatter und ein DDR-Jugendmode-Kaufhaus. Das unter Denkmalschutz stehende Haus steht derzeit leer [2].

So etwas wie Denkmalschutz gab es in der Gründerzeit nicht. Was den zunehmenden Verkehr behinderte, wurde abgetragen, auch wenn es von Schinkel oder Knobelsdorf gebaut war.
66 Jahre später wurde gegen den Rat von Denkmalschützern und Stadtplanern der Fischerkiez, der die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges einigermaßen überstanden hatte, abgerissen, darunter auch die Patrizierhäuser auf der rechten Südseite der Breiten Straße. (…) Die Parzellen des Straßenabschnittes von Neumannsgasse bis Scharrenstraße wurden 1967 vollständig mit dem Komplex des Bauministeriums überbaut. (Es ist inzwischen auch abgerissen.) Die von der Breiten Straße abzweigende Scharrenstraße ist eine der ältesten Straßen der Stadt. Sie hat ihren Verlauf so gut wie nie verändert. Ihren Namen verdankt sie den Scharren, hohen Verlaufsständen, meist für Brot, die 1667 von der Breiten Straße an das Cöllnischen Rathaus verlegt wurden.(…)
Was in Alt-Cölln in den sechziger Jahren euphemistisch Altstadterneuerung genannt wurde, war ein Abriss der teilweise barocken Stadt. Die Häuser im Karree zwischen Scharrenstraße, Friedrichsgracht, Brüderstraße verschwanden bis auf drei.
Die Grundstücke wurden mit einem Apartmentblock überbaut. Heute ist das Haus in die Jahre gekommen
Nebenan hält sich tapfer das Cafe am Petriplatz, das Gartentische an den Gehweg gestellt hat. (…) Zehn Meter weiter staut sich der Verkehr stadtauswärts. Und das bedeutet hier: in alle Richtungen. Die sechsspurige Straße wurde in den sechziger Jahren zwischen Leipziger Straße und Alexanderplatz wie eine Schneise durch die ehemalige Altstadt geschlagen. Die Pläne dafür waren alt. Zuletzt hatte sich in den zwanziger Jahren Ernst Reuter, als Verkehrsstadtrat für eine Verbreiterung starkgemacht. Die Berliner Innenstadt sollte mit einem Netz breitspuriger Straßen versehen werden. (…) In dieser Zeit drohte Berlin im zunehmenden Individualverkehr zu ersticken, zeitweise wurde die Friedrichstraße für Fahrradfahrer gesperrt, weiI sie den Autos und Bussen im Wege waren.”[1]

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Abriss des DDR-Bauministeriums 2011

[1] Annett Gröschner, Heimatkunde Berlin, 2010
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolph_Hertzog

siehe auch:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/cgi-bin/hidaweb/getdoc.pl?DOK_TPL=lda_doc.tpl&KEY=obj%2009020050

2013-01-15

Ein Kommentar zu 'Berlin Geschichte - Scharrenstrasse'

Kommentare als RSS

  1. maho sagt,

    am 18. Jan. 2013

    In Charlottenburg gab es auch mal eine Scharrenstraße.

    Die Scharren, oder auch Scharn genannt, waren (Markt-) Stände, an denen Brot (Brotscharren, Brodscharren) oder Fleisch (Fleischscharren) angeboten wurden.
    http://blog.klausenerplatz-kiez.de/archive/2012/06/14/charlottenburger_stadtgeschich

    Herzlichen Gruß

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