AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Geschichte - Aufruhr in der Blumenstraße

25. Juli 1872. In der Blumenstraße, heute Neue Blumenstraße, begann der ‘Blumenstraßenkrawall’. Im Haus Blumenstraße 52 war ein Tischler vom Exekutor* auf die Straße gesetzt worden. Als die Feuerwehr kam, um den Hausrat wegzuräumen, brachte das die Erregung der Menschen zum Überlaufen. Dem Hauswirt wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Die berittene Polizei, eingesetzt, die 4.000 bis 5.000 Demonstranten auseinander zutreiben, wurde mit Steinwürfen empfangen. Eine Straßenschlacht kam in Gang, die bis 3 Uhr morgens andauerte. Am nächsten Morgen sprach sich die Nachricht herum, daß die Polizei damit begonnen hatte, die Obdachlosenbaracken am Frankfurter Tor niederzureißen. Der Aufruhr verbreiterte sich über das ganze Stadtviertel und dehnte sich über die Blumenstraße, die Frankfurter Straße, die Weberstraße und deren Querstraßen aus. Gaslaternen wurden eingeworfen, Rinnsteinbohlen ausgehoben und Barrikaden gebaut. Die anrückenden Polizeikräfte wurden mit Steinbombardements aus den Fenstern empfangen. Über 1.000 Polizisten sperrten das Aufruhrgebiet von den umliegenden Straßen ab. Zwei Batallione des Kaiser-Alexander-Regiments und zwei Schwadronen Gardedragoner standen mit scharfen Patronen bewaffnet zum Ausmarsch bereit. Nichtsdestoweniger breitete sich die Revolte weiter aus und ein regelrechter Guerillakrieg entfaltete sich. Das Polizeirevier Lange Straße wurde vom Volk gestürmt. Mit Mühe gelang es den Dragonern schließlich, die Unruhen zu unterdrücken… Die Polizei tat ihr möglichstes, auch die übrigen Baracken verschwinden zu lassen. Aber sofort entstanden neue, die wiedergestürmt wurden. So ging es bis in den August hinein …

*Die “Exmittierung” - das damalige Wort für Räumung

Quellen:
Berger, Joachim, Berlin freiheitlich & rebellisch, Berlin 1987, S.104
Haberbusch, Kuno, Dokumentation “Berliner Linie”, Berlin 1981, S. 3

siehe auch:

Berlin Geschichte - Freistadt Barackia

2011-07-25

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