Berlin Geschichte -100 Jahre Berliner Schlüssel

Viele Altberliner - oder bis in die frühen 80ern Zugezogenen - kennen ihn noch: den Berliner Schlüssel. Etwas verwirrt stand man, nach Aushändigung durch seine Hausverwaltung, mit diesen seltsamen Schlüssel vor seiner Wohnhaustür: reinstecken, aufschliessen, durchschieben, wieder absperren - und erst dann konnte man ihn wieder rausziehen.
“Schließzwang ist, wenn man den Schlüssel, den man in das Schloss gesteckt und aufgeschlossen hat nicht mehr heraus bekommt, bevor man die Tür wieder richtig zu gemacht und verschlossen hat.”
1912 wurde das Patent auf Durchsteckschloss und Schlüssel “System Schweiger” von der Weddinger Schlossfertigungs- und Metallbearbeitungfirma Albert Kerfin & Co GmbH angemeldet und sicherte der Firma für Jahrzehnte das Monopol. Zeitweise hatten 60 bis 70 Prozent der Berliner einen Durchsteckschlüssel in der Tasche, sagt Manfred Schweiger, ein Neffe von Johannes Schweiger, dem Erfinder und Patentanmelder. Vor allem in den “Arbeiterbezirken wie Kreuzberg und Wedding” seien sie weit verbreitet gewesen. http://www.tagesspiegel.de/berlin/vor-fast-90-jahren-erfand-ein-weddinger-handwerker-den-durchsteckschluessel/128154.html
In den Ostteil der Stadt konnte die Firma nach dem Mauerbau allerdings nicht mehr liefern, so dass die Durchsteckschlösser dort nach und nach verschwanden. Außerhalb Berlins haben die Schlösser nur sehr geringe Verbreitung gefunden.


Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour beschreibt das Phänomen des Berliner Schlüssels in einen Essay mit erklärenden Bildern in der lesenswerten Textesammlung: Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin 1996
Grafiken aus: Bruno Latour, Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften. Berlin 1996
2012-02-22

am 23. Feb. 2012
Was war eigentlich das Ende dieses Schlüssels in Berlin? der Brandschutz?