AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

3 Jahre AUGUSTSTRASSEN-Blog

Dank an alle Leserinnen und Leser
Dank an die anderen Blogs und Webseiten und für den Kontakt der entstanden ist.

Das war für mich die MOTIVATION neben der spannenden medialen Eigendynamik des Bloggens.

Unter mehr eine kleine Nabelschau aus den Jahren:

2009-08-04

Aus Blogs:

Subversive Kräfte haben in Berlin mal wieder ein paar Plastikrohre ausgegraben und zweckentfremdet. Und die “Auguststrasse” liefert dazu gleich die passende Gebrauchsanweisung. Danke!
4. April 2007
http://www.rebelart.net/diary/?p=117

Deutschsprachige Placeblogs - eine Zwischenbilanz
Nun mag die berechtigte Frage aufkommen: “Ja und? Wen interessiert das, außer den paar die
dort wohnen?” Auf den ersten Blick scheint das richtig. Was interessiert mich als jungen, internetaffinen Großstadtmenschen, wann in Kleinmeckersdorf der Bockbieranstich ist. Doch abgesehen davon, dass bei einem Vorwurf des Selbstreferentiellen unter Bloggern doch eher müde abgewunken werden sollte, finden sich Placeblogs ja nicht allein in der Provinz. Auch in den Großstädten finden sich vermehrt Blogs, welche entweder ihre Stadt als Ganzes (beispielsweise: Hauptstadtblog, Blogsburg), ein Viertel (beispielsweise: Hamburg/ St. Georg) oder eine Straße (beispielsweise: Berlin/ Auguststraße) genauer betrachten. Die Informationsdichte und Detailgenauigkeit, die einzelne Enthusiasten hier erzeugen, übersteigt schon seit längerem die Qualität jedes Lokalmagazins -oder Fernsehens.
21. Mai 2008
http://www.readers-edition.de/2008/05/21/deutschsprachige-placeblogs-eine-zwischenbilanz/

Passend zum Thema und eher Landnahme als Belagerung will ich kurz auf einen Beitrag im Auguststraßenblog (wie immer mit vielen und tollen Bildern!) aufgreifen. Im Zusammenhang mit der Schließung der Buchhandlung Starick am Rosenthaler Platz wird dort auf den Neubau von immer neuen Hotel- und Hostelanlagen in Berlin Mitte verwiesen. Dieser Boom an Tourismusindustrie, so liest sich die Vermutung, stehe in einem linearem Verhältnis zu den steigenden Mieten in den Wohnungen der umliegenden Nachbarschaften. Längst ist von einer Touristifizierung die Rede …
28 Februar 2009
http://gentrificationblog.wordpress.com/2009/02/28/belagerungszustande-und-landnahme/

Aus Mails:

gratuliere zum Auguststraßen-Blog! Ist schön, daß jemand mitschreibt, was hier so alles passiert. F.S.
23 Jul 2007

Vielen Dank für das Engagement für die Auguststrasse. J.A.
26 Dec 2008

Toll! Liebevoll. Bunt. Klar. Die Seite macht Spass. Und wird frisch
gehalten.T.M.
4 Mar 2009

Einen schöne Website, die ich da gefunden habe: http://auguststrasse-berlin-mitte.de
Danke. K.D.M
30 Mar 2009

Wettbewerb:

2007 nominiert beim internationalen Wettbewerb der Deutsche Welle: “The BOBs – Best of the Blogs” unter den 10 “Besten deutschen Blogs”

Das Große im Kleinen: Der Blog befasst sich mit einer einzigen Straße in Berlin, Fotos, Veränderungen – und zeigt damit eine ganze Welt.
Deutsche Welle

Printmedium:

Der Blogger Robert Engelhardt macht
eine ungewöhnliche Website über die Spandauer Vorstadt

Ein Blick aus dem Fenster auf die Auguststraße. Die Baulücke, wo demnächst eine private Kunsthalle gebaut werden soll. Die Mulackstraße 22 im Jahr 1990. Ein Blick von oben auf den “walk auf fashion”, das jährliche Modespektakel in der Spandauer Vorrstadt, das aus dieser Perspektive wie eine surreale, zwischen den Häusern fremd wirkende Inszenierung wirkt – was es ja letzten Endes auch ist.
Solche Bilder findet man auf der Website auguststrasse-berlin-mitte.de.
Es ist eine Website über die Spandauer Vorrstadt, die für Durchschnittstouristen, Vergnügungswillige oder Szenevolk nur höchst begrenzten Nutzwert hat. Sie ist auch gar nicht als touristischer Wegweiser gemeint. Es geht nicht um Veranstaltungen oder locations, nicht um bekannte Adressen. Die Rubriken heißen »Fensterblicke«, »Baum fällen«, »Eine Trinkwassserleitung wird erneuert«, »Wegwerfen und finden«, »Wahlkampf 2005«, Street Art« oder »Wendezeit«. Die Website ist wie ein Kaleidoskop, in dem sich viele kleine Splitter, Alltagsmomente und -beobachtungen zu immer neuen facettenreichen Bildern und Perspektiven zusammensetzen. Es ist eine persönliche Topographie, die Robert Engelhardt mit dieser Website seit genau einem Jahr zu zeichnen versucht.
»Die Aktualität erstickt die Gegenwart.« Diesen Satz, der irgendwann in den 8oern kursierte, zitiert Robert Engelhardt, wenn man ihn nach seinen Motiven fragt. Es geht ihm eben nicht um die Aktualität, sondern urn die Gegenwart, die ja immer auch Vergangenheit birgt. Und Vergangenheit hat Robert Engelhardt schon immer interessiert. Er kommt eigentlich aus Nürnberg und hat dort den Kampf um den Erhalt der Altstadt miterlebt. Vor 3o Jahren zog er nach Westberlin und beschäftigte sich viel mit der Stadtgeschichte, vor allem über Ausstellungen: Zur 750- Jahr-Feier arbeitete er an der Kreuzberg-Ausstellung mit, eine Zeitlang gaben sie in Kreuzberg zudem eine Zeitung heraus, die »Schattenlinien«. Auch an einer Ausstellung über Walter Rathenau war er beteiligt. Und Anfang der 90er organisierte er eine Ausstellung zum 100. Geburtstag Walter Benjamins.
Da war er schon mit seiner Familie in die Spandauer Vorstadt gezogen. Das Gebiet hatte ihn
angezogen, gerade weil es so viel Geschichte barg – sichtbare und unsichtbare. Und weil es damals noch eine ganz eigene Atmosphäre hatte, die jemanden wie Robert Engelhardt unweigerlich anziehen musste: die alte, teils verfallende Bausubstanz, das Unspektakuläre, Unaufgeregte des Kleine-Leute-Quartiers, die verblüffende soziale Mischung. Spinner, Bürgerbewegte, Alte, Junge, Trinker, Studenten, Malocher, Akademiker, die Neuen und die Alteingesessenen.
Ihn störte jener Nachwende-Zeitgeist, der die Wende und den Mauerfall als »Ende der Geschichte« ideologisierte. Es war ihm zu platt. Stattdessen interessierten ihn Orte wie die Mulackstraße 22, ein äußerlich unspektakuläres, bemerkenswertes Haus mit ebensolchen Bewohnern, in dem auch er bald heimisch wurde, in dem die »Ratten 07« spielten und wo der Westberliner Verein »Institut für Heuristik« mit dem Ostberliner »Klub der Wissenschaft im Magnushaus« ein Wissenschaftshaus gründen wollte.

Seine Familie wurde heimisch im Gebiet. Seine Kinder gingen hier zur Schule, er arbeitete: beim Kulturbündnis Förderband e.V., in der Kinderbibliothek oder bei Akku e.V., die damals noch in der Alten Fleischerei in der Alten Schönhauser Straße saßen. Er war offiziell Berater für Jugendkulturarbeit, aber wen interessierte damals schon, wie irgendwas offiziell bezeichnet wurde, es griff ja eh alles irgendwie ineinander und hatte irgendwie miteinander zu tun. Der Kiez, die Leute, die Arbeit, die vielen Netzwerke, die sich ganz selbstverständlich uberschnitten.
Robert Engelhardt interessierten auch die Oberflächen, weil sich darunter viele andere Schichten verbergen. Wenn er versucht, das Geschehen unter den Oberflächen zu beschreiben, geschieht das oft assoziativ. Auf den ersten Blick fast pointillistisch, nahezu zufällig stehen auf der Website Fotoserien, literarische Zitate, Informationen, Fremd- und eigene Texte nebeneinander, der Abriss des Palasthotels gehort genauso dazu wie Takafumi Haras dokumentarische Kunstaktion von 2004 im Gebiet, »signs of memory«. Es gibt Engelhardts Blog, und es gibt Links zu anderen Sites, ohne Anspruch auf irgendwelche Vollständigkeit. Aber all das wirkt nur auf den ersten Blick zufällig: wer den Faden aufnimmt, entdeckt eine »mental map«, eine persönliche Landkarte, eine explizit subjektive Topographie.
Es ist eine Form der Kommunikation, die Engelhardt gem noch ausweiten wurde (»Man bräuchte ein Netzwerk von mindestens 30 Bewohnerblogs«) und auf die er kam, als sich immer mehr Bilder sammelten, aufgenommen mit seiner Digitalkamera, und als im letzten Jahr erneut die Berlin Biennale der KunstWerke das Quartier dominierte. Für Engelhardt war das eine wichtige Motivation, er fragte sich, warum man es eigentlich den KunstWerken überlassen sollte, die Auguststraße zu beschreiben, und wer eigentlich die Definitionsmacht hat.
Auf diese Frage hat Engelhardt mit seiner stillen, unaufgeregten Website eine ganz eigene Antwort gefunden: Die Definitionsmacht gehort niemandem. Und es kommt nicht darauf an, wie Laut und spektakulär jemand etwas für sich reklamiert, sondern ob man die Schichten unter der Oberfläche wahrnehmen und beschreiben kann. Bewusst subjektiv, ohne einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Ulrike Steglich im stadt.plan.mitte Nr.52, September 2007

2 Kommentare zu '3 Jahre AUGUSTSTRASSEN-Blog'

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  1. am 5. Aug. 2009

    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

  2. Ferran sagt,

    am 10. Aug. 2009

    Es ist nicht leicht, ein Blog regelmässig mit interessanten Themen zu “füttern”. Deshalb, zweimal herzlichen Glückwunsch!

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