AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Berlin Fashion Week

Berlin Fashion Week

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Innen Fashion, außen Dreck” titelte die Zeit.
“Es ist nicht nur das Wetter, die Stadt selbst ist im Grunde völlig ungeeignet für die glänzende Aura der zur Schau getragenen Couture – so unreflektiert unprätentiös, dass es an Frechheit grenzt. Berlin ist nicht Paris, wo die Leute in kleinen Dachkammern hausen, um sich die richtigen Schuhe für die Boulevards draußen leisten zu können. Der Berliner will einen Südbalkon und es ist ihm von ganzem Herzen egal, dass er dafür Jeans von der Stange tragen muss, deren Waschung aussieht, als sei die Blondierung in der Einkaufstüte explodiert. Seien wir ehrlich: Die Fashion Week in der deutschen Hauptstadt ist wie ein Konzert der Berliner Philharmoniker auf dem R’n'B-Floor einer Großraumdisco.”

Ja, BERLIN BLEIBT DRECKIG. Und das ist auch gut so.

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2016-01-21

Berlin Geschichte - Spartakus

“Am 4. August 1914 hat die deutsche Sozialdemokratie politisch abgedankt” mit diesem Satz beginnt Rosa Luxemburg ihren Grundsatzartikel in der neuen Zeitschrift ‘Die Internationale’. Die erste Nummer im April 1915 ist aus Gründen der Zensur zugleich die letzte. Dennoch: Die Linksopposition innerhalb der SPD formiert sich. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring, Ernst Meyer, Juliau Marchlewski, Leo Jogiches, Hermann und Käte Duncker, Wilhelm Pieck, Paul Schwenk, Luise Zietz. (…)
Der Unwille in Partei und Gewerkschaften wächst. Mehr als eintausend Sozialdemokraten unterzeichnen im Juni 1915 einen offenen Brief mit der Forderung, „daß Fraktion und Parteivorstand endlich ohne Zaudern dem Parteiverderben Einhalt tun, den Burgfrieden aufsagen und auf der ganzen Linie den Klassenkampf nach den Grundsätzen des Programms und der Parteibeschlüsse, den sozialistischen Kampf für den Frieden eröffnen.”

Am 1. Januar 1916 veranstaltet die Gruppe Internationale im Anwaltsbüro der Brüder Liebknecht, Chausseestraße 121 ihre erste Reichskonferenz. Über dieses illegale Treffen schreibt Käte Duncker ihrem zum Kriegsdienst eingezogenen Mann: „Gestern war eine größere Familienbesprechung zusammen mit Onkel Franz und Karl. Es handelt sich um den Nachlaß von Tante Rosa. Da waren natürlich auch die Verwandten aus den übrigen Orten gekommen, aus Stuttgart; Frankfurt, Leipzig, Chemnitz, Jena, Erfurt, Braunschweig, Düsseldorf”.

Die Geburtsstunde des Spartakusbundes.

Agitation. Ein engmaschiges Vertriebsnetz für Flugblätter und Broschüren wird geknüpft; mit geheimen Depots in Gartenlauben, Kellern und auf Dachböden. Und im Atelier des Malers Alfred Stiller, Blücherplatz 2, laufen ab 1917 die organisatorischen Fäden zusammen.

(…)

Spartakusaufstand 1919

“Alle Macht den Räten”, lautete die zentrale Zielsetzung des Spartakusbundes. “Alle exekutive, alle legislative, alle richterliche Gewalt bei den Arbeiter- und Soldatenräten.” Liefe das Rätesystem auf die Diktatur des Proletariats hinaus? Würden Adel und Bürgertum vom Wahlrecht ausgeschlossen sein? „Zur Wahl der Arbeiter-und Soldatenräte schreitet das gesamte erwachsene werktätige Volk in Stadt und Land und ohne Unterschied der Geschlechter.”

Arbeiterräte oder Nationalversammlung, Rätesystem oder Parlamentarismus — diese grundsätzliche Streitfrage wurde schließlich durch Waffengewalt entschieden. Auslöser der Kampfhandlungen war die Entlassung des linken Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn, Mitglied der USPD. Seine Partei rief zum Massenprotest, und die Massen kamen. Zweihundertfünfzigtausend Arbeiter, nicht wenige bewaffnet, zogen am 5. Januar 1919 von der Siegesallee durch das Brandenburger Tor zum Alexanderplatz und bekundeten vor dem Polizeipräsidium ihre Solidarität. Unter dem Eindruck solch gewaltiger Resonanz rief ein eilig gebildeter Revolutionsausschuß zum Sturz der Regierung auf. Kommandos besetzten das Zeitungsviertel und öffentliche Gebäude. Vergebens. Die von Ebert und Noske („Einer muß der Bluthund werden”) aufgebotenen konservativen Truppen erwiesen sich als militärisch überlegen; Karl Liebknechts „freie sozialistische Republik” mußte ein Wunschtraum bleiben.

Text: Berger, Joachim, Berlin freiheitlich & rebellisch, Berlin 1987

siehe auch:

Berlin Geschichte - Zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg

2016-01-05