AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Der Abriss des Jahres: das Leineweber- und das Aschinger-Haus

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FOTO : Willy Pragher 1955 Landesarchiv Baden-Württemberg

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FOTO : Willy Pragher 1981 Landesarchiv Baden-Württemberg

“Niemand weint der Schmuddelecke eine Träne nach.”, wurde im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung behauptet. Die Berliner Tageszeitungen waren sich auch einig: “doch eigentlich war das Wort schmuddelig noch zu mild” schrieb die Morgenpost, “betrat man die „Arkaden“ am Beate-Uhse-Museum, diesen düsteren, stinkenden, von Kreaturen der Nacht bevölkerten Tunnel, der entlang der Joachimsthaler Straße zum Bahnhof Zoo führte, dann war man an einem finsteren Ort - das Land Mordor von West-Berlin. Sex-Shops mit Video-Kabinen, Pfandleiher, Spielhalle, ein heruntergekommener Donut-Laden, Sportwetten, Döner-Buden und China-Imbisse, dann wieder Sex. World of Sex.”

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FOTO : REINER LINKE März 2015

Für mich verschwand (wieder) ein Stück Westberlin mehr.
Unvergessen sind für mich die Zeiten, als man noch “nach Westdeutschland” fuhr, auch wenn man nach Süddeutschland wollte.
Als der Bahnhof Zoo noch ein Fernbahnhof war und es noch Nachtzüge gab. Zum Beispiel in Nürnberg um 24 Uhr in den Zug steigen, ein leeres Abteil finden und die Sitze zu einer grossen Liegefläche ausziehen. 2 Stunden später Grenzkontrolle und dann ungestört schlafen und um 6 Uhr morgens am Zoo ankommen.
Und dann in das PRESSECAFE im Aschinger Haus, was immer offen hatte: wieder in Westberlin, zuhause.

In das Pressecafe zog dann irgendwann ein Burger King ein.

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Bahnhof

“Als eines der deutlichsten Beispiele mit welcher fast unscheinbaren Brachialgewalt eine Ökonomisierung von Räumen voranschreitet, kann man an der Umstrukturierung der deutschen Bahnhöfe in Shopping Malls mit Fahranschluss erkennen. Bahnhöfe waren in früheren Zeiten ein Inbegriff des Öffentlichen Raumes. Bahnhöfe hatten immer einen besonderen Charme, ein Charisma, keinesfalls immer positiv konnotiert. Vor allem mit dem Blick eines profunden Szenekenners war es relativ schnell sichtbar, welche Szene sich an welchen Orten des Bahnhofs aufhielt: die Stricher – Jungs und die sich auf der Suche befindlichen Freier, die „Drogis“, die Prostituierten, Punks und Straßenkids, Kleinkriminelle, Taschendiebe und Schließfachspezialisten … und dazwischen die Szene der normalen Bahnreisenden, die zum Teil die einzelnen Szenen gar nicht wahrgenommen haben – Treffpunkt Bahnhof.” (1)

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GARSKI - Berliner Sumpf

Dietrich Garski, Bauherr und Architekt des Aschinger-Hauses, 1973 an das Leineweber-Haus angebaut und mit einer Passage verbunden, steht in der langen Geschichte der Berliner Bau- und Korruptionsskandale.
1978 gewährte der Berliner Senat dem Bauunternehmer Garski eine Bürgschaft von 112 Mio. DM für ein Bauprojekt in Saudi-Arabien. Mitverantwortlich dafür war auch der Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe (SPD). Als Garski 1980 pleite ging mußte der FDP/SPD-Senat Anfang 1981 zurücktreten.
Von dem Machtvakuum, das durch den Legitimationsverlust des Berliner Senats entstanden war, profitierte dann die Hausbesetzerbewegung.

PEEPSHOW

“Heute, im Zeitalter des Internet-Sex, sind Peepshows nur noch eine skurrile Fußnote der menschlichen Kulturgeschichte.” (2)
In der Aschingerhaus-Passage gab es eines der ersten Peepshows in Berlin. Gerne erzähle ich diese Anekdote: ich kannte einen der Dolmetscher Michel Foucaults während des Tunix-Kongresses 1978, und er erzählte, er mußte während einer Kongress-Pause mit Foucault die Peepshow aufsuchen, weil Foucault unbedingt mal so eine Peepshow besuchen wollte.

Und das soll jetzt gebaut werden - 9200qm Einzelhandelsfläche und Büros:

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(C) Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten

1 http://www.sozialraum.de/treffpunkt-strasse.php
2 http://www.spiegel.de/einestages/sex-in-den-siebzigern-a-949717.html

Zur Hausbesetzerbewegung siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-westberliner-hausbesetzerbewegung

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-berliner-linie-der-vernunft

2015-12-23

Sanierung der Gasleitung

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In letzter Zeit wurde die neue Gasleitung an der Ecke Auguststraße Tucholskystraße verlegt.

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Schade daß die Baustelle an der Ecke bald abgeschlossen ist: es war eine schöne Verkehrsberuhigung für einen Teil der Straße.

siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/eine-gasleitung-wird-erneuert

2015-12-14