AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Mode und andere Traditionen

Modedreieck

Für viele ist die Gegend um die U-Bahnhöfe Weinmeisterstraße und Rosenthaler Platz “das Modemekka Berlins und ein Shoppingparadies für alle stilbewussten Modefreunde” für andere ein Ort mit ganz anderen Traditionen: kaum etwas erinnert heute daran, das die Spandauer Vorstadt und Umgebung Anfang der 90er Jahre ein Viertel mit vielen besetzten Häusern war.
Eine (unvollständige) Liste:
Almstadtstr.24, Alte Schönhauser Str. 43/44, Auguststr.10, Auguststr.22, Auguststr.27, Auguststr.70,
Bergstr. 68, Bergstr. 81, Bergstr.64, Brunnenstr. 183, Brunnenstr.182, Brunnenstr.7,
Gormannstr. 5,
Kleine Hamburger Str. 5,
Linenstr. 206, Linienstr. 158,
Mulackstr. 22
Neue Schönhauser Str. 13, Neue Schönhauser Str. 9,
Oranienburger Str. 5, Oranienburger Str. 64, Oranienburger Straße 52/53,
Steinstr. 28, Steinstr.19,
Tucholskystraße 30, Tucholskystraße 32, Tucholskystraße 34.

Modedreieck Diesel Store
Neue Schönhauser Str. 21

Als ich gestern das Schaufenster des Diesel-Ladens gesehen hatte, dachte ich erst an einen Werbegag des Modekonzerns. Doch die Berliner Abendschau wußte, die Farbe stehe im Zusammenhang mit der drohenden Räumung eines Anfang der 90er besetzten und später legalisierten Hauses in Friedrichshain, Liebigstrasse 14, das jetzt luxussaniert werden soll.
Die RBB-Abendschau vom 30.01.11:
“Bis zur Räumung der Liebigstrasse 14 wird die Stadt nicht zur Ruhe kommen”

Liebigstrasse 14

Demonstration gegen Polizeigewalt und Gentrifizierung

Am Freitag gab es eine Demonstration vom Rosenthaler Platz aus durch Mitte, “Gegen Polizeigewalt und Gentrifizierung” …

Demonstration gegen Polizeigewalt und Gentrifizierung

Demonstration gegen Polizeigewalt und Gentrifizierung

gentrifikation1.jpg

2011-01-31

Autos in der Spandauer Vorstadt

Autos in der Spandauer Vorstadt

Der Autoverkehr läßt sich schwer zähmen: an die lange eingeführten Tempo 10-Zonen hält sich fast keiner

Autos in der Spandauer Vorstadt

die Spandauer-Vorstadt-Poller werden ständig umgefahren

man feiert Fashion Week Auto-Lifestyle

sp38.jpg

free fashion 4 pigs von SP38

2011-01-24

Neubauten im Denkmalkontext - Linienstrasse 219

Rueckerstr. 4

Rückerstr. 4

Das 1885 entstandene Vorderhaus Rückerstr. 4 neben der Linienstrasse 219

“Während der Ausgangspunkt für die Gestaltung der Neubauten des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in der Spandauer Vorstadt die Weiterentwicklung im Sinne einer langfristigen Umgestaltung war, müssen Neubauten heute das Erhaltungsziel des Denkmalensembles und des städtebaulichen Erhaltungsgebietes berücksichtigen. Dies bedeutet keineswegs eine Musealisierung oder Anbiederung. Ganz im Gegenteil sollten Neubau selbstbewusst als neue Bestandteile des Denkmalensembles begriffen werden, die allerdings den überkommenen Bestand des Denkmalensembles und die für den Bereich charakteristischen Eigenarten respektieren und sich im Denkmalkontext durch Baukörpergliederung, Höhenentwicklung, Gestaltung und Material nicht ignorant verhalten.”
Norbert Heuler, Neubauten in der Spandauer Vorstadt
Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte, Ein Kunst- und Denkmalführer, Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin 2002

Linienstrasse 219

Linienstrasse 219

siehe auch: Neubauten in der Spandauer Vorstadt

und: Linienstrasse 219

2011-01-18

Mädchenschule - Grillen in der Turnhalle

SP-38 WHO KILLS MITTE

Am Freitag wurde auf einer Pressekonferenz die künftige kommerziell-kulturelle Nutzung der ehemaligen Mädchenschule, Auguststraße 11-13, vorgestellt und Michael Fuchs präsentiert seinen ersten Untermieter: das Restaurant Grill Royal.
Michael Fuchs, der zusammen mit Michael Haas seit 1996 die Galerie Haas & Fuchs in Charlottenburg betreibt, möchte “die in den vergangenen Jahren als Kunstmeile zunehmend verödete Auguststraße wieder beleben.”
Die WELT: “Eine Kunstmeile in der Krise
… Abgesehen vom Ost-Urgestein Judy Lybke wirken die verbliebenen Galeristen müde, die gezeigte Kunst uninspiriert. Höhepunkt der Bauernfängerei ist bisher der Angeberbau von Thomas Olbrichts “Me Collection”. Immer mehr Galeristen ziehen aus Mitte zurück in den Berliner Westen - nach Charlottenburg oder Schöneberg.

Und weiter: “Die ersten Mieter, die sich an dieser kommerziellen Nutzung beteiligen, sind schon gefunden. Das Team des Berliner Szene-Restaurants Grill Royal wird in das Erdgeschoss ziehen, der Vertrag ist erst am gestrigen Freitag unterzeichnet worden. (…)”Wir haben uns in dieses Gebäude verliebt”, sagt Radczun. Dabei soll das neue Restaurant kein Ableger sein, sondern mit ungewöhnlichen Koch- und Designideen auch ein anderes Publikum ansprechen. “Das Preisniveau wird deutlich unter dem des Grill Royal liegen”, sagt Paul. Neben einer Bar, einem Weinladen und einer Bäckerei soll es auch ein Kochstudio geben, koschere Gerichte inklusive.”

Die TAZ berichtete aus der Pressekonferenz:
“Die Auguststraße ist eine gastronomische Achse. Wir wollten etwas Hochwertiges, keine Allerweltsadresse”, begründete Boris Radczun, einer der Betreiber des Grill Royal, die Entscheidung, sich in der “Mädchenschule” einzumieten. So soll die Auguststraße 11-13 auch in Zukunft heißen.(…)

Und die BZ:
“Aber bei der Bekanntgebungs-Pressekonferenz kamen erstaunlich nörgelig-skeptische Journalistenfragen: „Wird das auch ein Promi-Restaurant, wo Normalbürger in Jeans abgewiesen werden?“ Antwort Landwehr: „Im Grill Royal gibt es keinen Türsteher. Bei uns ist jeder willkommen, egal, wie er aussieht!“ – „Wird der Kunstraum kommerziell?“ Antwort Fuchs: „Ja. Man kann Kunst kaufen und verkaufen. Wir müssen ja unsere Miete bezahlen.“ – „Warum hat man den Mitbewerber, die wichtige Berliner Galerie c/o, so vor den Kopf gestoßen und nicht berücksichtigt?“ Antwort von Dr. Jochen Palenker, Finanzdezernent der Jüdischen Gemeinde (und der hauptverantwortliche Verhandler): „Unsere Gemeinde gibt es seit 340 Jahren in Berlin. Die c/o-Galerie seit etwa zehn. Daran sehen Sie vielleicht, was uns wichtiger ist. Vor allem hat die Galerie keinerlei gesicherte Finanzen vorgewiesen. Die sollen jetzt bitte nicht wie ein beleidigter Liebhaber jammern.“

Ach ja, das c/o

Nachdem C/O im Sommer erfahren hatte, dass sie das Postfuhramt verlassen muss, hatte Galerie-Chef Pott zunächst versucht, das Standortproblem mit einem Neubauprojekt zu lösen. Der Architekt hatte dafür einen Glasbau entworfen, der im Monbijoupark Platz finden sollte.
Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe: “Der gültige Bebauungsplan sieht dort eine Grünfläche vor, und dabei soll es bleiben”. Zudem sei es gefährlich, extra für die Galerie eine Ausnahme zu machen. “Auch andere Interessenten könnten dann einfordern, ebenfalls bauen zu dürfen”, argumentiert Gothe.

Peter von Becker meinte dazu im TAGESSPIEGEL: “Wo jetzt Ödnis herrscht und wo Berlin statt nur einer weiteren Pinkelwiese eine hochattraktive Verbindung zwischen Museumsinsel und Galerieviertel bekommen könnte, müsste mit gemeinsamem Willen auch der bestehende Bebauungsplan zu ändern sein.”

siehe auch: Auguststrasse 11-13

2011-01-09

UPDATE:
“Doch klar ist, dass es sich hier um die Kunstmarkt-Interpretation eines Gentrifizierungs-Plans handelt, der für das Nebeneinander von Wohnen, Handel und Produktion unter einem Dach steht. Stephan Landwehr vom „Grill Royal“, geübt im charmanten PR-Small-Talk, sprang dem Galeristen bei: „Ein offenes Haus soll es werden.“(…)
Für die Auguststraße als Keimzelle der Berliner Kunstszene nach der Wende bleibt derweil zu hoffen, dass die Mädchenschule kein zweiter Aufguss des egomanisch aufgemotzten ME Collector’s Room schräg gegenüber wird.”
schreibt das artnet

2011-01-11

Kulturhaus Mitte - geschlossen seit Dezember 2010

Kulturhaus Mitte

Das im Hinterhaus der Auguststraße 21 gelegene Gebäude beherbergte bis Ende Dezember 2010 das Kulturhaus Mitte, ab Sommer 2011 wird es dann als Grundschule genutzt. Damit endet die Geschichte eines der ältesten Berliner kommunalen Kulturhäuser, seit den 50er Jahren am Standort Rosenthaler Straße 51, seit 1999 in der Auguststraße 21.
2009 mußte schon das Theaterhaus Mitte, ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kulturamt Mitte und Förderband e.V., aus dem Schulgebäude am Koppenplatz ausziehen, heute die ‘Grundschule am Koppenplatz’.
Ist denn die Fertilitätsrate (Zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer) in der Spandauer Vorstadt so stark gestiegen oder meiden viele Eltern, auch wenn sie eher in der Nähe z.B. der Gustav-Falke-Schule wohnen, ihre Kinder nördlich der Bernauer Straße einzuschulen? Denn während die Grundschulen südlich der Bernauer Straße überfüllt sind, brechen der Gustav-Falke-Grundschule die Schülerzahlen weg: von ehemals 600 auf heute knapp 350. Die Grundschule braucht daher dringend die Schüler aus Alt-Mitte

siehe: Die soziale Trennungslinie

Hat deswegen das Bezirksamt Mitte im Herbst 2010 die freie Schulwahl im Bezirk eingeführt?
“Die kleinteiligen Einzugsbereiche sollen komplett abgeschafft werden. Zwischen Moabit, Wedding und Alt-Mitte soll es nur noch 10 sogenannte Sprengel geben. Innerhalb eines Sprengels befinden sich mindestens 5 Grundschulen an denen die Eltern ihre Kinder anmelden können. Dadurch entsteht eine weitgehend freie Schulwahl.”
http://www.grundschulen.net/34-eltern-sollen-kunftig-die-schule-fur-ihr-kind-frei-wahlen-konnen.html

Kulturhaus Mitte

Als kommunale Kultureinrichtung war das Kulturhaus durch seine Veranstaltungen weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt, insbesondere durch bestimmte Konzertreihen wie Jazz / Improvisierte Musik und Hörspiele zum Zugucken. Profilbestimmend waren darüberhinaus regelmäßig stattfindende Kleinkunstprogramme (Lesungen, Konzerte, musikalisch- literarische Programme, kleine Theaterproduktionen) insbesondere an den Wochenenden, die eine intensive und differenzierte Auftrittsatmosphäre erlaubten: konzertante Formen und die Nähe zwischen Künstler, Veranstalter und Publikum - im Gegensatz zu Veranstaltungsorten mit rein kommerziellem Charakter.
Besonderer Schwerpunkt im Kulturhaus war die künstlerische Förderung und Bildung von Kinder und Jugendlichen. Dies geschieht in den Einrichtungen “Kinderatelier Farbklang”, “Klezmerzentrum” und der Trickfilmwerkstatt “Lackritzelei”.

Geschichte:
1895 entstanden die Gebäude für die 10. städtische Realschule nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Hermann Blankenstein
Noch bis 1998 wurde das Hofgebäude als Schule mit wechselnden Schulangeboten genutzt:
bis 1933 Realschule
von 1933 bis 1947 Berufschule für das Bekleidungs- und Friseurgewerbe
von 1949 bis 1955 Grundschule (1. bis 8. Klasse)
dann bis 1967 die 11.Allgemeinbildente Polytechnische Oberschule
1968 bis 1973 Polytechnisches Zentrum
1973 bis 1997 Sehschwachenschule.
1999 zog das Kulturamt, das sein angestammtes Quartier in der Rosenthaler Straße verlassen musste, in das Gebäude.

2011-01-06