AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Aus dem Archiv: Schönhauser Tor 1992

Schoenhauser Tor 1992

Schoenhauser Tor 1992

“Die Unzufriedenheit mit unserer gebauten Umwelt resultiert zu einem guten Teil aus der Aufdringlichkeit
der gebauten Objekte, mithin aus ihrem anmaßenden Anspruch auf den Status als Kunst.” (Gerrit Confurius)

Benjamin sagte:” Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch dessen Wahrnehmung..(..)..taktil und optisch” :
(…) Die Architektur bot von jeher den Prototyp eines Kunstwerks, dessen Rezeption in der Zerstreuung und durch das Kollektivum erfolgt. Die Gesetze ihrer Rezeption sind die lehrreichsten.(…)Bauten begleiten die Menschheit seit ihrer Urgeschichte. Viele Kunstformen sind entstanden und sind vergangen.(…) Das Bedürfnis des Menschen nach Unterkunft aber ist beständig. Die Baukunst hat niemals brach gelegen. Ihre Geschichte ist länger als die jeder anderen Kunst und ihre Wirkung sich zu vergegenwärtigen von Bedeutung für jeden Versuch, vom Verhältnis der Massen zum Kunstwerk sich Rechenschaft abzulegen. Bauten werden auf doppelte Art rezipiert: durch Gebrauch und durch Wahrnehmung. Oder besser gesagt: taktil und optisch. Es gibt von solcher Rezeption keinen Begriff, wenn man sie sich nach Art der gesammelten vorstellt, wie sie z. B. Reisenden vor berühmten Bauten geläufig ist. Es besteht nämlich auf der taktilen Seite keinerlei Gegenstück zu dem, was auf der optischen die Kontemplation ist. Die taktile Rezeption erfolgt nicht sowohl auf dem Wege der Aufmerksamkeit als auf dem der Gewohnheit. Der Architektur gegenüber bestimmt diese letztere weitgehend sogar die optische Rezeption. Auch sie findet von Hause aus viel weniger in einem gespannten Aufmerken als in einem beiläufigen Bemerken statt. Diese an der Architektur gebildete Rezeption hat aber unter gewissen Umständen kanonischen Wert. Denn: Die Aufgaben, welche in geschichtlichen Wendezeiten dem menschlichen Wahrnehmungsapparat gestellt werden, sind auf dem Wege der bloßen Optik, also der Kontemplation, gar nicht zu lösen. Sie werden allmählich nach Anleitung der taktilen Rezeption, durch Gewöhnung, bewältigt.

(Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im
Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
– Drei Studien zur Kunstsoziologie,
Frankfurt am Main 1977, S. 41)

Der Architekt der Linienstrasse 40, Roger Bundschuh, schrieb mir: “… Mir gefällt das Grau der Fassade ausnehmend gut, wenn ich irgendwelche Kritik hätte dann höchstens die, dass die Oberfläche zu glatt und nicht rough genug geworden ist.(…) Aber ich bin wirklich sehr zufrieden, ich kann mich auch beim allerbesten Willen nicht erinnern etwas gegenteiliges (noch dazu einem mir völlig Unbekannten!) gegenüber geäussert zu haben … ”

2010-04-20

… es polarisiert

Linienstrasse 40
Linienstraße 40

Wenn ich Neubauten in der Spandauer Vorstadt fotografiere und beobachte, das sich andere auch gerade für dieses Gebäude interessieren, spreche ich gerne an und frage nach: “Wie gefällt Ihnen denn das Haus …?”

Als das Foto entstand war es auch so, die Antwort: “Eh .., ich habs gebaut”

Ubs … auf meine Anmerkung, das es im Deutschen Architekurforum heftig diskutiert wird (”heute auch dran vorbeigefahren. Sah’ aus wie ein Atlantikwall-Bunker. Wann werden denn die Geschütze montiert?”), die Antwort des Architekten: “Ja sicher, das Gebäude polarisiert, die graue Farbe gefällt mir aber auch nicht mehr, aber …”

Anscheinend “polarisiert” der Neubau Auguststraße 68 des Architekturbüros Hans Dittmann, die Kunsthalle des Kunstsammlers Thomas Olbrich, genauso.

Tim Ackermann meinte in der WELT am 11. April: “Mit seinen wuchtigen Proportionen und der Glas- und Betonfassade hebt er sich von den umliegenden Altbauten ab. Drängelt sich mit gewisser Brutalität in die Straße hinein. Das hat diejenigen alarmiert, die aus Berlins Mitte am liebsten ein ästhetisches Freilichtmuseum aus Zilles Zeiten machen würden. Übersehen wird, dass auch Disharmonie ein Gewinn sein kann. Olbrichts Bau polarisiert, so wie der etwas unglückliche Titel seines Ausstellungshauses: “me Collectors Room Berlin”.”

Aha - es polarisiert …

siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/auguststrasse-68-wunderkammer
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/das-demokratische-nichts-baubeginn-auguststrasse-68
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/auguststr68

2010-04-14

… will nicht Dein Freund sein …

… merkt SP38 an

SP38
Auguststraße 57

Inzwischen haben die Kunstbanausen vom Stromkonzern Vattenfall mal wieder alle Plakate an der Fassade des Umspannwerkes Auguststraße 56-57 entfernen lassen:

auguststrasse 57

unlimited
Kleine Auguststrasse

2010-04-01