AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus

Es war nicht alles schlecht im Kapitalismus

Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Erwerbslosen- und Sozialprotestorganisationen, entwicklungspolitischen und antikapitalistischen Gruppen mobilisiertem unter dem Motto “Wir zahlen nicht für eure Krise! - Für eine solidarische Gesellschaft” zu den Demonstrationen gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung. Sie beteiligen sich damit an einem internationalen Aktionstag.

Wir zahlen nicht für eure Krise

Wir zahlen nicht für eure Krise
Am 28.3. zog die Berliner Demonstration mit mehr als 25 000 Menschen durch die Spandauer Vorstadt.
Bericht auf indymedia

Wir zahlen nicht für eure Krise

Wir zahlen nicht für eure Krise

2009-03-30

Die Produktion des städtischen Raums

Henri Lefèbvre
Die Produktion des städtischen Raums

Die Unterscheidung zwischen Tauschwert und Gebrauchswert ist im marxistischen Denken von zentraler Bedeutung. Im »Kapital« bestimmt Marx in der Tat die Beziehung zwischen diesen beiden Formen des Werts als einen logischen Widerspruch, indem er sie einander gegenüberstellt als die beiden Pole eines in der Sache – der Ware – begründeten Gegensatzes. Noch heute entfaltet sich im Raum der modernen Gesellschaft ein verschärfter und heftiger Konflikt zwischen diesen beiden Formen des Werts – zwischen einem Raum, der immer mehr zum Tauschwert wird, und einem noch bewohnten Raum, der nur noch in dem Maße Gebrauchswert hat, wie ihn der Tauschwert nicht völlig zerstören konnte oder zum Verschwinden bringt.

So sind z.B. alle historischen Räume, der Raum der Dörfer und die Räume vorkapitalistisch geprägter Landschaften noch Träger von Gebrauchswerteigenschaften. Der Tourismus bewirkt, dass man sich auf sie stürzt, er unterwirft sie dem Tauschwert und bringt sie dadurch zum Verschwinden.
Der Tauschwert selbst entwickelt sich in Richtung einer immer größer werdenden Abstraktion vom Gebrauchswert und führt schließlich zum Austausch bloßer Abstraktionen und Zeichen.
Die durch die Verstädterung hervorgebrachten Probleme stellen sich hier in aller Schärfe, denn sie betreffen Räume, die durch Spekulation und Investition von Kapital unmittelbar der Herrschaft des Tauschwertes unterworfen sind, obgleich der städtische Raum konkreten Gebrauch bedeutet, d.h. den Gebrauch konkreter Zeit. Soweit städtische Räume dem Tauschwert unterworfen werden, wird ihr konkreter Gebrauch erschwert.
(…)

2009-03-26
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POTTINGERS HAUS

POTTINGERS HAUS Maerz 2009

Eine dokumentarische Fiktion von Thomas Martius

Donnerstag, 19. März - Sonntag, 22. März

Beginn täglich um 15 Uhr, Ende spätestens um 23 Uhr
Der Beginn um 15 Uhr ist ein empfehlenswerter Einstieg in Pottingers Haus. Dennoch ist Kommen und Gehen jederzeit möglich. Die Bar hat geöffnet.

Kulturhaus Mitte
Auguststraße 21, 10117 Berlin

Kartenreservierung: telefonisch (030) 2888 44 33, per Email: Kulturhaus-mitte@web.de
Eintritt: Tageskarte 10 EUR (ermäßigt 8 EUR), Wochenkarte 12 EUR

www.kulturhaus-berlin-mitte.de

www.pottingershaus.de

Linienstraße 142/143.
Ein immer noch nicht saniertes Haus in der Neuen Mitte Berlins. Hier lebt und träumt Pottinger, ein Meister des Alltäglichen. Als dem Haus die Versteigerung droht, klärt Pottinger die Besitzverhältnisse und sein Verhältnis zur Realität. 1998 verschwindet er spurlos.

Thomas Martius schreibt ein Drehbuch über seinen Nachbarn Pottinger.
Im Jahr 2000 wird der Stoff unter seiner Regie verfilmt, doch der Film
kommt nie in die Kinos. Im August 2005 entsteht ein filmischer
Theaterabend, aufgeführt am Originalschauplatz Linienstraße, zusammen
mit Nino Sandow (Musik / Performance) und Neil Hennessy (Special
Sounds). Heute sitzt Martius allein auf der Bühne, umgeben von den
konservierten Klängen des Hinterhofs, neben dem Video. Ein Ensemble
von 22 Zeitzeugen kommt zu Wort, alte und junge Menschen, von der
Bardame über die Finanzberaterin bis zum Ofensetzer. Sie alle kannten
Pottinger. Und sie alle kennen das Viertel, von früher und von heute.
Auch auf Video: Peter Lohmeyer, Schauspieler. Der Hauptdarsteller des
unveröffentlichten Kinofilms erzählt von anstrengenden Dreharbeiten
und seinem Verhältnis zu Pottinger, Martius und zum Leben. Die
Aufführungsdauer schwankt je nach Situation. Für bequeme
Sitzmöglichkeiten ist gesorgt, die Bar hat geöffnet.

2009-03-15

Über den Tellerrand: Kann man kommunalen Entscheidungsträgern trauen?

Der Einsturz des Historischen Archivs am 3. März 2009 in der Kölner Severinstraße, ist eine menschliche und kulturhistorische Katastrophe, deren Ausmaß man erst langsam begreift. Vermutlich zwei Menschen verloren ihr Leben, mehr als 30 haben ihre Wohnung verloren, über 20 weitere dürfen ihre Wohnung nicht betreten, da die Gefahr eines Einsturzes zu groß ist.
Das Archiv war nicht nur eines der größten, sondern auch der ältesten Stadtarchive. Seit 1320 wurden die Beschlüsse des Rates protokolliert, und seit 1513 lagen sie lückenlos vor. Das „Gedächtnis” der Stadt Köln hütete Archivalien aus über 1000 Jahren Stadtgeschichte. Mehr als 65.000 Urkunden, 26 Regalkilometer Akten, 104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate, 780 Nachlässe und rund eine halbe Million Fotos wurden hier aufbewahrt – materielle Zeugnisse, die kulturelle Erinnerung begründeten und von Forscherinnnen und Forschern aus der ganzen Welt rege konsultiert wurden.

Ein großer Teil dieser Zeugnisse ist vermutlich unwiederbringlich zerstört.

2009-03-10

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“Die Strasse kann ja nichts dafür …”

sp38 - who kills miite

Seit Jahren ist SP38 mit seinen Plakaten und Kommentaren in den Strassen von Alt-Mitte aktiv.
Hier ein paar seit 2006 in der Auguststrasse gefundenen Arbeiten:

SP38SP38SP38SP38SP38SP38SP38SP38

In einen Interview mit der taz im Februar 2007 fragt er sich noch: »Aber wieso müssen wir gehen, nur weil jetzt die Yuppies kommen wollen«.

Im neusten Interview mit dem ND vom 4. März 2009 kündigt SP38 sein Weggehen aus Mitte an. Schade …
»Ich bin fertig mit Mitte, diesem Reichenghetto«, so der enttäuschte Künstler. Der Rosenthaler Platz habe sich verändert. Die »Fleischerei«, die ein Tonstudio, eine Druckerei und eine Galerie beheimatete, sei verschwunden. Der Sexshop sei ebenfalls weg, und nun habe auch der Buchladen an der Ecke geschlossen. Dafür prägen den Platz jetzt zwei neue Hotels. »Who kills Mitte?« fragt er auf seinen Plakaten. Früher sei Berlin »einzigartig« gewesen. Heute würde es durch die »Invasion des Kapitalismus« zunehmend seine Unterschiede zu anderen Metropolen verlieren.

viva la crise - sp38Krise Definition wikipedia
Definition Krise

“Die Straßen können nichts dafür”, wie mal eine Alt-Mitte-Aktivistin zu mir sagte …

2009-03-10

Mulack-Ritze und Münz-Glocke

Muenz Glocke Muenzstrasse
Anonym:
Straßenszene im Scheunenviertel
Foto 1929
Destillation.jpg
Heinrich Zille:
Destillation von Wilhelm Knötzsch
Amalienstraße/ Ecke Hirtenstraße
Foto um 1900

Mulackritze Mulackstrasse 10

Anonym:
Sodke’s Restaurant
Mulackstraße 15
später auch “Mulack-Ritze” genannt
Foto um 1900

Die Mulackritze, auch kurz Ritze genannt, war in den 1920er Jahren eine berühmt-berüchtigte Gaststätte in der Mulackstraße 15.
Zu den Stammgästen zählten unter anderen die Schauspieler Gustaf Gründgens, Marlene Dietrich und Claire Waldoff. Neben Persönlichkeiten aus dem kulturellen Leben Berlins verkehrten hier auch Personen aus der Berliner Unterwelt, wie der Gangster Adolf Leib, Chef des Ganovenvereins Immertreu.
1951 wurde die Mulackritze geschlossen und 1963 abgerissen. Charlotte von Mahlsdorf rettete die Inneneinrichtung vollständig, transportierte die Möbel mit einem Handwagen von Mitte nach Mahlsdorf und baute sie im Souterrain des Gründerzeitmuseums wieder auf.
Die im Gründerzeitmuseum befindliche, vollständig erhaltene Inneneinrichtung der Mulackritze stellt heute die einzige noch erhaltene Zille-Kneipe Berlins dar und ist für den Besucherverkehr zugänglich. Besonderer Magnet ist die ebenfalls komplett erhaltene Hurenstube (ein Hinterzimmer der Mulackritze), in der bizarre Liebesdienste praktiziert wurden.

Mulackritze Mulackstrasse 10

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mulackritze
Paul Thiel, Lokal-Termin in Alt-Berlin, Eulenspiegel Verlag, Berlin 1987

2009-03-02