AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Häuser mit Geschichte(n)

Auguststr. 24/25
Auguststr. 24/25
Auguststr. 23
Auguststr. 23
Auguststr. 10
Auguststr. 10

Vor kurzem fiel mir ein Buch in die Hände, ‘Berlin Mitte - Häuser mit Geschichte(n)’ (Berlin, Werl 2006).
Schnell erkennt man, das es hier nicht um GESCHICHTE geht, sondern es ist eine gebundene Imagebroschüre des Immobilien- und Bauträgerkonzerns Meermann Chamartin Gruppe.

Das VORWORT schrieb Lothar de Maiziére. Ein Auszug: ‘Geht der aufmerksame Spaziergänger heute, 16 Jahre nach Wende und Wiedervereinigung, durch die Spandauer Vorstadt, die Friedrich-Wilhelm-Stadt oder die Rosenthaler Vorstadt, stößt er allenthalben auf geschmackvoll und stilsicher rekonstruierte alte Gebäude oder sensibel in das städtebauliche Ensemble eingepasste Neubauten.
Und wie in dem grimmschen Märchen erhält er auf die Frage nach dem Eigentümer die stereotype Antwort: „Dies schöne Haus gehört dem König Drosselbart.” Neugierig geworden, wer denn wohl dieser König Drosselbart sei, stößt er immer wieder auf den Namen Heinz H. Meermann. Weitere Nachforschungen ergeben: Er stammt aus Werl in Westfalen und ist seit langem erfolgreich im Immobilien- und Bauträgergeschäft tätig. Nach der Wiedervereinigung kam er schneller als die Bundesregierung und so manch anderer Bedenkenträger in die Bundeshauptstadt und verliebte sich, so muss man vermuten, in die schöne, aber leider schwer vernachlässigte historische Bausubstanz in der historischen Mitte Berlins und besonders in der Spandauer Vorstadt und der Friedrich-Wilhelm-Stadt. Seither erweckt er ein Gebäude nach dem anderen - um bei den Brüdern Grimm zu bleiben - aus dem Dornröschenschlaf und verhilft ihm zu neuer Blüte. Auf diese Weise erlangen diese drei Quartiere nicht nur ihr Gesicht, sondern auch ihre Geschichte wieder.’

Häuser mit   Geschichte(n)

Weiter geht es im Text (von Rainer L.Hein) beispielsweise über die Auguststrasse:
‘Noch vor zehn Jahren dachte jeder Berliner, der durch die Auguststraße kam und einen Blick auf die Häuser links und rechts seines Weges warf, unwillkürlich an die Abrissbirne. Was sollte da noch zu retten sein?(…) Hinter bröckeldem Putz kam rostiges Drahtgeflecht zum Vorschein, Farbe an Fassaden, Fenster und Türen war nur zu erahnen - lediglich die hässlichen Markenzeichen der Graffiti-Szene stachen grell hervor (…)
Inzwischen hat sich die Auguststraße zu einer richtigen “schnukeligen” Meile herausgemacht und das düstere Image abgeworfen. Bis auf wenige Ausnahmen (…) dominieren Stück für Stück wieder architektonische Höhepunkte das Straßenbild, die an Preußens Blütezeit erinnern.’
(”Kaum ein Investor hat so viele Projekte in Berlin wie Heinz H. Meermann. Mehr als 20 Bauvorhaben und ein finanzielles Engagement von rund 600 Millionen Euro sind es derzeit in der deutschen Hauptstadt.” Isabell Jürgens 25. Juli 2008)

Zum Glück gibt es noch Häuser wie z.B. die Auguststraße 23, die Auguststraße 24/25 und die Auguststraße 10

Das Kunst- und Wohnprojekt Kule e.V. Auguststraße 10 zum Beispiel, ein von den BewohnerInnen in Eigenregie behutsam saniertes Haus.
Leitziel der Sanierung war nicht den Zustand in der Zeit “Preußens Gloria” wieder herzustellen, sondern, alle historischen Spuren einschließlich der Beschädigungen des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Vernachlässigung sollten erhalten bleiben, um so Geschichte als dynamischen Prozeß zu vermitteln (Mathias Weiß in Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte, Kunst- und Denkmalführer, Berlin 2006)

Eine über hundert Jahre alte Diskussion in der Denkmalpflege:

“konservieren, nicht restaurieren”

2009-02-18

Keine Buchhandlung mehr am Rosenthaler Platz

Buchhandlung Starick

Fast 62 Jahre gab es am Rosenthaler Platz einen Buchladen. 1991 übernahmen Margit Starick und Gerd Gerlach die damalige Heinrich-Heine-Buchhandlung.
Doch eine Mieterhöhung um mehr als 50 Prozent (Tagesspiegel vom 06.09.2008) bedeutet jetzt das Aus für die Traditionsbuchhandlung.

mehr Informationen dazu: Ulrike Steglich im ’stadt.plan.mitte’ Nr.66, Februar 2009
Buchhandlung Starick
Das Hotel Ecke Rosenthaler Straße/Weinmeisterstraße ist bald fertig

Hotel Casa Camper

Die Touristen aus den Hotels am Rosenthaler Platz und in der Rosenthaler Straße brauchen ja eher Imbisse und Restaurants …
Wie schrieb Alexa Kaufhof so schön im September 2008 in einen Kommentar hier auf das Blog:

‘Das ist doch ein wunderbares Beispiel dafür, wie der freie Markt alles regelt. Zwar steigen in solchen Gebieten die Wohnungsmieten, aber dafür werden die Hotelzimmer durch die Konkurrenz so billig, daß bald alle ins Hotel ziehen können.’

Hotel Casa Camper

2009-02-10