AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Auguststraße 5: Spielraum für Planer/Innen?

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…Traurig schaut er bisher aus, der Kinderspielplatz in der Auguststraße 5.

Der Spielplatz steht kurz vor der Fertigstellung, ob hier je “die Post abgehen wird“, wag ich zu bezweifeln.

Eingegangen in die Planungen sind wahrscheinlich nicht folgende Konzepte:

“Wie wir alle wissen sind Zeiten in denen Kinder sorglos auf der Straße spielten vorbei. Seit Ende der 50-Jahre findet eine kontinuierliche Verdrängung unserer Kinder in sog. Ersatzräume, wie z. B. eingezäunte Kinderspielplätze, statt.

Eine von Erwachsenen geplante, und für Kinder häufig langweilige Ausstattung und Beschaffenheit der Plätze, die für Kinder schnell ihren Reiz verliert, macht Spielplätze zu unattraktiven Vandalismusschwerpunkten. Kinder brauchen daher mehr Anreize zum Entdecken, Ausprobieren, mehr gestaltbaren Erlebnisraum.”

Aus: Spielraum für Planer Innen? Neuerungen, Absichten und Gültigkeiten der neuen,
überarbeiteten DIN 18034 „Spielplätze und Freiräume zum Spielen - Anforderungen und
Hinweise für die Planung und den Betrieb“ von Hans-Peter Barz

Oder auch:

“Die kindliche Entwicklung ist neben vielfältigen sozialen und personalen Bezügen auch entscheidend von der sie umgebenden gegenständlichen Welt geprägt. Dabei suchen Kinder stets die tätige Auseinandersetzung mit den Dingen. Es genügt ihnen nicht, die Objekte - auch die Naturobjekte - nur zu betrachten und darüber nachzudenken, erst durch Handeln und Ausprobieren gelingt ihnen die Aneignung der Welt.
Aus diesem Grund sind gerade auf den sogenannten Kinderspielplätzen Vielfalt und funktionale Unbestimmtheit der vorhandenen Materialien und Strukturen wichtig.”

Aus: Wildwuchs statt Designer-Rutsche, Städte- und Gemeinderat, 2001, Jg. 55, Heft 9, S. 18-20 von Herbert Österreicher

2007-08-25

Anleitung zum Barrikadenbau?

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Über Baustellen oder private Kunsthallen zu berichten ist wahrscheinlich unverfänglich.
Anders ist es schon wenn man über moderne soziologische Theorien der Stadtforschung schreibt -
z.B. zu dem Begriff Gentrification, der Entwicklungen beschreibt, der für das Nachwende Berlin in den innerstädtischen Stadtbezirken ein zutreffender Beschreibungsansatz ist.

Schnell findet man sich heutzutage im Gefängnis wieder,
mit dem Vorwurf geistiger Wegbereiter des Terrorismus zu sein.

So geschehen in den letzten Wochen - der Berliner Soziologe Dr. Andrej H. wurde in Untersuchungshaft genommen, mit folgender Begründung:

So ist von einer Mitgliedschaft von Dr. Andrej H. in einer terroristischen Vereinigung auszugehen, weil er sich mit Themen beschäftigt, die sich auch in Schreiben einer “militanten Gruppe” wieder finden; eine wissenschaftliche Abhandlung von Dr. Andrej H. von 1998 enthalte „Schlagwörter und Phrasen“, die in Texten der „militanten Gruppe“ gleichfalls verwendet werden (u.a. den in der Stadtforschung gebräuchlichen Begriff der ‚Gentrification’),einem beschuldigten promovierten Politologen stünden „als Mitarbeiter eines Forschungszentrums Bibliotheken zur Verfügung, die er unauffällig nutzen kann, um die zur Erstellung der militanten Gruppe erforderlichen Recherchen durchzuführen“ und er und die weiteren wissenschaftlich Tätigen verfügten über die „intellektuellen und sachlichen Voraussetzungen, die für das Verfassen der vergleichsweise anspruchsvollen Texte der militanten Gruppe erforderlich sind“.

Daher schreiben die Verfasser eines offenen Briefs folgendes:

“Solche Argumente lassen jede wissenschaftliche Tätigkeit als potentiell kriminell erscheinen. Die Begründungen der Bundesanwaltschaft stellen eine direkte Bedrohung für alle dar, die kritische Wissenschaft, Publizistik und Kunst betreiben und für diese mit ihrem Namen in der Öffentlichkeit einstehen. Kritische Forschung, auch in Verbindung mit sozialem und politischem Engagement, darf nicht zum terroristischen Tatbestand erklärt werden.”

Herhalten muß bei diesen Vorgehen der Bundesanwaltschaft der Paragraph 129 des deutschen Gesetzbuches, interessant seine Anwendung in der deutschen Geschichte seit 1871.

2007-08-21