AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Disneyfizierung von Berlin Mitte: Bau mir ein Schloss

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Die Schloss-Attrappe wächst langsam in die Höhe und der Abriss an der Breiten Strasse des ehemaligen Bauministeriums der DDR ist nun abgeschlossen.

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Abriss 2.Phase - gesehen März 2014

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Jetzt wird das Grundstück durch die Liegenschaftsfonds GmbH und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben an Privatinvestoren vermarktet.
“Ziel ist u.a. eine Re-Urbanisierung der Berliner Mitte als Bindeglied zwischen der Friedrichstadt, den historischen Kernen der Doppelstadt Berlin-Cölln, dem zukünftigen Humboldtforum auf der Spreeinsel, der Museumsinsel sowie den Bereichen um den Alexanderplatz.(…) Ein weiteres städtebauliches Ziel für die historischen Stadträume um Breite Straße, Brüderstraße und Petriplatz ist die Belebung des öffentlichen Raumes durch die Schaffung attraktiver Durchwegungen und Platzsituationen mit hoher Aufenthaltsqualität und, soweit möglich, differenzierten Nutzungsbereichen sowie öffentlichkeitswirksamen Nutzungen in den Erdgeschosszonen.” (Begründung zum Bebauungsplan I-218)

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siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berlin-geschichte-scharrenstrasse

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/berliner-unwille-schlossbaustelle-geflutet

2014-08-18

Bodenreform - Grundrecht auf Boden

Marthashof

Am Wochenende gab es im Deutschlandfunk eine “Lange Nacht über nachbarschaftliche Wohnformen”.

Berichtet wurde über genossenschaftliche Eigentumsformen an verschiedenen Beispielen. Als Negativbeispiel wurde der Berliner Marthashof angeführt:
“Gemeinschaft ist in der Wiener Sargfabrik nicht exklusiv gedacht, sondern als offenes Konzept, das in die Nachbarschaft hineinwirkt und sich damit von anderen privatwirtschaftlich realisierten Wohnprojekten unterscheidet, die heute auch gern damit werben, dass sie Gemeinschaft für ihre Bewohner schaffen. Ein Beispiel dafür ist der Berliner Marthashof am Prenzlauer Berg, der von Kritikern als Gated Community bezeichnet wird.”
Kritisiert wurde “eine ökonomische gleiche Nachbarschaft und eine Architektur des Ausschliessens, eine gebaute Abwehr gegen den Stadtraum: die deutsche gemilderte Variante der Gated Community.”

Das fand ich schon ganz gut, aber die Schlussworte echt erstaunlich:
Alex Rühle, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung:
“Es müsste von der Politik vielmehr geschehen, wir bräuchten eine BODENREFORM, (…) die Politik müßte vielmehr machen als diese Mietpreisbremse weil ich glaube äh , es könnte bald zu äh sozialen Unruhen kommen … ”
Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München:
“Also ich stimme der Bodenreform zu (…), ich denke, das es ein Grundrecht auf Boden geben müsste, nicht nur ein Grundrecht auf Wohnen und das der Bodenmarktpreis nicht allein dem freien Spiel der Markkräfte ausgesetzt werden darf.”

Nachhören:
http://www.deutschlandfunk.de/gemeinschaft-ein-verlorenes-paradies.704.de.html?dram:article_id=290003

2014-08-06

Proteste gegen Israels Militäreinsatz

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»Zehntausende aus Protest gegen Israels Militäreinsatz auf der Straße

Washington, Santiago de Chile und Paris sind dieses Mal die Stätten der größten Demonstrationen gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen gewesen.
Mehrere tausend Menschen haben am Samstag vor dem Weißen Haus in Washington gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen protestiert. Viele Demonstranten schwenkten palästinensische Flaggen und forderten ein Ende der Offensive in dem Küstengebiet im Nahen Osten. Auf Schildern war etwa “Schluss mit den US-Hilfen für den jüdischen Staat” und “Israel sanktionieren - ein Terrorstaat” zu lesen.«
http://www.dw.de/zehntausende-aus-protest-gegen-israels-milit%C3%A4reinsatz-auf-der-stra%C3%9Fe/a-17828405

Durch Berlin Mitte demonstrierten am Samstag ca. 500 Menschen gegen den israelischen Militäreinsatz in Gaza.

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Die Demonstration Ecke Rosenthaler Straße / Auguststraße

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Rolf Verleger, langjähriges Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland, schrieb in einen Gastbeitrag in der FR am 1.8.:
“Israels Unrecht auf geraubtem Land - Es ist ein Mantra deutscher Politiker, Israels Attacke auf Gaza sei gerechtfertigt. Wann nehmen sie endlich Vernunft an?
Seit 2005 ist Gaza ein großes Gefängnis; Israel hat es verriegelt, Ägypten bewacht den Hinterausgang. Israel erlaubt Ein- und Ausfuhren nur insoweit, dass niemand verhungert. Boote dürfen nur bis drei Meilen vor die Küste fahren, den EU-finanzierten Flughafen hat Israel zerbombt. Das hat die bescheidene Industrie und Landwirtschaft ruiniert. Womit sollen sich also die Einwohner beschäftigen? Ist es so erstaunlich, dass sie Tunnel bauen, um die Gefängnismauern zu durchlöchern? Ist es so erstaunlich, dass sie versuchen, ihren Gefängniswärtern zu schaden? (…)

Das zweite Massaker in fünf Jahren

Manche Leute äußern Verwunderung, warum Deutsche gegen dieses Massaker – das zweite in fünf Jahren – auf die Straße gehen. Warum nicht gegen Putin, Syrien, Nigeria? Nun, die Antwort ist einfach: Weil wir – zu Recht oder zu Unrecht – das Gefühl haben, dass deutsche Politiker und Medien mit diesen anderen Konflikten nicht viel zu tun haben oder neue Gesichtspunkte wenigstens zur Kenntnis nehmen. Diesen Eindruck kann man bei den Äußerungen der Spitzenpolitiker zu Gaza nicht haben. Sie wiederholen mantra-artig, Israels Attacke sei gerechtfertigt, denn jeder Staat habe das Recht, sich gegen terroristische Attacken zu verteidigen. Dagegen richtet sich unser Protest: Wir wollen, dass unsere Politiker Vernunft annehmen.(…)
Die EU sollte Israel daran messen, welche Fortschritte es bei der Beachtung von Völkerrecht und Menschenrechten macht. Und sie sollte darauf bestehen, dass es den Forderungen der Palästinenser nachkommt. Das heißt, dass die EU die andauernde Diskriminierung nichtjüdischer Israelis in Praxis und Gesetzgebung, die Militärdiktatur über das Westjordanland und seine Besetzung, die jahrelange Belagerung Gazas, verbunden mit periodischen Massenmorden an seinen Einwohnern, mit Sanktionen gegen Israel belegen muss. Statt Antisemitismus herbeizureden, sollten unsere Politiker und Medien mit ihrem Mitläufertum bei dem aktuellen Unrecht aufhören.”
http://www.fr-online.de/meinung/gaza-krieg-israels-unrecht-auf-geraubtem-land,1472602,28007268.html

2014-08-03

Touristenviertel Spandauer Vorstadt

Was ist so einzigartig an der Spandauer Vorstadt? Wenn man genau hinschaut - eigentlich NICHTS, das macht aber nichts, denn seit Mitte der 1990er Jahren beschreiben die Tourismusführer die Gegend als besondere Berliner “Sehenwürdigkeit”.

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Die Spandauer Vorstadt von einer Hotelterrasse aus

Seit der Zeit hat die Tourismusindustrie die Spandauer Vorstadt immer mehr touristifiziert.
Ein Bestandteil sind die täglich von verschiedenen Anbietern angeboten Kneipensauftouren (Pub Crawl) mit dem Startpunkt am Hackeschen Markt …

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Europa entdecken

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siehe auch:
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/pub-crawl

2014-07-27

Linienstrasse 142: Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen

Linienstrasse 142

Linienstrasse 142

Hausgeschichte der Linienstrasse 142 [gekürzt] (zusammengestellt von den letzten Mieterinnen und Mietern - http://linien142.wordpress.com/hausgeschichte/)

“ca. 1890 Baujahr des Hauses

nach der Wende, seit 1989
- Zwangsverwaltung durch die WBM, da Besitzer unklar
- bis auf wenige sind alle Wohnungen bewohnt
- ehemalige Besetzer des Hauses erhalten reguläre Mietverträge und sind nun legal
- WBM erhält Mieteinnahmen, es erfolgt KEINE Instandhaltung oder Reparaturen -> der Verfall beginnt
- Mieten werden gemäß Mietspiegel regelmäßig erhöht

1997/ 1998
- das Dach wird repariert

Ende 2000
- WBM vergibt trotz Bewerber keine Mietverträge mehr
- erster Leerstand entsteht

2001 – 2009
- Rückübertragung an rechtmäßigen Besitzer nach erfolgreichen Klagen dauerte ca. 8 Jahre
- aufgrund einer Hypothek (damalige Dachreparatur) kann der Besitzer sein Erbe nicht halten und ist zum Verkauf gezwungen

2009 – 2010
- 1. Verkauf des Hauses an die GbR: Klaus Poklekowski, PEG Potsdam Babelsberg GmbH für schätzungsweise 1,2 Mio. Euro
- Entmietung unter Androhung von Klagen oder Abfindungszahlungen
- großflächiger Leerstand
- Zwischennutzung im EG durch Galerie MMX
- Vorbereitung der späteren Verkaufsstrategie: Kunst soll das Objekt aufwerten “Die Kunst des Wohnens” oder “Vom Atelier zum Wohnzimmer” wird es später im Vertrieb heißen
- Vertrieb durch BoB Immokonzept GmbH

2012 – Anfang 2013
- 2. Verkauf des Hauses an die chairos Projektentwicklung GmbH für schätzungsweise 5 Mio. Euro
- 3. Verkauf des Hauses an die PRIMUS Immobilien AG für schätzungsweise 5,1 Mio. Euro

2013
- die 4 verbliebenen Mieter erhalten Kündigungen der PRIMUS Immobilien AG: „Ordentliche Kündigung des Mietvertrages gem. § 573 Abs. 2 Nr. 3 BGB wegen Hinderung angemessener wirtschaftlicher Verwertung“
- der PRIMUS Immobilien AG muss das Baujahr von ca. 1890 und das es noch reguläre Mieter gibt, bekannt gewesen sein
- Abbruch- und Bauarbeiten beginnen im August, obwohl die Kündigungsfrist noch bis Frühjahr 2014 läuft
- Mieter zahlen weiterhin Miete gemäß Mietspiegel”

Linienstrasse 142

siehe auch:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/branding-strategie-von-immobilienbesitzern-linienstrasse-142

2014-07-16

Autowahn

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Nachdem die meisten Spandauer Vorstadt Poller (aus chinesischen Granit) umgefahren wurden (und dann nicht mehr aufgebaut), konzentrieren sich die Autofahrer nun auf die gußeisernen „Wellmann-Poller“.
Die machen wahrscheinlich weniger Blechschaden …

Poller
gesehen in der Rosenthaler Straße

Poller
bewachter Poller in Kreuzberg

siehe auch:

umgefahrene Spandauer Vorstadt Poller (unvollständige Sammlung)

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/poller-geschichten

2014-07-08

Über den Tellerrand: Seit sieben Tagen Sperrgebiet in Kreuzberg

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Seit einer Woche sind drei Straßen rund um die Gerhart-Hauptmann-Schule von der Polizei abgesperrt.

Polizeipräsident Kandt sprach heute im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses von den zur Zeit um die Kreuzberger Ohlauer Straße eingesetzten Polizeibeamten aus anderen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, NRW usw.) von Fremdkräften. Das ist anscheinend Polizei-Sprache.

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Fremdkräfte aus Baden-Württemberg

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Fremdkräfte aus Bayern

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Bundespolizei

Ausserdem betonte er erneut, die Polizei sei nur auf Verlangen des Bezirks dort, nicht auf Basis einer anderen Rechtsgrundlage oder von Ereignissen oder Gefahren, die ihr Eingreifen zwingend erfordere. “Wenn der Bezirk sagt, er verzichtet auf die Absperrungen, dann fahren wir in die Unterkunft, das ist mir wurscht.”(BZ)

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siehe auch:

http://www.vice.com/de/read/gruene-zermuerben-die-letzten-fluechtlinge-durch-polizeibelagerung

http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kreuzberg-blog/drama-um-fluechtlinge-in-berlin-kreuzberg-ein-kiez-lebt-unter-staendiger-polizeikontrolle/10121306.html

2014-06-30

update 2014-07-01: via @fluxusx, ausführlicher Artikel zur Situation der Geflüchteten in der Schule
http://www.migazin.de/2014/06/30/es-waere-schoen-wenn-das-die-oeffentlichkeit-aufruettelt/

update 2014-07-03:

Am 1. Juli stellte der grüne Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff, ein Räumungsersuchen.
Am 2.Juli hatten Bezirk und Flüchtlinge einen Kompromiss ausgehandelt: Demnach dürfen die rund 40 Flüchtlinge in einem abgegrenzten Bereich der Schule bleiben. Voraussetzung ist aber, dass keine neuen Flüchtlinge dazukommen. Ein Wachdienst und die Verteilung von Hausausweisen sollen dazu beitragen.
Der Vertrag sichert den Flüchtlingen einen legalen Aufenthalt in der Schule zu. Sie werden nicht wegen eines Verstoßes gegen das Aufenthaltsrecht verfolgt. Außerdem erhalten sie dieselben finanziellen und sozialen Leistungen, die auch die ehemaligen Bewohner der Schule bekommen, die in andere Unterkünfte umquartiert wurden.(rbb)
Die Polizei hatte in der Nacht zum 3.7. das Sperrgebiet aufgehoben und sich fast komplett zurück gezogen.

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