AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Wir wollen die Besten im Gefängnis

wir_wollen_die-besten1.jpg

Es gab in letzter Zeit diese Werbung in den Berliner U-Bahnhöfen: “Wir wollen die Besten im Gefängnis”, für Personal in den Berliner Justizvollzugsanstalten.
Irgendwie zynisch - angesichts der Tatsache, das bis zu einem Drittel der Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee wegen Schwarzfahren einsitzen.
“Wer drei Mal ohne gültigen Fahrschein ertappt wird, muss damit rechnen, dass es eine Strafanzeige gibt. Und wer dann eine verhängte Geldbuße nicht zahlt, wandert in der Regel ins Gefängnis. In der Justizvollzugsanstalt Plötzensee verbüßen bis zu einem Drittel der Insassen solche „Ersatzfreiheitsstrafen“. Grüne, Linke und Piraten fordern sein Jahren, Schwarzfahren nicht mehr als Straftat, sondern als Ordnungswidrigkeit einzustufen. Die Verkehrsbetriebe halten dagegen an den Strafverfahren fest – zur Abschreckung.”
http://www.tagesspiegel.de/berlin/bvg-und-s-bahn-berlin-strafanzeigen-wegen-schwarzfahrens-nehmen-drastisch-zu/12733452.html

2016-04-28

Forum Museumsinsel und der Zeitgeist der 1990er Jahre

“Es zählt zu den ironischen Wendungen der deutschen Geschichte, dass ausgerechnet unter der ersten rot-grünen Bundesregierung der Markt über den Staat dominierte (…).
Privatisiert wurde alles, was nicht bei drei auf dem Baum war. Briefe zustellen, Telefonanschlüsse legen, Strom erzeugen: Das kann doch der Markt alles viel besser als der Staat.”(spiegel)

Bundesinnenministerium

Im Jahr 1997 mietete sich das Bundesinnenministerium unter Manfred Kanther (CDU), anstatt in eine bundeseigene Immobilie zu ziehen, im Bürogebäude auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei Bolle im Moabiter Spreebogen ein.
Monatlich muß der Bund 1,1 Millionen Mark Miete an den Eigentümer Ernst Freiberger, Europas größten Pizza- und Pastahersteller (Pizza “Alberto”), überweisen.(welt)

Vorher hatte Freiberger schon seine Anteile an der Tiefkühlpizzafirma verkauft und stieg ins Immobiliengeschäft ein.
Der Bundesrechnungshof urteilt in einem 2005 bekannt gewordenen Prüfbericht, dass der Abschluss des Mietvertrages im Jahr 1997 sowie eines Folgevertrages über weitere Flächen im Jahr 2001 “wirtschaftlich nicht vertretbar” gewesen sei.
http://www.berliner-zeitung.de/rechnungspruefer-kritisieren–wie-blauaeugig-das-innenministerium-einen-mietvertrag-abschloss-eine-teure-fehlentscheidung-15464394

2015 bezog das Bundesinnenministerium dann eine eigene Immobilie: seitdem steht das Bürogebäude am Spreebogen leer und der Bund zahlt wegen des laufenden Mietvertrags weiter jeden Monat eine halbe Millionen Euro.

Forum Museumsinsel

rohrpostamt01.jpg

2001 kaufte Freiberger (jetzt Freiberger Holding) vom Bund den Gebäudekomplex zwischen Ziegelstraße und Oranienburger Straße, bis 1945 Haupttelegrafenamt (HTA) von Berlin, in der DDR-Zeit von der Deutschen Post als Fernmeldeamt und anschließend bis 1998 von der Deutschen Telekom genutzt.

Fernmeldeamt1.jpg

Seit Herbst 2015 wird nun gebaut. Vermietet wird dann an die Deutsche Telekom und 10.760 m² Bürofläche an das Unternehmen Delivery Hero (Lieferheld und pizza.de).
Dann soll noch ein Hotel und Läden für den “gehobenen Konsum” entstehen.

ziegelstrasse.jpg
Ziegelstraße

Die von der Freiberger Holding 2007 vom Berliner Liegenschaftsfonds gekauften Gebäude südlich der Ziegelstraße (ehemals Universitätsklinik Charité) stehen kurz vor der Fertigstellung.

siehe auch:
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-privatisierte-stadt-forum-museumsinsel

2016-04-22

hta2.jpg

UPDATE 2016-04-27
Am ehemaligen Fernsprechamt in der Tucholskystraße werden die Gerüste entfernt.

hta1.jpg

Areal am Tacheles

tacheles_11.jpg

tacheles_21.jpg

Eine Projektentwicklungsgesellschaft des neuen Besitzers des “Areal am Tacheles”, gekauft hatte 2014 ein Fonds der US-amerikanischen Investmentfirma Perella Weinberg Real Estat, veröffentlichte am 21.3.16 eine Pressemitteilung in der die ersten Planungen erläutert werden: “Die Bagger werden zunächst Gebäudereste der 1909 eröffneten Friedrichstraßenpassage entfernen und das Gelände für den Aushub der Baugrube im November vorbereiten. pwr development will ab Mitte 2018 mit dem Hochbau und den Sanierungsarbeiten beginnen, im Laufe des Jahres 2020 sollen die letzten Gebäude bezugsfertig sein.”

tacheles_51.jpg
Erste Bauvoruntersuchungen

tacheles_31.jpg
Bäume wurden auch schon gefällt

Die massive Bebauung des 2,5 Hektar großen Geländes sieht nur einen Wohnanteil von 38 Prozent vor und das nur mit Eigentumswohnungen. Der Rest der Flächen werden Büros, Restaurants, Einzelhandel und Hotels “wobei eine Mischung wie am nahe gelegenen Hackeschen Markt denkbar ist: schicke Boutiquen, Kunsthandel und moderne Designshops”. (Tagesspiegel)

pressebild1.jpg
(C) pwr development GmbH

Dabei gilt seit Sommer 2015 in Berlin eine 25 Prozent Sozialwohnungsquote: “Leitlinie dafür ist das im August vergangenen Jahres beschlossene „Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung“, das sich an dem seit Jahrzehnten etablierten Münchner Modell der „Sozialgerechten Bodennutzung“ orientiert. Kern des Berliner Modells ist, die Investoren bei der Schaffung von Baurecht für größere Wohnungsbauvorhaben zu Gegenleistungen zu verpflichten.”
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/mehr-wohnungen-in-berlin-weil-die-stadt-schneller-waechst/11666456.html

Dazu Mittes Bezirkbaustadtrat Carsten Spallek zum RBB: “Heute müsste eigentlich ein Teil als günstige Mietwohnungen für 6,50 € angeboten werden, das wird es nicht geben, weil es ein Bebauungsplan ist, der 12 Jahre alt ist, und nur in neuen Bebauungsplänen wird das festgeschrieben” (Abendschau 21.03.2016)

Die Geschichte des Standorts ist eine Geschichte der Pleiten

ta_geschichte1.jpg
http://www.kunsthaus-tacheles.de/institution/history/

“In nur 15 Monaten entstand das Gebäude zwischen 1907 bis 1908 unter der Leitung des kaiserlichen Baurates Franz Ahrens. 1909 wurde das Kaufhaus eröffnet. Es beherbergte nach der Kaiserpassage Unter den Linden die zweitgrößte Einkaufspassage der Stadt. (…) Schon das erste Kaufhausprojekt musste bald nach der Eröffnung wieder schließen. Nachfolger Wertheim konnte sich nur bis 1914 halten. Schließlich nutzte die AEG das Gebäude als Haus der Technik.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/tacheles-alternative-zur-alternativszene/12429304.html
“Ein ganzer Stadtteil mit drei historischen Gebäuden, wurde von der öffentlichen Hand 1998 für 30,9 Millionen Euro an den geschlossenen Immoblienfondsbetreiber August Jagdfeld/Fundus Gruppe verkauft. Seine Investitionen hat er nie getätigt, die öffentliche Hand hat trotz dieses Vertragsbruches keine Rückabwicklung des Kaufes durchgeführt.”
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/die-verkaufte-mitte

2014 verkaufte Jagdfeld das Gelände für rund 150 Millionen an die internationale Fondsgesellschaft Perella Weinberg.

2016-03-23

Spaziergang durch die Geschichte der Auguststraße

Marion Kiesow, Klaus Bädicker und Octavia Wolle präsentieren am 15. März um 20 Uhr in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek in der Brunnenstraße 181 eine Collage aus Erzählungen, gelesenen Texten und Bildern.

Hinweis.jpg

“Der Fotograf Klaus Bädicker hat die Straße und ihre Menschen schon zu DDR-Zeiten durch seine Arbeit bei der kommunalen Wohnungsverwaltung Mitte dokumentiert. Bädicker erzählt zu seinen Fotos auch spannende Anekdoten. Marion Kiesow hat für ihr Buch „Berlin tanzt in Clärchens Ballhaus“ die Geschichte der Straße und ihrer Anwohner recherchiert. Sie veranstaltet auch regelmäßig Kulturspaziergänge durch die Auguststraße. Octavia Wolle wuchs in den Heckmann-Höfen auf und liest aus ihren aufgeschriebenen Kindheitserinnerungen „Oranienburger Straße 32 oder Zur Unterirdischen Tante“. Der Eintritt ist frei. ” (http://www.berliner-woche.de/prenzlauer-berg/bildung/virtueller-spaziergang-durch-die-geschichte-der-auguststrasse-d94981.html)

2016-03-08

Noch mehr shoppen

wbm_sanierung0.jpg

wbm_sanierung7.jpg

Da werden sich die Touristen freuen. Bald kann man/frau vom Hackeschen Markt bis zum Rosenthaler Platz shoppen.

wbm_sanierung5.jpg

Die WBM nutzt die energetische Sanierung ihrer Plattenbauten um in der Rosenthaler Straße (zwischen der Auguststraße und der Linienstraße) durch den Ausbau neuer Ladenflächen im Ergeschoss noch mehr Geschäfte anzusiedeln.

wbm_sanierung6.jpg

wbm_sanierung1.jpg
Die alten Fassadenteile

2016-02-26

Die Polizei informiert

polizei.JPG

Am 23. und 24. Februar 2016 findet im Congress Center am Alexanderplatz der 19. Europäische Polizeikongress statt, diesjähriger Titel „Police 4.0. Lokaler Tatort – globale Ursache. Terrorismus – Cyber – Organisierte Kriminalität“.

Traditionell gibt es da auch jedes Jahr eine Demonstration mit kritischen Positionen zu Themen wie Überwachung und Repression, Polizeigewalt und zur “Festung Europa”.

Einen Aufruf zu dieser Demonstration hab ich in Mitte keinen gesehen, aber die Polizei Berlin informiert:
entlang der Demonstrationsstrecke hängt an jeder Haustür in der Rosenthaler Straße ein Infoblatt der Polizei, indem die Anwohner um Verständnis für “notwendige Einschränkungen” gebeten werden.
“Local repression - Global resistance” Demonstration gegen den Europäischen Polizeikongress und Frontex” startet um 16.30 am Rosenthaler Platz. Und um 17h beginnt am Alex gegenüber des bcc die Kundgebung “Manifestation against FRONTEX, Fortress Europe and Borders! “Ferries not Frontex”.

Interessant auch der kürzlich auf der Rechercheplattform Correctiv.org veröffentlichte Artikel zum Ausmaß von Polizeigewalt in Deutschland:
Wenn Polizisten prügeln - Im Jahr 2014 wurden genau 2138 Polizisten wegen Gewalt angezeigt. Aber nur 33 kamen vor Gericht
https://correctiv.org/blog/2016/02/12/polizeigewalt-zahlen-faelle/

2016-02-21

Wohneigentum - Angst statt Freiheit

sparda1.jpg
gesehen in der Gipsstraße

Selten blöde Werbung für eine Wohneigentumsfinanzierung.
“Wir finanzieren Freiheit - Finanzierungen bis 100 % Verkehrswert, also Finanzierung des Kaufpreises für Kunden mit wenig Eigenkapital.”
Anstatt der Freiheit - ein Leben in Angst.

sparda2.jpg

“Am meisten Angst haben die Bauherren vor Arbeitslosigkeit (47 Prozent), Inflation und Wirtschaftskrise (40 Prozent), steigenden Zinsen und ungeplanten Kosten durch Baumängel (jeweils 36 Prozent). (…) Die Sorgen äußern sich bei 40 Prozent der Befragten durch Nervosität, einen Sparzwang (”ich drehe jeden Cent um”, 35 Prozent) sowie Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche (30 Prozent). Bei jedem zehnten Bauherr vergiften die Geldsorgen auch das Beziehungsklima, Streit ist vorprogrammiert.”
Aus einer Studie von immobilienscout24:
Klotz am Bein, statt trautes Heim: 3 von 4 Immobilienkäufern sorgen sich um ihre Baufinanzierung
http://news.immobilienscout24.de/tipps-der-redaktion/klotz-am-bein-statt-trautes-heim-3-von-4-immobilienkaeufern-sorgen-sich-um-ihre-baufinanzierung-,98564.html

Achja, da fällt mir auch mal wieder ‘Das Putzfrauen-Dilemma’ ein:

http://auguststrasse-berlin-mitte.de/das-putzfrauen-dilemma

2016-02-19

nächste Seite »