AUGUSTSTRASSE                            Keine Kunst

Vernichtung preiswerten Wohnraums

Kleine Auguststrasse 2

Dach- und Fassadenarbeiten an der Kleinen Auguststrasse 2-3 sind nun abgeschlossen. Hier wird ein 7-Familienhaus zu einen Einfamilienhaus umgebaut.

1500 Meter entfernt, in der Belforter Straße (Prenzlauer Berg) wurden letzte Woche 20 preiswerte sanierte Mietwohnungen abgerissen um einen Luxuswohnprojekt Platz zu machen.
Da wird es dann Eigentumswohnungen ab 900.000 € geben.

Belforter Strasse

Belforter Strasse

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“Von der Bezirkspolitik fühlen sich viele der betroffenen Mieter/innen verraten und verkauft. Denn ursprünglich sollten der Abriss und die Umgestaltung des bauhistorisch bedeutsamen Ensembles durch eine im Mai 2011 erlassene Erhaltungsverordnung verhindert werden. Auf Grundlage der Erhaltungsverordnung konnte der Bezirk die Bauvoranfrage abschlägig bescheiden. Dagegen ging der Investor juristisch vor und machte Schadensersatzansprüche von bis zu 15 Millionen Euro geltend. Die ersten Verhandlungstermine hätten für den Bezirk und das Land hohe Risiken gezeigt, den Rechtsstreit zu verlieren, erklärte der Pankower Bezirkstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (B90/Grüne), auf Nachfrage.”(Mieterecho)

siehe auch:
http://auguststrasse-berlin-mitte.de/kleine-auguststrasse-2-3-vom-mietshaus-zum-einfamilienhaus
http://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2013/me-single/article/zweifelhafte-kuendigungen.html

https://www.youtube.com/watch?v=BumoJ6aYP0c#t=93

2014-04-15

Shoppst Du noch ?

Shoppst Du noch
gesehen am Hackeschen Markt

“Der Konsumismus hat der Selbstdarstellung, der Kunst des Scheins, der Inszenierung des Alltäglichen, dem lächerlichen Glanz des Leidens am Überleben Maßstäbe auferlegt. Er hat den Preis der Menschen am Preis der Dinge ausgerichtet, für die ihre Kaufkraft ausreicht.
Und so hat sich, mit zunehmender Verblödung durch die Werbung, der Modekult zum Auszeichnungs- und Ausschlusskriterium erhoben. Der Markt übt auf die Kinder einen solchen Einfluss aus, dass an die Stelle des Wunsches, man selbst zu sein, jene Lust am Schein tritt, die auf Konkurrenz basiert und Aggressivität, Frustration, Gewalt und Raubinstinkt hervorbringt. (…)

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Spielwarengeschäft gesehen in Leipzig

Sicherheit ist eine kommerzielle Dienstleistung, die dem verkauft wird, der darauf verzichtet zu leben, um sich dafür eine Scheinexistenz zu kaufen. Der ‘Geniestreich’ des Konsumismus bestand darin, aus der Angst, es könne an allem fehlen, und der Unzufriedenheit darüber, nie genug zu besitzen, Profit zu schlagen.
Der Unzufriedene stürzt sich in die Tröstungen des Habens, aber die Leere wird nie gefüllt, weil die ständige Gefährdung der Kaufkraft die Frustration noch steigert. (…)

Die Angst entspingt hier nicht einer drohenden Hungersnot, sondern einen künstlich geschaffenen Bedürfnis nach dem allerneusten Schnickschnack. Dass ist die Freiheit, auf die der Einfluss der Ökonomie die Demokratie reduziert hat. Aus dem Kampf um Emanzipation ist ein Ringen um Besitztümer geworden, bei dem Schuhe einer berühmten Marke denselben Raubreflex auslösen wie auf der internationalen Ebene Erdöl, Weltmeere und Regenwald. (…)

Noch ist das Prinzip der Kostenlosigkeit keine Forderung. Es wird eine werden. Das Bewußtsein breitet sich aus, dass der öffentliche Dienst, das Bildungs- und Gesundheitswesen, Boden und Trinkwasser, natürliche Rohstoffe und erneuerbare Energien jedem kostenlos zur Verfügung stehen müssen. Die Kostenlosigkeit des Lebens ist die Waffe, die der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende machen wird.”

Aus Raoul Vaneigem, Zwischen der Trauer um die Welt und der Lust am Leben, Hambug 2011

2014-04-07

Kurzfilme und Themenabend

Filmfestival Contravision

Für Freunde des Kurzfilms ist das Filmfestival Contravision dieses Jahr in der Spandauer Vorstadt zu Gast.
Vom 28.03.2014 bis 05.04.2014 gibt es ein Kurzfilmprogramm mit 76 Filmen aus 21 Ländern.
Festivalkino ist das Central in der Rosenthaler Straße 39.
Am 01.April gibt es ein “Spanien-Special” mit ausschliesslich Filmen, die in Spanien produziert wurden.

Filmfestival Contravision

Neugierig gemacht hat mich ein Themenabend am 31. März:
NSU, Nazis und Medien (Filme und Podiumsdiskussion)

28.03.-05.04.2014 • Kino Central, Rosenthaler Straße 39 • 20 Uhr • 8 EURO
Themenabend am 31. März um 18 Uhr.

Programm: http://www.contravision.de/de/programm-2014

2014-03-28

Über den Tellerrand: Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit

gesehen im März 2014 in einer Großstadt in Süddeutschland

Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit

Wohnungslosigkeit

2014-03-26

Reichtum und Schuldenökonomie

reichtumsuhr
Reichtumsuhr am Schiffbauerdamm

“Selbstverständlich ist ein Klassenkampf im Gange, und es ist meine Klasse, die der Reichen, die ihn angefangen hat und ihn auch gewinnt.” Warren Buffett, zitiert nach David Harvey, „Rebellische Städte“, Berlin 2013, S. 205

reichtumsuhr

Der Staat muss sich das Geld jetzt bei denen leihen, denen er vorher die Steuern gesenkt hat.

“Im fordistischen Modell des Industriekapitalismus, etwa von 1945 bis 1973, wanderte das Geld noch in die Fabrik, um sich zu vermehren. Um zu mehr Geld zu werden. Zu Kapital. Das dann wieder in die Fabrik geht. Um sich weiter zu vermehren. Um zu noch mehr Kapital zu werden. Und immer so weiter.
Man nennt das auch Wachstum.(…)
Immer mehr Geld entsteht inzwischen ohne den Umweg über die Fabrik. Außerhalb der Warenproduktion.
Die Banken stellen es selber her, indem sie Geld verleihen, das es vorher noch nicht gegeben hat.(…)
Indem Banken Schuldner produzieren, schöpfen sie Geld. Und so entstehen Geldvermögen buchstäblich aus dem Nichts.(…)
Das wird uns tatsächlich systematisch vorenthalten, dieses Wissen, dass die Vermögen des einen immer die Schulden des anderen sind. Aber das ist ja ganz klar: Wenn jemand anderes irgendein Vermögen haben soll, dann hat er das deswegen, weil es eben jemand schuldet. Das ist das Vermögen. (…)
Das neoliberale Versprechen, alle zu Eigentümern zu machen, ist 2006 mit der amerikanischen Häuserkrise geplatzt. Aufgebläht hatte man die Immobilienblase mit außerordentlich günstigem Kreditgeld.
Alan Greenspan, damaliger US-Notenbank-Chef, hatte die Banken mit billigem Geld versorgt. Und die Banken haben das billige Geld an mittellose Leute verliehen.(…)
Denn man hatte in der Zwischenzeit Techniken entwickelt, Kredite unterschiedlichster Qualität in Paketen zu bündeln. Und an die ganze Welt weiterzuverkaufen.
Vor allem europäische Banken haben zugegriffen.
Als sie unter der Last fauler Kredite zusammenzubrechen drohten, sprangen die Staaten ein, um sie zu retten.(…)
Das Geld hat Wege gefunden, auf den Finanzmärkten - in den Geldfabriken - an Vermehrung wettzumachen, was seit Mitte der siebziger Jahre in der Realökonomie nicht mehr möglich war, sagt Christian Marazzi, ein italienischer Forscher.(…)
Es begann damit, dass die USA in den siebziger Jahren Riesenmengen an Dollar druckten, um ihren Krieg in Vietnam zu finanzieren. Im Ausland kamen Zweifel auf, ob überhaupt noch genug Gold als Gegenwert vorhanden wäre. US-Präsident Nixon hat den Dollar dann vom Gold getrennt.
In diesem Moment wurde das Geld vollkommen mobil, es hatte jetzt keine Referenz mehr. Die Schuldenökonomie ist überhaupt erst ab diesem Moment möglich geworden. (…)
Der Staat hat zwei Grundfunktionen: Er erhebt Steuern und Gebühren, das ist ein wesentliches Abgreifungsinstrument, und er verteilt dieses Geld dann wieder. Beide Funktionen haben sich die Neoliberalen angeeignet. Die neoliberale Politik in Amerika hat ja als Steuerrevolution begonnen. Dazu muss man sich vorstellen, dass es unter Roosevelt einen Einkommenssteuerspitzensatz von bis zu 90% gab, und dass das damals keinen Skandal verursachte. Jetzt hingegen zahlen die Unternehmen und die Reichen nicht mehr viel Steuern, und entsprechend wachsen die Staatsschulden. Es ist offensichtlich, dass die Schulden damit zusammenhängen; man muss sie auf den Finanzmärkten suchen.
Der Staat muss sich das Geld jetzt bei denen leihen, denen er vorher die Steuern gesenkt hat. Die Zinsforderungen reicht er an die Gesellschaft weiter. (…)
Lazzarato sieht in der gegenwärtigen Krise der drohenden Staatskonkurse den Neoliberalismus an sein Ziel kommen.
Denn die Krise, sagt er, wird zur vollständigen Durchsetzung des neoliberalen Programms genutzt:
die Löhne auf ein Minimum zu reduzieren, das verbliebene Staatseigentum zu privatisieren und den Sozialstaat zugunsten der Banken, Unternehmen, Vermögenden zu plündern.(…)”

Aus: “You are not a loan!”
Oder: Kapitalismus als Schuldenökonomie
Ein Radio-Feature von Barbara Eisenmann
hören: http://www.deutschlandfunk.de/wirtschaft-you-are-not-a-loan.1247.de.html?dram:article_id=277504

2014-03-24

Ende eines Trends - Who kills Berlin

SP38
Neue Wandgestaltung von SP38 in der Auguststrasse

Der Tagesspiegel berichtete letzte Woche über eine Trendwende des internationalen Ansehens von Berlin. Unter den Titel “Ende eines Trends? Berlin ist nicht mehr die coolste Stadt der Welt” fragt der Autor, “kann eine Metropole, die wirtschaftlich wachsen will, auf Dauer den Charme des Unfertigen und Anarchischen bewahren?” und “Es vollzieht sich in der Stadt jetzt das, wovor die Technopäpste und Partypioniere der 90er Jahre immer gewarnt haben: Berlin wird langsam normal, die Brachflächen der Nachwendezeit verwandeln sich in Geschäftsviertel, immer mehr Menschen wohnen und arbeiten im Zentrum, sitzen tagsüber in Büroetagen und gehen abends ins Fitnessstudio. Währenddessen müssen Berlin-Besucher zur systemkritischen Subkultur und ihren Machern an den Stadtrand fahren.(…) Was wird passieren, wenn alles fertig ist? Das Stadtschloss als Architekturpflaster und hübsche Kulisse wird nicht reichen, die Welt zu begeistern.”

Schlossbaustelle
Stadschloss-Baustelle

siehe auch: NYC: Spike Le e und das Columbus-Syndrom der Gentrification

2014-03-11

Weg mit dem Grün in der Tucholskystraße

Schon in den 1990er Jahren begrünten Nachbarn in der Tucholskystraße ihren Gehweg. Fotografien des begrünten Trabis dienten als Berlin-Postkarten oder als SPD Werbung.

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Letzte Woche lies das Bezirksamt Berlin Mitte “ungenehmigte Baumpflanzungen” in der Tucholskystraße entfernen, von Bewohnern aufgestellte Pflanzenkübel nahmen sie auch gleich mit.

Dazu die Anwohner:

“WIR LEBEN HIER
Wir, die Bürger und Anwohner der Tucholskystraße (Berlin-Mitte), sind fassungslos und entsetzt über die „Baum ab”-Aktion, die der Bezirksbaustadtrat von Berlin-Mitte, Herr Spallek (CDU) am Montag, den 17.02.2014, angeordnet hat. „Weg mit dem Grün in der Tucholskystraße!”
8.00 Uhr. Ein Konvoi von Baufahrzeugen in der Tucholskystraße. Völlig unvorbereitet wurden wir Anwohner erst durch das Getöse der Motorsägen auf das Geschehen aufmerksam. Bevor man begriff, was da vor sich ging, hatte man bereits gezielt die Baumkronen unser Bäume in der Tucholskystraße gekappt, um jedmögliche Rettung der Bäume auszuschließen. Fünfzehn Minuten später gab es die Bäume nicht mehr. Auch die Pflanzenkübel mit Flieder, Ranunkelsträuchern und Blumen, die nicht nur uns Anwohner erfreuten, wurden abtransportiert.
Es mag sein, dass die Baumpflanzungen nicht offiziell genehmigt waren, wie es in der Pressemitteilung vom 13.2.2014 heißt. Nichtsdestotrotz sind sie über viele Jahre geduldet worden. Die Bäume und Pflanzen, die hier zum Teil schon über 10 Jahre standen, sind von uns Anwohnern liebevoll gepflegt worden, haben etwas Grün in eine ansonsten graue Straße gebracht und wurden tagtäglich von Dutzenden Touristen bewundert und fotografiert.”

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Darum hat sich jetzt eine Initiative gebildet, ‘Tucholsky Grün’, leider nur über Facebook: https://www.facebook.com/pages/Tucholsky-Gr%C3%BCn/354758317996217

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© Tucholsky Grün’

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2014-02-26

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